Home
http://www.faz.net/-gv7-pxos
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Internetdienstleister Kleiner Ausverkauf bei der Ebay-Aktie

20.01.2005 ·  Die hoch bewertete Aktie von Ebay hat am Mittwoch nachbörslich einen Kurssturz erlitten. Das Internetauktionshaus hat entgegen der Gewohnheit die Prognosen der Analysten unterlaufen. Zudem ist der Ausblick ernüchternd.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Kräftig Federn hatte die erfolgsverwöhnte Aktie von Ebay schon seit Ende vergangenen Jahres bis zum Ende des regulären Handels am Mittwoch an Wall Street lassen müssen. Ein Minus von gut 14 Prozent stand zu Buche, während die Technologibörse Nasdaq im gleichen Zeitraum gut 4,5 Prozent verlor. Doch nachbörslich ging es zur Wochenmitte erst richtig abwärts. Ebay verloren 11,5 Prozent von 103,05 Dollar auf 91,24 Dollar.

Der Grund: Das weltweit größte Internetauktionshaus hat im vierten Quartal dank des Wachstums seines PayPal-Dienstes den Umsatz und den Gewinn kräftig ausgeweitet, die Erwartungen der Wall Street jedoch verfehlt. Der Periodenüberschuß blieb um einen Cent unter den Prognosen. Diese Tatsache hat Anleger irritiert: „Normalerweise verfehlen sie Prognosen nicht, sondern erfüllen sie oder liegen leicht darüber“, sagte Dave Hutchinson von Insight Capital Research & Management in Walnut Creek zu Bloomberg News. So hatte Ebay die vergangenen fünf Quartale die Erwartungen stets übertroffen und die Investoren verwöhnt.

Nun aber könnte der Titel abgestraft werden, und das nicht nur am deutschen Markt, der die nachbörslichen Verluste nachzuvollziehen haben dürfte. Da der Ausblick recht ernüchternd ausgefallen ist, könnte der kleine Ausverkauf der hoch bewerteten Aktie anhalten.

Jahresgewinn-Projektion deutlich unter bisherigen Schätzungen

Der Nettogewinn sei in den vergangenen drei Monaten auf 205,4 Millionen Dollar oder 30 Cent je Aktie gestiegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Ohne Berücksichtigung von Sonderfaktoren habe der Gewinn 33 Cent je Dividendenpapier betragen. Im Vorjahr hatte der Gewinn 142,5 Millionen Dollar oder 21 Cent pro Anteilschein betragen. Den Netto-Umsatz steigerte das Unternehmen auf 935,8 Millionen von 648,4 Millionen Dollar. Analysten hatten im Schnitt aber vor Sonderposten einen Gewinn je Aktie von 34 Cent bei Erlösen von 934,4 Millionen Dollar erwartet. Ebay selbst hatte im Oktober einen Gewinn je Anteilschein von 32 Cent und einem Umsatz von 915 Millionen Dollar vorausgesagt.

Ebay kündigte zugleich eine Teilung seiner Aktien an, so daß aus einem zwei Anteilscheine werden. Dafür seien die Anteilseigner am 16. Februar berechtigt, die am 31. Januar im Aktionärsregister eingetragen seien.

Für das laufende erste Geschäftsquartal prognostizierte das Auktionshaus Erlöse zwischen 1,01 Milliarden und 1,03 Milliarden Dollar. Den Gewinn je Aktie sieht Ebay in den drei Monaten zwischen 34 und 35 Cent und damit unter den Prognosen von Analysten, die im Schnitt vor Sonderposten 40 Cent je Dividendenpapier erwarten. Im Gesamtjahr 2005 will das Unternehmen bei Erlösen zwischen 4,25 Milliarden und 4,35 Milliarden Dollar 1,48 bis 1,52 Dollar je Aktie verdienen. Analysten rechnen im Schnitt aber mit einem Umsatz von 4,37 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 1,62 Dollar.

Günstiger als Yahoo, aber...

Folglich ist die Aktie tatsächlich teurer, als sie in dem auf Ergebnisschätzungen basierenden und gewöhnlich zitierten Kurs-Gewinn-Verhältnis erscheint: dieses lag nach dem Kurssturz bei 56,7, sich aber durch die Projektion auf gut 60 erhöht. Die sich weiter im Aufwärtstrend bewegende, aber akut angeschlagene Ebay-Aktie ist mithin zwar günstiger als etwa der Titel von Yahoo mit einem KGV von gut 74 - allerdings hat Yahoo in dieser Woche die Erwartungen des Marktes übertroffen und einen zufriedenstellenden Ausblick geliefert. Der Lohn: Etwa Analysten von RBC Capital Marktes haben das Kursziel für Yahoo erhöht.

Dazu gibt es bei Ebay nach den jüngsten Zahlen und der nach unten geschraubten Prognose keinen Anlaß. Vielmehr ist mit dem Gegenteil zu rechnen. Vor diesem Hintergrund dürfte es kein Fehler sein, Gewinne mitzunehmen. Denn woher die Kraft kommen soll, die überdurchschnittliche Korrektur seit Jahresbeginn zu beenden, ist nicht ersichtlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%