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Interview „Die Wachstumschancen sprechen für ein Investment am griechischen Aktienmarkt“

30.04.2006 ·  Die griechische Börse ist angesagt bei den Investoren. Warum das so ist und warum dem Markt eine Bewertungsprämie zugebilligt wird, erklärt Dimitrios Giannoulis, Head of Research beim griechischen Broker Alpha Finance.

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Am griechischen Aktienmarkt läuft es schon seit einiger Zeit sehr gut. Um einen Eindruck davon zu bekommen, was hinter den Kursgewinnen steckt, haben wir ein Interview mit Dimitrios Giannoulis, Head of Research beim griechischen Broker Alpha Finance geführt.

Alpha Finance ist eine Tochter der griechischen Alpha Bank. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent an den abgewickelten Aufträgen belegt dieses Institut unter den griechischen Brokern Platz vier oder fünf was den Marktanteil angeht. Dimitrios Giannoulis gilt als guter Kenner der griechischen Börsen und im Zuge der Teilnahme an einer Griechenland-Investorenkonferenz haben wir ihn in seinem Büro in Athen besucht. Dabei stellten wir ihm nachfolgende Fragen:

Herr Giannoulis, wie würden Sie derzeit die Lage am griechischen Aktienmarkt beschreiben?

Im ersten Quartal 2006 hat der hiesige Aktienmarkt einen Boom erlebt. Die Kurse, aber auch die Umsätze sind stark gestiegen, wobei erstmals seit längerer Zeit besonders die Nebenwerte gefragt waren.

Worauf ist das große Interesse der Anleger zurückzuführen?

Das hat mit verschiedenen Faktoren zu tun. Eine Rolle spielt natürlich die weltweit allgemein vorhandene Liquidität. Aber es gibt auch hausgemachte Gründe. So steigen die Gewinne der griechischen Unternehmen stark und die Konjunkturaussichten haben sich auch wieder etwas aufgehellt. Die Ergebnisse sind im ersten Quartal sehr gut ausgefallen und vor allem die Banken haben außergewöhnlich starke Zahlen vorgelegt. Angelockt werden speziell ausländische Anleger zudem durch die Expansionsmöglichkeiten, die sich für viele griechische Unternehmen auf dem Balkan ergeben. Davon profitieren auch die Nebenwerte. Wobei sich deren Entdeckung aber auch damit erklären lässt, daß es zu diesen Werten jetzt erstmals überhaupt in einem nennenswerten Umfang Research von Brokerseite gibt.

Und wie gestaltet sich derzeit das volkswirtschaftliche Umfeld?

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte auch in den kommenden drei Jahren noch mit Wachstumsraten von jeweils drei bis vier Prozent wachsen. Ein Teil davon wird übrigens von EU-Geldern abgetrieben. Der Konsum hat sich in den vergangenen zwei Jahren positiv entwickelt. Allerdings beruht das zu einem Teil auf eine verstärkte Inanspruchnahme von Krediten. Das könnte bei stärker steigenden Zinsen irgendwann zu einem Problem werden. Zumal die Bankenaufsicht erst unlängst davor gewarnt hat, daß rund 50 Prozent der Schuldner Probleme bei der Bedienung ihrer Kredite bekommen könnten. Den starken Liquiditätsstrom sehe ich derzeit durch die steigenden Zinsen aber noch nicht gefährdet. Solange das Wachstum der Konjunktur und der Unternehmensgewinne hoch bleibt, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Welche Risiken gilt es ansonsten am griechischen Aktienmarkt zu beobachten?

Da die Hausse bisher stark von den steigenden Unternehmensgewinnen getrieben wurde, hängt viel vom Verlauf der nächsten Berichtssaison ab. Um die Bewertungsprämie zu rechtfertigen, die der Gesamtmarkt inzwischen aufweist, ist es wichtig, daß die Unternehmen mit ihren Gewinnvorlagen auch weiterhin positiv überraschen. In dieser Hinsicht sieht es derzeit aber noch ganz gut aus. Eine Schlüsselrolle kommt dabei natürlich auch weiterhin den Banken zu. Diese Branche nimmt am griechischen Aktienmarkt ein hohes Gewicht ein und es wird sich zeigen müssen, ob die von den Banken im Schnitt in den kommenden drei Jahren geplanten Gewinnsteigerungen von 20 Prozent p.a. erreicht werden oder nicht.

Raten Sie Ihren Kunden trotz der genannten Risiken derzeit zu einem Investment?

Ja, man sollte investieren. Dafür sprechen die Wachstumschancen, die sich sowohl im Inland als auch im Ausland derzeit für die griechischen Unternehmen ergeben. Für Phantasie sorgen außerdem die in einigen Bereichen anstehende Deregulierung sowie der Verkauf von Staatsbeteiligung. Denn dabei handelt es sich oft um interessante Unternehmen. Durch diese Maßnahme rechne ich zudem mit einer deutlich steigenden Liquidität am Aktienmarkt.

Welche Branchen gefallen Ihnen momentan am besten?

Wegen der bevorstehenden Deregulierung setzen wir auf den Energiesektor und wegen der Restrukturierungsphantasie auf die Telekombranche. Eine Turnaroundstory hat der Bausektor zu bieten. Nach einem schlechten Jahr 2005, in dem die Entwicklung durch eine Auftragsflaute nach der Olympiade und wegen einem Regierungswechsel geprägt gewesen ist, sehen wir hier jetzt wieder einen Aufschwung.

Von welchen Einzelaktien versprechen Sie sich am meisten?

Mir gefällt der Versorger PPC sehr gut. Hier dürfte sich im Zuge der Deregulierung in den kommenden Jahren einiges tun. Ebenfalls sehr interessant ist auch der Anbieter von Kosmetik und Körperpflegeprodukten Sarantis. Dieses Unternehmen erzielt bereits 50 Prozent seiner Umsätze und Gewinne in Osteuropa und ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 dank sehr guter Wachstumsaussichten noch nicht zu teuer.

Wie würden Sie das aktuelle Niveau der Aktienkultur in Griechenland einstufen?

Bei den Unternehmen, die in den Indizes FTSE20 und FTSE40 vertreten sind, ist die Corporate Governance bereits als hervorragend zu bezeichnen. Die Rechnungslegung ist bereits auf IFRS umgestellt und die Transparenz ist in Ordnung. Kleinere Unternehmen haben in Sachen Offenheit mitunter noch etwas Nachholbedarf. Was die Glaubwürdigkeit von Gewinnversprechen angeht, ist es in der Regel so, daß die Unternehmen darum bestrebt sind, besser abzuschneiden als das, was sie versprochen haben. Allgemein sehe ich Griechenland noch immer in einer Art Zwischenstufe zwischen einem entwickelten und einem aufstrebenden Markt. Meistens ist es so, daß sich Entwicklungen in Westeuropa mit einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren auch in Griechenland einstellen. Wer das weiß, kann diese Storys dann am Aktienmarkt spielen.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
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