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Internetdienstleistungen Nur vordergründig gute Chancen für die Aktie von United Internet

11.08.2006 ·  Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis hat United Internet im abgelaufenen Quartal verzeichnet. Doch eine immer noch hohe Bewertung und eine schlechte Charttechnik lassen die Aussichten auf eine Erholung des Kurses gering erscheinen.

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Nicht immer gewinnen diejenigen am Markt, die zuerst kommen. gerade im Internet hat sich gezeigt, daß oftmals diejenigen, die aus den Fehlern der anderen lernen können, am Schluß diejenigen sind, die sich behaupten.

Daß ausgerechnet die frühere 1&1, die schon lange auf den Namen United Internet hört einmal die letzte große deutsche Internet-Aktie sein würde, darauf hätte wohl vor sieben Jahren niemand wetten wollen (sofern er das in Deutschland überhaupt darf).

Vom Allzeithoch in den Kursstrudel

Doch der Kurs, den Firmenchef Ralph Dommermuth einschlug, erwies sich als langfristig erfolgreich und kam auch bei den Anlegern so gut an, daß die Aktie des Unternehmens nicht nur den Absturz vom früheren Allzeithoch bei rückgerechnet 12,475 Euro im Frühjahr 2000 auf 0,5125 Euro im darauffolgenden Frühjahr verkraftete, sondern im Mai sogar mit 14,3425 Euro ein neues Allzeithoch markierte (alle Kurse sind nach einem Aktiensplit zurückgerechnet worden).

Danach aber geriet das Papier, vor dessen hoher Bewertung FAZ.NET mehrfach gewarnt hatte (Aktie von United Internet trotzt der hohen Bewertung; Gewinnwarnung trübt Aussichten für Aktie von United Internet), in den Konsolidierungsstrudel. Am Donnerstag allein verlor sie 6,2 Prozent und fiel auf 9,23 Euro und näherte sich so wieder dem Jahrestief von 8,85 Euro an, das sie im Vormonat markierte. Schuld daran dürften nicht zuletzt die schlechten Ergebnisse der Telekom gewesen, mit der United Internet im Geschäft mit breitbandigen DSL-Anschlüssen heftig konkurriert.

Indes könnte der daraus gezogene Schluß zu kurz gesprungen sein. Denn die Ergebnisse des zweiten Quartals fielen beim Montabaurer Unternehmen erheblich besser aus als beim rosa Giganten. Deutschlands zweitgrößter Internetanbieter hat im zweiten Quartal gestützt auf sein Kundenwachstum und Zukäufe Umsatz und Gewinn auf Rekordmarken gesteigert und die Schätzungen der Analysten übertroffen. Aber die Anleger irrten insofern nicht, als die Erfolge bei der Vermarktung von schnellen Internetanschlüssen etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.

Prognoseerhöhung am Freitag möglich

Wie das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluß mitteilte, stieg der Umsatz von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal um 75,5 Prozent auf 311,5 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 152,4 Prozent auf 63,6 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn legte um 148 Prozent zu auf 50,1 Millionen Euro.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 300,6 Millionen Euro, einem Ebitda von 54,9 Millionen Euro und einem Vorsteuerergebnis von 41,3 Millionen Euro gerechnet.

Kann das Unternehmen diesen Kurs beibehalten, so könnte es im Gesamtjahr einen Rekordgewinn verbuchen. Bereits im ersten Quartal hatten die Steigerungen deutlich über dem angepeilten Wachstum gelegen. Bislang geht Firmenchef Ralph Dommermuth bei Umsatz, Ebitda und Vorsteuerergebnis für das Gesamtjahr von einem rund 50prozentigen Zuwachs aus. Er hatte gesagt, daß nach dem ersten Halbjahr mehr Klarheit herrschen werde, ob die Prognose für 2006 erhöht werden könne. Auf der Pressekonferenz des Freitags könnte dies bevorstehen.

DSL-Neukundenwachstum schwächer als erwartet

„Wir sind mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden“, erklärte Dommermuth, der die Zuwächse auf den anhaltenden Anstieg der Kundenverträge im Internetzugangs-, Portal- und Webhosting-Geschäft zurückführte. So steigerten die Marken GMX, Web.de, 1&1 sowie
Schlund + Partner die Zahl der Kundenverträge im zweiten Quartal um 490.000 auf 5,87 Millionen zum Quartalsende. Stark entwickelte sich insbesondere das Webhosting-Geschäft im Ausland, wozu auch die Übernahme der britischen Fasthost im Mai beitrug.

Das Unternehmen gewann im zweiten Quartal erneut nur 100.000 Kunden für DSL-Anschlüsse, womit sich die Zahl der DSL-Kunden zum Quartalsende auf 1,96 Millionen belief. Analysten hatten mit einem Plus von 117.000 Nutzern gerechnet.

Dommermuth hatte darauf hingewiesen, daß er ein Wachstum bei den Kundenzahlen nicht um jeden Preis wolle. Es müsse sich auch im Ergebnis auszahlen. United Internet konzentrierte sich zuletzt auf die Vermarktung von hochwertigen Anschlüssen mit bis zu
16 Megabit pro Sekunde und investierte im zweiten Quartal nicht so massiv in die DSL-Werbung, weil diese nach Ansicht von Dommermuth wegen der Fußball-Weltmeisterschaft ins Leere gelaufen wäre.

Im Gesamtjahr will Dommermuth rund 500.000 DSL-Kunden gewinnen, das wären gut 200.000 weniger als im Vorjahr. Für das dritte und vierte Quartal hatte er Produktinnovationen angekündigt, die „absolut massenmarktfähig“ sein sollen.

Nicht immer machen die neuen Märkte die Musik

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Zum einen ist United Internet nicht allein ein Verkäufer von DSL-Anschlüssen. Wer auf dieser Schiene aufbaut, verfällt wie der in dieselbe Technik-Gläubigkeit, die in den neunziger Jahren schon einmal verheerende Folgen für die Aktienkurse hatte. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, daß nicht jede Zukunftstechnik den Unternehmen automatisch große Gewinne bringt, vor allem dann nicht, wenn die Wettbewerbsvorteile leicht erodierbar sind. So stiegt der Preisdruck, weil das Angebotswachstum das Nachfragewachstum übertrifft.

Daß das konsequente Ausbeuten eines etablierten Marktes ertragreicher sein kann als die Präsenz in einem Wachstumsmarkt, zeigt die Tatsache, daß United Internet seine Gewinne in mittlerweile etablierten Technik-Bereichen einfährt.

Nach dem deutlichen Kursrückgang ist die United-Internet-Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der aktuellen Analystenprognosen von knapp 26 für das laufende und über 20 für das kommende Jahr immer noch optimistisch bewertet. Zwar könnte eine Heraufsetzung der Prognosen diese Bewertung noch etwas relativieren, aber dennoch sollte man keine Wunderdinge erwarten.

Zahlreiche Belastungsfaktoren für den Kurs

Die Anleger nahmen dies nicht nur gelassen hin, sondern geben offenbar auch die Fokussierung auf das DSL-Geschäft auf. Im Gegenteil beförderten sie den Kurs knapp sieben Prozent nach oben auf 9,86 Euro.

Auch charttechnisch verbessert sich dadurch die Lage. Mit dem Kurrutsch vom Donnerstag hatte die Aktie den langfristigen Aufwärtstrend, den sie sich in den vergangenen Wochen wieder mühsam erkämpft hatte, erneut deutlich nach unten durchbrochen. Mit dem Kurssprung von heute hat sie sich deisem weider angenähert

Doch müßte sie mit einem Ansteigen über zehn Euro ein Signal setzen, um sich gegen den kurz- und mittelfristigen Seitwärststrend behaupten zu können. Das ist um so mißlicher, als es dem Kurs an wirksamen Unterstützungen mangelt. Eine erste Unterstützungszone findet sich derzeit erst wieder im Bereich zwischen 6,50 und sieben Euro. Dort wäre die Aktie auch wieder attraktiver bewertet.

Vor allem müßte die Notierung das Hoch der Vorwoche bei 10,42 Euro wieder überbieten, da ansonsten die Ausbildung eines abwärts führenden Trendkanals mit drei aufeianderfolgenden fallenden Hochs droht. Sollte der Kurs dann noch unter das Juli-Tief von 8,85 Euro fallen, wäre die Misere perfekt.

Insofern stehen trotz der Rekordwerte die Chancen für eine nachhaltige Kurserholung nicht so gut wie man angesichts des Kursanstiegs vom Freitag meinen möchte. Erst ein Anstiegen der Notierung über das Juli-Hoch von 11,66 Euro wäre ein nachhaltiges Kaufsignal. Dazu müßte Ralph Dommermuth am Freitag die Prognosen aber sehr deutlich erhöhen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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