13.02.2004 · Die Aareal-Aktie stürzte am Donnerstag trotz guter Zahlen ab. Der Grund: ein Gerücht. An diesem sei nichts dran, versicherte die Bank. Doch da war der Kurs schon im Keller. FAZ.NET befragte Vorstandsmitglied Schörnig dazu.
Manchem Aktionär der Aareal Bank dürfte am Donnerstag angesichts der Entwicklung des Aktienkurses schwarz vor Augen geworden sein. Zuerst legte das Papier zwar um bis zu 3,6 Prozent zu, nachdem die Immobilienbank einen über den Prognosen liegenden Gewinn vor Sonderposten und einen erfreulichen Ausblick berichtet hatte. Doch am späten Vormittag kam die Meldung in den Markt, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüfe die Aareal-Bücher. Daraufhin entstand das Gerücht im Markt, die erhöhte Risikovorsorge könnte nicht ausreichen. Danach tauchte der Kurs auf knapp minus zwölf Prozent ab und ging einem Abschlag von 4,5 Prozent aus dem Handel, nachdem die Bank versucht hatte, Anleger zu beruhigen. Gleichwohl liefen bei den Investor Relations die Telefondrähte heiß, und Sprecher der Aareal mußten nach eigenen Worten Analysten „hinterher telefonieren“.
Merck Finck hat den Titel von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ abgestuft - „wegen der Unsicherheiten über die Höhe der Risikovorsorge“. Zum Wochenschluß pendelte der Kurs des Papiers zuerst um den Vortagsschluß und liegt am frühen Nachmittag leicht im Plus. Wäre im Markt bekannt gewesen, daß die Aareal Bank die Aufsicht selbst angerufen hat, weil sie Differenzen mit dem Prüfungsverband deutscher Banken über die Bewertung von Krediten hat, dies aber nichts mit der Risikovorsorge zu tun hat - der Kurs wäre am Donnerstag aller Wahrscheinlichkeit nicht ins Minus gelaufen. Schließlich hatten Marktteilnehmer die neuesten Aareal-Zahlen und die Ankündigung, die Dividende zu erhöhen, mit Beifall aufgenommen. FAZ.NET wollte von Vorstandsmitglied Christof Schörnig unter anderem wissen, bei wievielen Anlegern die Bank Abbitte leisten mußte.
Bei wievielen Anlegern mußten Sie sich am Donnerstag nach dem Absturz des Kurses, der zuvor im Plus war, entschuldigen?
Entschuldigt haben wir uns nicht bei den Anlegern, aber Sachaufklärung betrieben. Das ist unsere Aufgabe, die wir so schnell wie möglich und mit allen Kräften erledigt haben.
Scheint aber nicht ganz geklappt zu haben, denn der am Donnerstag im Tagesverlauf eingebrochene Kurs erholt sich nur langsam angesichts eines Aufschlags von 0,9 Prozent auf 25,28 Euro gegen 13 Uhr und eines Vortagshochs von 27,17 Euro...
Wir liegen in etwa auf dem Niveau des Februar bisher. Jetzt müssen wir schauen, ob unsere Sachaufklärung durchschlägt. Sie hat ohne Frage schon zu wirken begonnen bei Anlegern und Investoren.
Die Aktie stürzte ab, nachdem ein Bericht in Umlauf gebracht worden war, nach dem die Pfüfung der Aareal Bank-Bücher durch die Finanzaufsicht mit einer möglicherweise nicht ausreichenden Risikovorsorge zu tun haben könnte. Dem hat die Bank zwar widersprochen und darauf hingewiesen, daß sie die Aufsicht selbst ins Haus gebeten habe. Aber weshalb haben Sie das nicht frühzeitig mitgeteilt, um Gerüchten vorzubeugen?
Die Geschichte mit der Aufsicht ist am Donnerstag mit einer Sache verquickt worden, die aus unserer Sicht nichts mit der Prüfung zu tun hat. Das habe ich gestern nochmals wiederholt. Gespäche mit Behörden sind aus unserer Sicht ersteinmal nicht marktrelevant. Wir sind der Meinung, daß wir mit Blick auf die Differenzen mit dem Prüfungsverband deutscher Banken bei der Bewertung einiger Kredite recht haben, was ja durch Gutachten bestätigt worden ist.
Aber gerade deshalb hätten Sie doch mitteilen können, die Aufsicht als Schiedsrichter angerufen zu haben!
Es gab im vergangenen Jahr insgesamt 360 Prüfungen von Unternehmen durch die Finanzaufsicht. Ich kann mich nicht erinnern, über viele davon gelesen zu haben. Kontakte zur Aufsicht zählen sozusagen zum täglichen Geschäft. Wir bekommen oft Anfragen zu diesem oder jenem Sachverhalt.
War es aber nicht dennoch blauäugig, damit nicht offensiv an die Öffentlichkeit gegangen zu sein? Schließlich hatte vor einigen Wochen erst die Meldung die Runde gemacht, die Aareal Bank müsse die Risikovorsorge erhöhen, was den Kurs belastet hat. Sie hätten weiteren Risikovorsorge-Gerüchten vorbauen können.
Wir müssen den Vorgang sicherlich kritisch analysieren. Aber wir sind unserer Position mit Blick auf die Bewertung der Kredite sicher.
Dennoch war die Marktkapitalisierung der Aareal Bank zwischenzeitlich innerhalb von zwei Stunden um 140 Millionen Euro gesunken, weil Anleger aufgrund des Gerüchts verkauft haben.
Das ist eine Momentaufnahme. Und es kommt letzten Ende darauf an, auf das Gerücht zu reagieren, und das haben wir getan.
Der Vorstand hat zudem mitgeteilt, Aktien des eigenen Unternehmens zu erwerben. War eine Meldung, um Anleger zu beruhigen?
Wir haben vorher schon diskutiert, daß wir nach Bekanntgabe der Ad hoc-Meldungen selbst wieder Aktien kaufen können, was vorher nicht zulässig ist. Die Entscheidung trifft man natürlich dann an dem Tag, an dem die neuesten Zahlen und der Ausblick veröffentlicht worden sind. Es ist traditionell so, daß die Entlohnung bei der Aareal Bank sehr stark mit dem Aktienkurs verbunden ist. Ich besitze auch einige. So fühlen wir uns auch der Aktie verpflichtet.
Der Kursrutsch hat also die Meldung, selbst Aktie zu kaufen, befördert?
Wenn Sie so wollen, ist das auch ein Statement für den Markt gewesen. Unsere Aktie gilt ja trotz der guter Performance noch als günstig bewertet. Und am Donnerstag ist eine nennenswerte Anzahl unserer Aktie gekauft worden, und auch und gerade nach dem Absturz haben einige Anleger beherzt zugegriffen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |