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Internet Yahoo noch lange nicht sorgenfrei

12.04.2001 ·  Die Yahoo-Ergebnisse haben die geringen Markterwartungen gut erfüllt. Trotzdem bleibt die Aktie hoch bewertet.

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Auf den ersten Blick sieht alles ganz passabel aus. Im ersten Quartal hat Yahoo einen bereinigten Gewinn je Aktie von einem Cent erzielt und damit die niedrigen Analystenerwartungen knapp übertroffen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Eine am Dienstag von der Internetsuchmaschine abgehaltene Telefonkonferenz offenbarte erneut die grundlegenden Schwächen, mit denen Yahoo zu kämpfen hat. Jedenfalls entsprach die Gesamtjahresprognose nicht ganz den bisherigen Erwartungen. Während Analysten mit einem Gewinn je Aktie von sechs Cents und einem Umsatz von 790 Millionen Dollar gerechnet haben, stellte das Unternehmen nur einen Gewinn je Aktie zwischen zwei und sechs Cents sowie einen Umsatz zwischen 700 und 775 Millionen Dollar in Aussicht.

Hohe Bewertung

Damit dürfte das Kurspotenzial begrenzt sein, wobei der gewaltige Kurssturz von 237,50 Dollar auf aktuell 15,86 Dollar bei einem freundlichen Gesamtmarkt natürlich Erholungspotenzial birgt. Gleichzeitig darf aber das hohe Bewertungsniveau nicht vergessen werden. Selbst wenn Yahoo sechs Cents verdient, entspricht dies noch immer einem KGV von 264. Nicht besser sieht es beim Kurs-Umsatz-Verhältnis aus. Einer Marktkapitalisierung von neun Milliarden Dollar steht im günstigsten Fall ein Umsatz von 775 Millionen Dollar gegenüber. Für jeden Dollar Umsatz zahlen die Anleger an der Börse also 11,6 Dollar.

Kein Wunder, dass sich die meisten Analysten nicht zu einer Kaufempfehlung durchringen können. Zumal es gleich an verschiedenen Ecken brennt. Eine der Hauptsorgen sind die rückläufigen Werbeeinnahmen. 30 Prozent der Werbekunden kommen aus dem Internetbereich, und diesen Gesellschaften fehlen derzeit bekanntlich die Mittel für aufwendie Werbefeldzüge. Und noch schlimmer. Wie ein Umsatzminus von 35 Prozent in den ersten drei Monaten mit dieser Kundengruppe gezeigt hat, verliert Yahoo auch Kunden, die nicht aus dem Dotcom-Bereich stammen. Anlass genug zu kritischen Fragen für John Corcoran, Analyst bei CIBC World Markets: „Der Druck auf die Werbeeinnahmen wird das ganze Jahr anhalten. Investiert man da als institutioneller Investor einen Dollar?“

Führungsprobleme belasten

Für Nervosität unter den Anlegern sorgt auch der Exodus in der Führungsmannschaft. Neben dem CEO Tim Koogle nehmen oder nahmen weitere Leitfiguren ihren Hut. Wie im Falle von Koogle ist aber häufig noch kein adäquater Ersatz gefunden. Gerade in der derzeit schwierigen Situation wäre Yahoo aber auf eine starke Führungscrew angewiesen. „Wenn führende Vorstände ein Unternehmen verlassen, ist das meist ein Zeichen für tiefgreifende Probleme,“ gibt Corcoran zu bedenken. Diese Einschätzung gilt auch für Entlassungen von Mitarbeitern. Und hier plant Yahoo bekanntlich den Abbau von zwölf Prozent der Gesamtbelegschaft. Zur Kosteneinsparung sind diese zwar unvermeidlich geworden, doch mit dem Rotstift ist es nicht getan. Yahoo wird seine Einnahmebasis verbreitern müssen um langfristig erfolgreich sein zu können. Nicht nur Walter Price, Co-Manager beim Dresdner Global Technology Fund, fordert daher: „Sie müssen ihre Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen verringern und mehr Geld aus anderen Dienstleistungen beziehen.

Wegen der genannten Probleme gibt es für vorsichtige Langfristinvestoren derzeit also keinen Grund, sich auf Yahoo zu stürzen. Zwar entgeht einem dann eventuell ein im Zuge einer Gegenbewegung entstehender satter Zwischengewinn, doch wer auf der sicheren Seite stehen will, konzentriert sich besser auf Unternehmen mit weniger Problemen und vor allem einer bereits wieder günstigeren Bewertung.

Quelle: @jüb, mit Agenturmaterial
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