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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview "Noch ist es für einen Einstieg in Argentinien zu früh"

 ·  Erst wenn sich abzeichnet, dass die Abwertung des Peso nicht in einem Chaos endet, sollten Investoren über einen Einstieg in Argentinien nachdenken, rät Herbert Saller, Portfoliomanager bei F&C Management.

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Noch immer sind die Banken in Argentien nur begrenzt geöffnet und der Devisenmarkt geschlossen. Damit steht die erste Bewährungsprobe für den argentinischen Peso nach der Aufhebung des Eins-zu-Eins-Wechselkurses an den Dollar noch bevor. FAZ.NET hat mit Herbert Staller, Portfoliomanager für Rentenpapiere der Schwellenländer, über die Lage in Argentinien gesprochen.

In Mexiko, Brasilien und Russland ist eine solche schrittweise Abwertung, wie sie Argentinien derzeit betreibt, gescheitert. Warum versucht Argentinien nun die Politik der kleinen Schritte?

Der neue Präsident will Unruhe vermeiden und muss moderate, nicht zu aggressive Schritte machen. Wenn die Regierung den Peso freigegeben hätte, dann wäre er wahrscheinlich in Richtung 1,70 oder 1,80 Peso für einen Dollar gefallen. Einem solchen Kursverlust des Peso wollte sie vorbeugen. Allerdings ist diese Abwertung von 1,4 Peso je Dollar nicht auf Dauer durch zu halten. Das ist nur ein Anfangsschritt. Aber aus ökonomischer Sicht machen zwei Wechselkurse, wie Argentinien sie derzeit hat, keinen Sinn.

Wie lange kann Argentinien denn noch die Wechselkursfixierung durchhalten?

Präsident Duhalde will den Wechselkurs innerhalb von drei, vier Monaten ganz freigeben. Dafür muss allerdings ein hoher Preis bezahlt werden. Kolumbien hat bei der Freigabe des Wechselkurses im Juni 1999 die Währung zunächst stark unterbewertet. Das hat der Wirtschaft dann geholfen, konkurrenzfähig gegenüber den anderen Ländern zu werden und hat so zu einem positiven Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr beigetragen. Solche Schritte konnte man in Argentinien allerdings noch nicht ganz durchsetzen, weil in Argentinien viel mehr aus dem Spiel steht, so etwa das Bankensystem. Zudem ist der Exportsektor mit zehn Prozent des Bruttosozialprodukts relativ gering.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Risiken in Argentinien?

Die Regierung muss Zeit gewinnen, und sie dürfen das politische Kapital nicht verspielen. Das größte Risiko ist, dass auf einmal wieder die Massen auf die Straße marschieren, und die Regierung den politischen Rückhalt im Kongress verliert. Als zweites muss die Regierung das Bankensystem stützen. Das Bankensystem ist vorwiegend in ausländischer Hand, daher können sie nicht sagen, sie werten ab, egal, was jetzt passiert. Da Kredite bis 100.000 Dollar eins zu eins in Peso gewandelt werden, die Banken sich aber ihrerseits in Dollar finanzieren müssen, entsteht eine große Differenz zwischen der Aktiv- und Passivseite der Banken.

Argentinien will eine Steuer auf Ölexporte erheben, die gerade diese Lücke finanzieren soll.

Aber bislang ist ungeklärt, ob diese Finanzierung die Peso-Abwertung von eins zu 1,4 Peso je Dollar oder die gesamt Peso-Finanzierung abdeckt. Der Peso wird aber erst einmal nach unten überschießen. Das passiert meistens bei einer Abwertung. Aber bislang hat noch keiner Zahlen, keiner weiß, in welchem Maße das Bankensystem leiden wird. Zwar dürften die Banken in den vergangenen zwei Jahren sehr konservativ bei der Kreditvergabe gewesen sein. Aber gegen eine Abwertung sind sie nicht gewappnet. Und noch ist unklar, wie der Staat die Banken entschädigen will. Denn noch gilt die Verpflichtung vom vergangenen Sommer, wonach Argentinien ein ausgeglichenes Budget haben muss. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Wie wird es weiter gehen mit Argentinien?

Argentinien hat noch eine schwierige Zeit vor sich. Aber wenn so eine Land die Krise überstanden hat, dann ist es in der Regel ein besserer Kreditnehmer als vorher. Die neue Regierung muss jetzt hergehen und überfällige Reformen, welche vorher politisch nicht durchsetzbar waren, umsetzen. Dazu ist sowohl politischer Rückhalt aus den eigenen Reihen als auch Hilfe des IWF notwendig.

Der IWF und die führenden Notenbanker geben sich zuversichtlich, dass von der Argentinien-Krise keine weiteren Länder in Mitleidenschaft gezogen werden. Ist das realistisch?

Der erste Test für die Schwellenländer waren die neuen Anleihen von Brasilien und Mexiko, die am Montag ohne Probleme an den internationalen Finanzmärkten platziert werden konnten. Dies bedeutet, dass die Marktteilnehmer sehr wohl zwischen einzelnen Kreditrisiken differenzieren. Nur so ist es möglich, dass der Kapitalmarkt weiter aufnahmefähig bleibt und sich von Argentinien distanziert.

Würden Sie Anleger bereits wieder zu einem Engagement in Argentinien raten?

Nein, auf keinen Fall. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Umstrukturierungen sehr lange dauern können. Die kürzeste war vielleicht Ecuador, die ein knappes Jahr gedauert hat. In Russland hat sich die Umstrukturierung der Sowjetanleihen länger hingezogen. Es liegt sehr stark an Argentinien selber wie mit den externen Schulden verfahren werden soll. Dabei kommt dem Dialog mit den Investoren eine hohe Bedeutung zu, welche ihrerseits ein Sprachrohr zur Interessensvertretung bilden müssen. Außerdem muss die Frage nach der Gleichbehandlung der Schuldner geklärt werden, nachdem noch im Dezember eine Umschuldung von Anleihen in Kredite stattgefunden hat.

Wie gehen Sie als Fondsmanager mit der Krise um?

Wir haben unsere Positionen in Argentinien abgebaut. Wir warten noch ab und glauben, dass der Zeitpunkt für einen Einstieg noch zu früh ist. Zum einen gibt's derzeit keine Zinsen für die Anleihen, zum anderen glauben wir, dass die Preise für argentinische Anleihen weiter fallen könnten. Wenn allerdings abzusehen ist, ob der Prozess eine ordentliche Abwertung ist und nicht in einem Chaos endet, dann kann man offen darüber nachdenken, neue Positionen aufzubauen.

Das Gespräch führte Anke Kreuels

Quelle: @ank
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