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Internetunternehmen Aktie von Amazon scheint abgegriffen zu sein

22.10.2004 ·  Mit deutlichen Kursverlusten reagiert die Aktie von Amazon auf die Ertragszahlen des dritten Quartals und den weiteren Ausblick. Die Aktie befindet sich im kurzfristigen Abwärtstrend und ist nicht gerade günstig.

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Mit deutlichen Kursverlusten reagiert am Freitag in Europa die Aktie des weltbekannten Internet-Handelsunternehmens Amazon.com auf die Umsatz- und Ertragszahlen des dritten Quartals, vor allem aber auch auf den weiteren Ausblick.

Das Unternehmen konnte den Gewinn im dritten Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode zwar etwas mehr als verdreifachen auf 54,1 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 43 Millionen Euro oder 13,3 Cent je Aktie. Der Umsatz stieg bereinigt um Wechselkurseinflüsse in Höhe von 57 Millionen Dollar um 24 Prozent auf 646 Millionen Dollar. Analysten hatten einen Quartalsumsatz von 1,47 Milliarden Dollar prognostiziert. "Das Ergebnis liegt ein bißchen unter den Erwartungen", sagte der Analyst Dan Geiman von McAdams Wright Ragen in Seattle zur Nachrichtenagentur Bloomberg.

Aktie befindet sich in der Defensive

So fällt Kurs der Amazon-Aktie im europäischen Handel um mehr als acht Prozent, da auch der Umsatz im kommenden Jahr nach Angaben des Unternehmens hinter Schätzungen der wohl zu optimistischen Analysten zurückbleiben wird. Er werde bis zu 8,15 Milliarden Dollar betragen, kündigte das Unternehmen an. Experten waren von 8,26 Milliarden Dollar ausgegangen.

Auf dem ältesten der Amazon Märkte in Amerika konnte das Internetkaufhaus 15 Prozent mehr Produkte als im Vorjahr umsetzen. Das Auslandsgeschäft konnte sogar um 52 Prozent ausgebaut werden. Denn das Unternehmen nahm zusätzliche Produkte anderer Händler in sein Angebot auf. So können die Kunden nun beispielsweise neuerdings eine exklusive Schmuckkollektion von Paris Hilton bei Amazon bestellen. Die deutsche und die britische Internetseite hat das Unternehmen um einen Garten- und Heimwerkermarkt bereichert, in Japan betreibt Amazon neuerdings einen Online-Computershop.#

Hohe Bewertung - kurzfristiger Abwärtstrend

Insgesamt mag das Unternehmen so auf den einzelnen Märkten mit eindrucksvollen Zahlen aufwarten können. Zumindest im Vergleich mit einigen Einzelhandelsunternehmen in Deutschland. Allerdings dürfte nicht nur die eher enttäuschende Umsatzentwicklung zu einer gewissen Ernüchterung führen, sondern auch die Margenentwicklung. Die operative Marge ist nämlich im Jahresvergleich von 25,2 Prozent auf 24,3 Prozent gefallen. Dazu trugen Preissenkungen bei, aber auch die Übernahme der Versandkosten durch das Unternehmen. Sie sind im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 41 Millionen Euro gestiegen.

Insgesamt scheinen sich die Umsatzzuwächse bei gleichzeitiger Verringerung der Marken zu verlangsamen. Gleichzeitig ist die Bewertung mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 40 und 29 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr noch ziemlich ambitioniert. Vor allem auch, wenn man berücksichtigt, daß die Gewinnschätzungen Zahlen sind, die bisher notorisch nicht berücksichtigte Kosten für Mitarbeiteroptionen und ähnliches nicht berücksichtigen. Aus diesem Grund dürften die Gewinnschätzungen noch zu hoch sein.

Aus fundmentalen Gründen drängt sich damit die Aktie sicherlich nicht auf. Auch charttechnisch nicht. Denn nach massiven Kursgewinnen zwischen dem Oktober des Jahres 2001 und dem Oktober des vergangenen Jahres hat die Aktie mittlerweile durch diesen Aufwärtstrend gebrochen und in einen kurzfristigen Abwärtstrend übergegangen. Sie dürfte damit erst dann wieder interessant werden, wenn sie in einem dynamischer werdenden Markt wieder nach oben dreht. Alleine auf Grund der etwas irrationalen Bewertung dürfte sich das Papier nur kürzerfristig orientierte Anleger eignen, die auf technische Signale achten und beispielsweise bei Trendbrüchen rasch kaufen oder verkaufen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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