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Interview „Die MSCI-Aufnahme kann in Vietnam eine Kursexplosion bewirken“

09.08.2005 ·  Während andere Börsianer erst jetzt die Börse Vietnam entdecken, gilt Markus Winkler seit Jahren als Vietnam-Experte. Im Interview verrät der Gründer der VGZ Vermögensverwaltung warum er so fest an diesen Markt glaubt.

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Nach und nach entdecken immer mehr Börsianer Vietnam als interessantes Anlageland. Sie wandeln damit auf den Spuren von Markus Winkler, Gründer der Schweizer VGZ Vermögensverwaltungs-Gesellschaft Zürich und unter anderem Beirat beim Vietnam Opportunity Fund, der als einziger Vietnam Fonds in London am AIM kotiert ist.

In der Schweiz gilt Winkler, der dort mitunter auch als „Mr. Vietnam“ tituliert wird, als eine der ersten Anlaufstellen, wenn es darum geht, Informationen über den vietnamesischen Finanzmarkt einzuholen. Im nachfolgenden Interview erfahren Sie, welche Argumente „Mr. Vietnam“ für Vietnam als Anlageland anführt.

Was begeistert Sie so sehr an Vietnam?

Ich verfolge Vietnam seit 1994, habe mich aber bis zur Eröffnung der Börse im Jahre 2000 bzw. dem Abschluß einer Handelsvereinbarung mit Amerika Ende 2001 zurückgehalten. Mit seinen jungen (die Hälfte der Bevölkerung ist 20 Jahre und jünger), sehr fleißigen und dennoch billigen Arbeitskräften, verbunden mit einer Privatisierung sowie der Öffnung für Ausländer hat das Land ideale Voraussetzungen auf Jahre hinaus hohe Wachstumsraten zu erreichen. Im Vergleich zu China sind die Bewertungen wesentlich günstiger und als Nettoexporteur von Erdöl profitiert Vietnam von steigenden Erdölpreisen (China muß dagegen 40 Prozent, Indien gar 70 Prozent des Erdölverbrauchs importieren!).

Wie steht das Land bei den Themen Korruption, Justiz und Bürokratie da?

Leider ist auch Vietnam nicht vor Korruption gefeit, die Regierung geht jedoch rigoros (Todesstrafe!) dagegen vor, doch wird diese auf den unteren Stufen (schlecht bezahlte Beamte, Polizisten etc.) kaum vollständig auszurotten sein. Positiv ist, daß in Vietnam Regierungsvertreter und Mitglieder von deren Familien bzw. einzelne Familienklans nicht die größten Unternehmen, oder gar ganze Wirtschaftssektoren kontrollieren (im Gegensatz zu Indonesien, Thailand, Südkorea).

Die Regierung ist sich bewußt, daß ausländische Investitionen nur fließen, wenn Rechtssicherheit besteht und die bürokratischen Hürden überwindbar sind. Man ist sicher noch lange nicht am Ziel angelangt, doch sind Fortschritte offensichtlich: So braucht es heute zur Aufnahme einer Geschäftstätigkeit keine Bewilligungen von verschiedenen Amtsstellen mehr, eine Registrierung genügt.

Verhält es sich ähnlich wie in Osteuropa, wo es am erfolgreichsten war, auf Titel aus den Sektoren Banken/Versicherungen, Bau und Konsum zu setzen?

Die in den westlichen Industrieländern uninteressanten Sektoren der “old economy“ wie Bau und Konsum aber auch Banken und Versicherungen sind in Vietnam noch Wachstumsbranchen. Aufgrund der extrem tiefen Lohnkosten (etwa halb so hoch wie in China!) sind auch arbeitsintensive Bereiche interessant. Vorsicht ist jedoch in der Textilbranche geboten, soweit menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt werden kann. Leider ist bei den meisten interessanten Werten die Ausländerquote von derzeit noch 30 Prozent ausgeschöpft, weshalb der Erwerb von Einzeltiteln auch aus diesem Grund problematisch ist.

Wie steht der Aktienmarkt aus bewertungstechnischer Sicht da?

Das durchschnittliche KGV 2006 liegt um die sechs, die Ausschüttungsrendite bei knapp sechs Prozent und die Marktkapitalisierung in Prozenten des Umsatzes um 30 Prozent. Der Kurs-/Buchwert ist nicht aussagefähig, weil der Staat den Unternehmen den Boden gratis zur Verfügung gestellt hat (dies ist ein Grund, weshalb die auf dem Buchwert basierenden Privatisierungen so interessant sind).

Welche Chancen beinhaltet die nächste Privatisierungswelle?

Es wurden bereits über 2.000 kleine und mittlere Unternehmen privatisiert. Nun stehen die „Kronjuwelen“ aus den Bereichen Banken/Versicherungen, Nahrungs- und Genußmittel (Bier), Telekommunikation, Erdöl etc. zum Verkauf an.

Wie groß sind die Risiken, daß Ihre positive Erwartungshaltung enttäuscht wird und was sind konkret die größten Gefahren?

Es handelt sich um eine fast lehrbuchmäßige “Makro-Story“, welche im Gegensatz zu “Mikro-Stories“ gut einschätzbar sind. Das größte Risiko sehe ich darin, daß die zeitlichen Ziele zu ambitiös sind. Da Vietnam mehr aus China importiert als nach China exportiert, würde Vietnam durch ein nicht ganz auszuschließendes “hard-landing“ in China kaum tangiert.

Vietnam ist noch immer ein Einparteienstaat. Birgt dieser Umstand nicht politische Risiken?

Das politische System entspricht sicher nicht dem westlichen Demokratie-Verständnis. Eine starke Regierung, welche auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen kann, ist für ein Land in diesem Entwicklungsstadium aber positiv (hätte Indien keine Demokratie, wäre es wohl wesentlich weiter). Die Vietnamesen sind apolitisch und sehr genügsam, das heißt, solange es jedes Jahr etwas besser geht, ist das politische System äußerst stabil.

Können Sie etwas über die Situation am vietnamesischen Immobilienmarkt sagen?

Grund und Boden sind grundsätzlich Staatsbesitz; der Staat gibt das Nutzungsrecht an Vietnamesen und vietnamesisch kontrollierte Unternehmen ab. Mangels Angebot haben im Zentrum von Hanoi und Ho-Chi-Min-City die Preise für Büroflächen ein beachtlich hohes Niveau erreicht. Es gibt aber immer wieder “Schnäppchen“. Viele Unternehmen verfügen über nicht-betriebsnotwendigen Immobilienbesitz und sind deshalb Substanzperlen.

Wo sehen Sie den VN Index in drei bis fünf Jahren?

Sobald Vietnam in die MSCI-Indizes aufgenommen wird, müssen sich alle asiatischen und globalen Emerging Market Funds in Vietnam engagieren. Dies wird zu einer Kursexplosion führen, welche den Index um 300 bis 500 Prozent nach oben treiben könnte.

Was sollten Anleger mit Blick auf Vietnam sonst noch im Hinterkopf behalten?

Vor 15 Jahren litt Vietnam Hunger, heute ist es der zweitgrößte Reisexporteur. Dies sowie die Leistung im Kampf gegen Frankreich sowie Amerika sagt viel aus über Vietnam, das bezüglich Bevölkerung und Größe mit Deutschland vergleichbar ist und dank fehlender sozialer, religiöser und ethnischer Spannungen äußerst stabil ist.

Welche Vorgehensweise raten Sie Privatanlegern, die sich engagieren möchten?

Obwohl ich selbst die wichtigsten Unternehmen in Vietnam schon mehrmals persönlich besucht habe, lege ich über Fonds an, da es unmöglich ist, aus der Schweiz den Finger am Puls an der vietnamesischen Börse zu haben. Direkte Engagements sind möglich, die meisten westlichen Banken sind aber bezüglich der Abwicklung noch nicht organisiert, weshalb man wohl direkt in Vietnam bei einem Broker ein Konto eröffnen müßte.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
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