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Interview „Für Optionsscheine ist das ein wunderbarer Markt“

07.06.2002 ·  Die derzeit starken Kursschwankungen sind ideal für Optionsscheinanleger. Diese Ansicht vertritt Dirk Heß von der Citibank im FAZ.NET-Interview.

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Auf viele Anleger üben Optionsscheine einen unwiderstehlichen Reiz aus. Alleine im Vorjahr wurden mit diesem Produkt Umsätze von 52 Milliarden Euro getätigt. Gegenüber den im Jahr 2000 verbuchten 84 Milliarden Euro ist das zwar ein merklicher Rückgang, aber noch immer eine beachtliche Summe.

Im Gespräch mit FAZ.NET erklärt Dirk Heß, Sprecher für den Bereich Optionsscheine bei der Citibank, wie der momentan aus rund 30.000 Optionsscheinen bestehende Markt tickt und warum das Geschäft noch kurzfristiger als früher geworden ist. Zudem erläutert Heß, dessen Arbeitgeber einen Marktanteil von rund 45 Prozent inne hat, was aus seiner Sicht den Reiz bei der Geldanlage in Optionsscheinen ausmacht, obwohl damit nicht selten Verluste eingefahren werden.

Herr Heß, zurzeit tendieren die Kurse nach Süden. Wirkt sich das auf die Geschäfte aus?

Aber natürlich. Sobald es zu stärkeren Kursbewegungen kommt, registrieren wir eher anziehende Umsätze. Allerdings gilt dies vor allem bei positiven Impulsen, also bei steigenden Kursen. Bei fallenden Märkten halten sich die Anleger leider etwas zurück. Denn nach wie vor gibt es eine gewisse Aversion gegen Puts. Das heißt, der Anleger setzt weniger gerne auf fallende als auf steigende Kurse, obwohl er das mit Optionsscheinen genauso gut tun könnte.

Hat sich an dieser Vorliebe der Anleger trotz Bärenmarkt nichts geändert?

Bei Indexprodukten, die etwa 60 bis 65 Prozent des Umsatzes ausmachen, gibt es eine sehr ausgewogene Käufer- und Verkäuferschicht. Dabei handelt es sich im Großteil um sehr gut informierte Anleger. Im Bereich Aktienoptionsscheine setzen die Anleger aber zu rund 70 bis 80 Prozent lieber auf steigende Kurse. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es einfacher ist, die Tendenz für den Gesamtmarkt als für eine Einzelaktie vorherzusagen.

Was sind auf Ihrer Sicht die Vorteile von Optionsscheinen gegenüber Optionen?

Da gibt es viele Gründe. Vorteile von Optionsscheinen bei der Citibank sind der Handel von 8.00 bis 22.00 Uhr. Außerdem stellen wir immer Liquidität zur Verfügung, der Spread ist enger und bleibt fast immer konstant. Außerdem sind die Eintrittsbarrieren geringer. Optionsscheine werden schon für ein paar hundert Euro gehandelt. Bei Optionen ist dies nicht ganz so einfach. Vorteil von Optionen wiederum ist, dass man hier auch als Stillhalter auftreten kann und die denkbaren Strategien vielseitiger sind. Gleichzeitig spricht für Optionsscheine aber die breitere Produktpalette sowie die verschiedeneren Laufzeiten.

Welche Teilnehmer tummeln sich derzeit im Markt?

Wir haben heute mehr Day-Trader als früher im Markt. Die wollen Online agieren und sofort wissen, ob es zum Abschluss kam oder nicht. Vorher tummelten sich eher Anleger mit einem längeren Anlagehorizont im Optionsscheinmarkt. Vor zwei Jahren wurden Aktienoptionsscheine ein halbes Jahr gehalten und Zertifikate ein Vierteljahr. Heute werden Indexzertifikate im Tagesbereich gehalten und Aktienscheine ein Vierteljahr. Der Anleger ist viel kurzfristiger orientiert als vorher. Das frühere Anlegerklientel ist vermutlich zu einem Großteil nicht mehr dabei. Manche haben vermutlich Geld verloren, andere warten vermutlich ab. Für längerfristig orientierte Anleger ist es derzeit aber auch schwer, sich ein Szenario zurecht zu legen. Für Daytrader ist es dagegen wegen der hohen Tagesvolatilitäten ein wunderbarer Markt.

Machen die meisten Anleger nicht Verluste mit Optionsscheinen?

Das lässt sich schwer feststellen. Da man nicht weiß, wie viele Anleger bei den wertlos verfallenden Optionsscheinen noch engagiert waren. Aber da es mehr Calls als Puts gibt, sind zuletzt sehr viele Optionsscheine wertlos ausgelaufen. Tendenziell wurde natürlich Geld verloren und man sagt, ohne es genau zu wissen, 65 bis 70 Prozent der Anleger verlieren eher.

Was macht bei dieser hohen Verlustgefahr den Reiz der Optionsscheinanlage aus?

Die Schuld hat nicht das Angebot sondern die Auswahl der Anleger. Man muss wissen, dass der Optionsschein zwar ein hervorragendes Produkt ist, es sich aber um ein Derivat mit erhöhtem Risiko handelt. Der Anleger muss das Produkt genau kennen und damit umzugehen wissen. Vor allem ist es wichtig, sich zu überlegen, welche Meinung man zum Basiswert hat. Wer dann den richtigen Optionsschein wählt, kann eine sehr gute Performance erzielen. Viele Anleger agieren aber unglücklich und nicht diszipliniert genug. Stopps zur Verlustbegrenzung sind ebenso unabdingbar wie die Vorgabe, Gewinne laufen zu lassen. Dies hört sich zwar einfach an, ist in der Umsetzung wegen der Psyche des Menschen aber unheimlich schwer. Die meisten, die sich jetzt am Markt engagieren, wissen genau, ihr Risiko einzuschätzen.

Gibt es weitere Goldene Regeln?

Optionsscheine sollten nur eine Depotbeimischung sein. Im Depot dürfen sie vielleicht einen Anteil von zehn Prozent einnehmen. Und man solte nie mehr als zwei oder drei Optionsscheine besitzen, da man sonst schnell den Überblick verliert. Unabdingbar ist es natürlich auch, ständig das Marktgeschehen im Blick zu behalten.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
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