Der fulminante Kursanstieg, den die Aktie der Sektkellerei Schloss Wachenheim in den Jahren 2003 und 2004 hingelegt hat, ist in diesem Jahr ins Stocken geraten. Der Börsengang der polnischen Tochter Ambra, in der die Osteuropa-Aktivitäten des Konzerns gebündelt sind, sollte eigentlich dabei helfen, die nächste Kursstufe zu zünden.
Doch obwohl das Vorhaben inzwischen praktisch umgesetzt ist, sind positive Kursimpulse bislang ausgeblieben. Zu erklären ist das sicherlich mit einem deutlich geringer als erhofft ausgefallenen Emissionserlös. Im Interview erklärt der Vorstandsvorsitzende Nick Reh, warum er trotzdem zuversichtlich nach vorne blickt und dem Aktienkurs mittel- und langfristig noch einigen Spielraum nach oben zutraut.
Mehr über die Aktie unter: Osteuropa soll der Wachenheim-Aktie neue Kursimpulse geben
Herr Reh, Sie hatten mit dem Börsengang der polnischen Tochter Ambra einen Emissionserlös von 40 bis 50 Millionen Euro angepeilt. Warum sind es letztlich nur rund 15 Millionen Euro geworden?
Verantwortlich dafür sind verschiedene Gründe. An den Börsen in Osteuropa kam es im März zu einem deutlichen Kursrückschlag, was die Kauflaune merklich getrübt hat. Zudem kommt es vor den zum Halbjahr wirksam werdenden schärferen Zulassungsvorschriften an der polnischen Börse zu einer Vielzahl von Neuemissionen. Vielleicht sind wir aber auch selbst etwa zu euphorisch an die Sache herangegangen.
Müssen Sie wegen der geringer als erwartet ausgefallenen Erlöse Ihre Pläne ändern?
Das Resultat der Emission schränkt uns in keinster Weise ein. Ursprünglich hatten wir mit einem Erlös zwischen 40 und 50 Millionen Euro gerechnet. Daraus sollten zwischen 20 und 25 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung resultieren und der Rest aus dem Verkauf eigener Aktien. Jetzt sind es rund 15 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung geworden, während wir auf den Verkauf der eigenen Aktien verzichtet haben. Wir haben eine Reihe von Projekten in der Pipeline, von denen wir schon in den nächsten Tagen und Wochen einige realisieren werden. Erste Expansionsziele haben wir in Polen, Tschechien, der Slowakei und in Rumänien identifiziert.
Wie laufen allgemein die Geschäfte und wie sieht es speziell in Osteuropa aus?
Bei Ambra läuft die Entwicklung besser als vor einem halben Jahr angenommen. Auf der Absatzseite geht es wie erwartet voran. Bereits getätigte und in der Pipeline steckende Zukäufe verschaffen uns günstige Perspektiven. Zum Vorteil gereicht uns auch die gute Kursentwicklung der osteuropäischen Währungen, was uns nicht zuletzt im Einkauf hilft. Im Konzern dürften wir unser Gewinnversprechen für das Geschäftsjahr 2004/2005 einhalten können.
Wie dürfte im Konzern mittelfristig die regionale Umsatzverteilung aussehen?
Für das Geschäftsjahr 2004/2005 haben wir ein Umsatzziel von 340 Millionen Euro vorgegeben, das wir auch erreichen dürften. 170 Millionen davon kommen aus Deutschland, 90 Millionen aus Frankreich und 80 Millionen Euro aus Osteuropa. Mittelfristig gehe ich davon aus, daß Osteuropa zum stärksten Standbein werden wird. Schon im nächsten Geschäftsjahr konnte sich der Umsatz in dieser Region auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen. Die Zuwächse werden dabei auch aus einer Reihe von Akquisitionen resultieren. Wir profitieren aber auch von den sich ändernden Trinkgewohnheiten im Osten. Diese nähern sich immer mehr den Gepflogenheiten im Westen an. Das bedeutet, daß der Marktanteil hochprozentiger alkoholischer Getränke am gesamten Alkoholkonsum abnehmen wird.
Wie beurteilen Sie selbst die Aussichten Ihrer Aktie?
Heute geht der Kurs, so wie er ist, in Ordnung. Mittelfristig sind aber deutliche Kurssteigerungen drin. Dafür sprechen neben einem Wert der Marke von rund 200 Millionen Euro die guten Perspektiven in Osteuropa. Außerdem werden wir noch zeigen, was für hohe stille Reserven in Ambra stecken.
Was sagen Sie zu den immer wieder einmal auftauchenden Übernahmegerüchten?
Was in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, weiß natürlich niemand. Mittelfristig ist ein kompletter Rückzug der Familie aber schwer vorstellbar. So gesehen sind Übernahmegerüchte momentan kompletter Unsinn. Wir haben eine sehr gute Entwicklung vor uns. Das Vermögen der Familie läßt sich folglich mit der Wachenheim-Aktie am besten mehren.