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Freitag, 17. Februar 2012
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Internet YouTube macht teure Google-Aktie kaum attraktiver

10.10.2006 ·  1,65 Milliarden Dollar sind ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das 67 Mitarbeiter beschäftigt. Google kauft das Videoportal YouTube und will damit seine rasante Expansion fortsetzen. Die Aktie ist allerdings sehr ambitioniert bewertet.

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24,6 Millionen Dollar je Arbeitsplatz? Das klingt unvorstellbar, und doch trifft es zu. Google legt 1,65 Milliarden Dollar auf den Tisch, um sich das Videoportal YouTube mit seinen 67 Mitarbeitern einzuverleiben.

Der Kaufpreis sei „verdammt günstig für ein Unternehmen, das bereits eine globale Reichweite hat“, sagte Trip Chowdhry vom Analyseinstitut Global Equities Research in San Francisco. „Die Marke von YouTube ist nicht geringer einzuschätzen als Google oder Coca Cola.“

Aktie auf höchstem Stand seit April

Nun, das klingt alles ein wenig sehr euphorisch. Der Kaufpreis ist hoch und dementsprechend auch das Risiko, das Google mit der Übernahme eingeht. Doch wahrscheinlich bleibt dem Suchmaschinenbetreiber nichts anderes übrig. Aus eigener Kraft kam es in Sachen Videos im Internet nicht schnell genug voran, es durfte sich nicht das Zepter aus der Hand nehmen lassen.

Die Aktionäre jedenfalls honorierten das Geschäft: Der Schlußkurs der Google-Aktie erreichte im Sog der Übernahmespekulationen den höchsten Stand seit Ende April. Im nachbörslichen Handel legten sie nach einem kurzfristigen Rückgang weiter auf 432 Dollar zu (Isin US38259P5089).

YouTube mit fast 50 Prozent Marktanteil

Aber von vorne: Google übernimmt das Videoportal YouTube für 1,65 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) in Aktien. Die Akquisition solle noch im vierten Quartal 2006 abgeschlossen werden, kündigte Google am Montag nach Börsenschluß an. YouTube behalte seinen Firmensitz im kalifornischen San Bruno und arbeite weiterhin unabhängig. Wie viele Aktien für die Transaktion ausgegeben würden, werde nach dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage zwei Tage vor Abschluß der Akquisition bestimmt.

YouTube ist seit seiner Gründung im Februar 2005 rasant zum führenden Videoportal im Internet aufgestiegen. Nach Firmenangaben werden von der YouTube-Seite täglich rund 100 Millionen Videos abgerufen. Den Marktanteil von YouTube beziffert das Internet-Marktforschungsunternehmen HitWise mit 47 Prozent. Allein in Deutschland hatte YouTube im August nach Angaben von Nielsen/NetRatings 3,238 Millionen Nutzer, nahezu sechs Mal so viel wie im Februar und weit mehr als die 1,227 Millionen Nutzer von Google Video.

Wichtigste Konkurrenten sind das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation gehörende Portal MySpace mit 22 Prozent und das Google-Videoangebot mit elf Prozent Marktanteil. Yahoo startete ein Video-Angebot im Mai, Microsoft testet einen entsprechend Service noch. Google-Chef Eric Schmidt sagte, die YouTube-Übernahme sei Teil einer breit angelegten Strategie, in den wachsenden Markt für Videos im Internet zu investieren.

Videos als drittes zentrales Internetangebot?

Analysten erwarten nun, daß die Google-Wettbewerber mit dem Kauf anderer Videoanbieter nachziehen werden, um den Anschluß nicht zu verlieren. Analyst Anthony Noto von Goldman Sachs sagte, neben E-Mail und Suchmaschine werden Videos wohl zum dritten zentralen Internetangebot werden.

Google teilte mit, beide Unternehmen hätten bereits eine Liste erstellt, um das Videoangebot und die Suchmaschine miteinander zu vernetzen. So sollen bald die YouTube-Videos auch in den Google-Suchergebnissen mit aufgeführt werden.

Auch Profis nutzen YouTube

YouTube wurde von drei ehemaligen Mitarbeitern von PayPal gegründet, dem Internet-Zahlungsdienst des Auktionshauses Ebay. Wichtigster Investor ist die kalifornische Venture-Capital-Firma Sequoia Capital, die 11,5 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt hat. Auch bei Google war Sequoia in den Gründerjahren an der Anschubfinanzierung beteiligt.

Die Website verdankt ihren Erfolg der zunehmenden Verbreitung von schnellen Internet-Verbindungen und den immer leistungsfähigeren Kamera-Handys, sowie digitalen Kompaktkameras, mit denen Video-Clips aufgenommen werden können. Der größte Teil des Filmmaterials bei YouTube besteht in solchen Amateur-Aufnahmen, doch nutzen auch einige professionelle Filmemacher sowie Fernsehsender YouTube als Plattform für eine stärkere öffentliche Präsenz.

Vereinbarungen mit der Musikindustrie

Weil einige der bei YouTube angebotenen Videos auch urheberrechtlich geschütztes Material enthalten, wird der Erfolg von einigen Medienunternehmen argwöhnisch beäugt. Um sich vor juristischen Problemen zu schützen, hat YouTube jetzt Vereinbarungen mit der Warner Music Group, CBS, Universal Music und Sony BMG Music Entertainment geschlossen.

Ein neuer CBS-Kanal bei YouTube soll Nachrichten-, Sport- und Show-Sendungen enthalten. Die anfallenden Werbeeinnahmen wollen sich YouTube und CBS teilen. Universal Music will nach dem Abkommen mit YouTube mehrere tausend Musikvideos bereitstellen und erhält dafür ein entsprechendes Honorar. Geld soll es auch für Videos geben, in denen YouTube-Mitglieder urheberrechtlich geschütztes Material von Universal in ihre eigenen Beiträge übernehmen.

Google treibt die Expansion voran

Die Übernahme durch Google bedeutet eine Aufwertung für die nutzerorientierten Websites der neuen Generation, auch „Web 2.0“ genannt. Erstmals wird ein „Web 2.0“-Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Das Geschäft ist das bislang größte in der achtjährigen Geschichte von Google, das in den vergangenen Jahren eine in der Internet-Ära beispiellose Expansion vollzogen hat. Bisher hatte sich der Suchmaschinenbetreiber stets kleinere Unternehmen einverleibt.

Von 2003 bis 2005 konnte Google seinen Umsatz jeweils verdoppeln. Der Gewinn hat sich 2004 sogra vervierfacht und 2005 nochmals mehr als verdreifacht. Die Umsatzrendite betrug im vergangenen Jahr fast 24 Prozent. Das Unternehmen hat kaum Schulden.

Aktienkurs spiegelt die Entwicklung wider

Entsprechend erfreulich entwickelte sich auch der Aktienkurs: Die Google-Aktie begann ihre Rally 2004 bei 100 Dollar, im Januar dieses Jahres kostete die Aktie zeitweise mehr als 470 Dollar. Im Februar und März allerdings rutschten die Titel unter die Marke von 350 Dollar, seither bewegt sich die Notiz in einem volatilen Seitwärtstrend.

Die Seitwärtsbewegung zeigt, daß die Luft für die Aktie trotz aller Erfolge des Unternehmens dünn geworden ist. Das liegt an der sehr ambitionierten Bewertung des Papiers: Auf Basis der vorgelegten Gewinne beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 58,9, auf Basis der Gewinnschätzung 43,1 für dieses Jahr und 32,8 für das kommende Jahr.

Hohe Bewertung spricht gegen die Aktie

Um diese Bewertung zu rechtfertigen, müßten Umsatz und Gewinn weiter wachsen wie bisher. Doch offensichtlich haben in den vergangenen Monaten immer mehr Investoren gemerkt, daß dieses Tempo auf Dauer nicht durchzuhalten ist - selbst für Google nicht.

Die YouTube-Phantasie nährt die Hoffnung, daß Google vielleicht doch ungebremst weiter expandieren kann. Wenn zwei der meistbesuchten Webseiten ihre Kräfte bündeln, verdient dies Beachtung. Doch die Frage ist, ob die künftigen YouTube-Gewinne den hohen Kaufpreis rechtfertigen können. Findet Google andere Möglichkeiten außer Werbung, um mit dem Videoportal Geld zu verdienen? Bevor Google hier keine überzeugende Strategie präsentiert, macht YouTube die teure Google-Aktie kaum attraktiver. Das schließt allerdings nicht aus, daß die YouTube-Übernahme an der Börse für Phantasie sorgt und den Google-Kurs zunächst weiter nach oben treibt.

Die Gründer lachen sich kaputt

Am Dienstag vormittag war auf der YouTube-Seite ein Video von Chad Hurley und Steve Chen an erster Stelle zu sehen. Die beiden jungen Männer, 29 und 28 Jahre alt, haben YouTube gegründet. Sie bedanken sich eifrig bei den Nutzern und freuen sich riesig, daß Google sie gekauft hat.

„Zwei Könige kommen zusammen“, jubeln sie. Sie versprechen noch besseren Service und mehr innovative Features, und dann fangen sie an, sich köstlich zu amüsieren. Sie lachen sich kaputt. Wahrscheinlich können sie selbst nicht glauben, daß für ihr Unternehmen gerade 1,65 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt wurden. Für eine Website mit 67 Mitarbeitern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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