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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview "Für uns zählt vor allem der Ertrag"

31.01.2002 ·  Der Kupferkonzern Norddeutsche Affinerie aus dem MDax hat in der Baisse den breiten Aktienmarkt geschlagen. FAZ.NET im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Werner Marnette.

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Werte wie die Kupferhütte Norddeutsche Affinerie standen im Technologie-Boom nicht gerade im Brennpunkt des Interesses. Spätestens seit Mitte des Jahres 1999 dürften sich aber einige die Augen reiben, denn seit dem legt die Aktie eine erstaunliche Kursentwicklung an den Tag.

Sie hat sich in der Baisse wesentlich besser entwickelt als die breiten Indizes und erscheint mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf trotzdem noch vernünftig bewertet. FAZ.NET hat sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Werner Marnette über Gründe, Hintergründe und Perspektiven unterhalten.

Herr Manette, Kupferproduktion hört sich nicht gerade „hipp“ an. Was ist das Interessante an diesem Metier?

Kupfer ist ein „hidden Material“ mit Zukunft. Es steckt beinahe überall drin, was aber kaum beachtet wird. Die Branche ist noch ziemlich stark fragmentiert, sie schreit förmlich nach Integration. Das ist eine unserer Stärken: vertikale Integration zum Nutzen des Kunden.

Das bedeutet, es wird sich noch einiges tun?

Natürlich. Auch wir sind immer an Zukäufen interessiert, sofern sie sinnvoll sind und wenn der Preis stimmt. Wir wollen mit Investitionen den Ertragswert des Unternehmens steigern, Cash Flow generieren, um den dann wieder investieren zu können. Wir wollen nicht blind einfach nur Größe kaufen, sondern aufpassen, dass wir mit einem Kauf nicht die Ertragskraft strapazieren.

Welche Strategie verfolgen Sie?

Wir haben zum Jahr 2000 die Hüttenwerke Kayser und im Januar Prymetall übernommen. Gerade dieses Projekt verfolgte ich schon seit mehreren Jahren. Jetzt war die Gelegenheit günstig, der Preis stimmte und es passte. Wir stehen am Beginn eines neuen Konjunkturzyklus und es ist das Beste, wenn man unten einsteigt und nicht oben.

Das verändert doch das Unternehmen ungemein?

Ja, das führt zu einer völlig neuen Norddeutschen Affinerie. Denn es führt uns in die Endmärkte hinein, in denen wir in der Regel auch bessere Margen erzielen können. Mit diesen Akquisitionen und anderen Projekten haben wir zum ersten Mal in Europa und sogar weltweit ein Unternehmen geschaffen, das durchgängig positioniert ist. Von der Kupfererzeugung bis zur Kupferweiterverarbeitung. Das war der Treiber.

Ist der Bedarf für die Produkte da?

Europa ist der größte Kupfermarkt der Welt, da haben wir einen Bedarf zwischen 4,2 bis 4,5 Millionen Tonnen Kupfer. Kupfer wird in allen Bereichen des Lebens benötigt. Ob das Energieversorgung ist, die Wärmeversorgung, die Automobilindustrie oder die Herstellung von Computer-Chips. 50 Prozent des Kupfers gehen in den Bereich Elektronik oder Elektrik, 24 Prozent gehen in den Bereich Bau, viel geht auch in die Maschinenbauindustrie.

Mit der Kupfererzeugung, dem eigentlichen Rohstoffgeschäft und der Weiterverarbeitung sind wir breit aufgestellt und nicht mehr so sehr zyklischen Schwankungen ausgesetzt wie zuvor. Das federt die Ertragskraft ab.

Wie sieht es aus mit Zukunftstechnologien, etwa kupferbasierte Solarzellen?

Das ist ein sehr interessantes Gebiet. Wir können im Labor Kupfer-Indium-Selen-Fotozellen auf Kupferband aufbringen, das freier zu verarbeiten ist als herkömmliche Zellen. Ein weiterer Vorteil ist die kostengünstige Herstellung. Diese werden etwa 50 Prozent unter dem jetzigen Niveau liegen, weil die Zellen auf elektrochemischem Weg produziert werden können. Gleichzeitig dürfte auch ihr Wirkungsgrad steigen.

Würden Sie als Anleger die Aktie Ihres Unternehmens selbst kaufen?

Ja auf jeden Fall, ich besitze selbst Aktien auch meine ganze Familie hat Aktien.

Mit welcher Begründung?

Das sind primär die ökonomischen. Wir leben in einem Umfeld, in dem ein Substanzunternehmen sehr gut florieren kann. Kupfer ist zukunftsträchtig, wenn ich an China denke oder an den Osten, ist der Bedarf riesig. Wenn ich in Europa ein Wachstum von 2,5 Prozent unterstelle, dann wird der Bedarf allein in Europa um eine Million Tonnen ansteigen.

Die Produzentenkapazitäten werden nicht nachwachsen. Denn der Investitionsbedarf für neue Anlagen ist sehr hoch. Eine neue Produktionsanlage hat einen Investitionsbedarf zwischen 4.000 und 5.000 Dollar pro Jahrestonne Kupfer. Wir haben eine Kapazitätserweiterung unserer bestehenden Produktion gemacht um 35 Prozent durch eine Produktivitätssteigerung um 25 Prozent, die hat nur 1.300 bis 1.400 Dollar gekostet. Durch solches Reengineering kann ich mir Neueinsteiger vom Leibe halten.

Wir sind innovativ, suchen ständig neue Anwendungen und Kupferlegierungen. Zum Beispiel sauerstofffreies Kupfer. Dabei sind wir effizient, kosten- und ergebnisorientiert. Diese Wertsteigerung des Unternehmens muss sich auch im Aktienkurs auszahlen, selbst wenn wir auch weiterhin 70 Prozent der Erträge als Dividende ausschütten.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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