08.10.2008 · Die japanische Börse erlebte am Mittwoch den größten Kurseinbruch seit Jahren. Dabei handele es sich um Panikverkäufe, erklärt Naomi Fink von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Fundamental lasse sich der Kursverfall nicht erklären.
Die japanische Börse verbuchte am Mittwoch massive Kursverluste, dagegen zeigt sich der Yen gegen den Dollar, den Euro und andere Währungen stark. Vieles deute auf eine allgemeine, panikartige Flucht aus Aktien hin, währen der Yen vom Abbau der so genannten „Carry Trades“ profitiere.
Die Kursverluste hätten jedoch nichts mit der fundamentalen wirtschaftlichen Lage in Japan zu tun, erklärt Naomi Fink von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Die Bedeutung des Exportsektors für die japanische Wirtschaftsentwicklung werde überschätzt. Grundsätzlich seien die Aktien des Landes vergleichsweise günstig bewertet.
Der Nikkei hat am Mittwoch den größten Kursverlust seit Jahrzehnten verbucht. Wieso?
Vieles deutet auf eine generelle, panikartige Flucht aus Aktien hin. Man kann man sich nun Sorgen darüber machen, was an der Wall Street noch passieren wird. Immerhin ist der japanische Aktienmarkt gemessen an der Marktkapitalisierung der drittgrößte weltweit. Mit der fundamentalen Entwicklung in Japan haben die Kursverluste meiner Meinung nach wenig zu tun, auch wenn die globale Nachfrage nach Produkten der japanischen Exportunternehmen im Moment problematisch ist.
Der Tankan-Bericht über die Wirtschaftslage, der vor wenigen Tagen von der Bank of Japan veröffentlicht wurde, zeichnet kein positives Bild!
Der Tankan-Bericht wurde beeinflusst von den internationalen Wirtschaftsbedingungen. Kürzlich konnte ich in einem meiner Analysen eine starke Korrelation zwischen der Stimmung japanischer Unternehmen und der Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt demonstrieren.
Auf der anderen Seite zeigt der Tankan, dass der japanische Arbeitsmarkt außerhalb des Produktionsbereichs weiterhin stark angespannt ist. Der Binnenkonsum ist im Moment zwar schwach, allerdings verfügen die Konsumenten über 50 Billionen Yen Liquidität in ihren privaten Bilanzen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Konsumenten sind sie auf diese Weise gut gegen negative Entwicklungen abgesichert.
Wird die japanische Wirtschaftsentwicklung nicht noch weiter geschwächt werden, wenn die Exportnachfrage nach ihren Produkten weiter nachgibt?
Der Exportsektor war zu seinen besten Zeiten für 16 Prozent der wirtschaftlichen Aktivitäten verantwortlich. Der Rest kam aus dem Investitions- und Konsumbereich. Selbst wenn der Verbrauch nicht sonderlich floriert, so steht er immer noch für rund 60 Prozent der gesamten japanischen Wirtschaftsleistung. Und es gibt keinen Grund, wieso er plötzlich einbrechen sollte.
Ist es denkbar, dass der Konsum in Japan anspringen wird?
Kurzfristig eher nicht. Mittel- und langfristig muss die Regierung jedoch Wege finden, um die Verbraucher zu stimulieren und um die Investitionen zu beflügeln. Wenn das gelänge, würde der Aktienmarkt kaum knapp zehn Prozent verlieren, wie er das heute tat.
Wie könnte das erreicht werden?
Manches ging schon in die richtige Richtung. Dazu zählen zum Beispiel Steuernachlässe für Mittel, die von Unternehmen aus dem Ausland zurückgeholt werden, um sie beispielsweise als Dividenden auszuschütten. Die Regierung sollte zudem die Steuern auf Dividenden senken, um die Aktienanlage reizvoller zu machen. Die Gegenfinanzierung sollte nicht auf neuen Schulden basieren, sondern auf den Fonds, die zur Rücklage für schwierige Zeiten gebildet wurden. Nun sind diese Zeiten da. Statt nutzlose Brücken zu bauen, sollten die Steuern gesenkt und kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Entwicklung gefördert werden.
Der Yen wertet schon seit Wochen deutlich auf. Haben sie eine Erklärung?
Die Entwicklung lässt sich auf die zunehmende Risikoaversion der Anleger zurückführen und auf den „Tod der Carry Trades.“ Das 700-Milliarden-Dollar-Paket der amerikanischen Regierung konnte zwar die Dollarvolatilität gegen den Euro und die Flucht aus amerikanischen Vermögenswerten dämpfen, allerdings zeigt die Schwäche des Dollars gegen den Yen, dass das Paket ein „Rohrkrepierer“ ist. Japanische Anleger nehmen nun wahr, dass die Erträge ausländischer Anlagen die hohen Risiken nicht mehr kompensieren. Das führt dazu, dass die Carry Trades rückabgewickelt werden. Aus diesem Grund ist auch der südkoreanische Won so schwach, da der Yen für viele Koreaner die bevorzugte Finanzierungswährung war.
Der japanische Rentenmarkt konnte in den vergangenen Wochen zusammen mit den internationalen Pendants deutliche Kursgewinne verbuchen. Würden sie japanische Staatsanleihen kaufen?
Die JGBs dienten in erster Linie als sicherer Hafen. Mit einer Rendite von 1,4 Prozent ergibt ihr Kauf grundsätzlich nicht sonderlich viel Sinn.
Wie sieht es aus mit Aktien?
Ich denke bei Erreichen der 9.000-Punktemarke könnten die Käufer in den Markt kommen. Denn betrachtet man die Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwertverhältnisse so liegen sie alle auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Die auf Kredit gekauften Positionen sind gering, so dass von dieser Seite kaum Verkaufsdruck aufkommen sollte. Gleichzeitig sieht der Nikkei aus fundamentaler Sicht unterbewertet aus. Allgemein beobachten wir an den internationalen Börsen Panikverkäufe. Die Korrelation des Nikkei mit dem S&P 500 ist im Moment sehr groß. Dagegen wird die Bedeutung des Yen-Wechselkurses für die wirtschaftliche Entwicklung in Japan oft überschätzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |