10.04.2003 · Yahoo schlägt bei Umsatz und Ertrag die Erwartungen. Aber das ist dringend notwendig, um die extrem hohe Bewertung zu rechtfertigen. Gefahr droht spätestens dann, wenn der Aufwärtstrend bricht.
Fragt man Manager von Internetfonds nach den Aktien, die sie im Depot haben, so fallen an erster Stelle drei Namen: Amazon, Ebay und Yahoo. Denn diese seien nicht nur die prominentesten Überlebenden des „Internetdesasters“ der vergangenen Monate, sondern auch gleichzeitig auf Grund guter Zukunftsperspektiven die großen Gewinner.
Ein Blick auf die jüngsten Ertragszahlen von Yahoo scheint das auch zu bestätigen. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres nicht nur mit einem Nettogewinn von 46,7 Millionen Dollar oder acht Cents ja Aktie die Erwartungen der Analysten übertroffen, sondern auch der Umsatz mit 282,9 Millionen Dollar leicht über den Schätzungen. Die Aktien reagierten darauf mit einem nachbörslichen Kursgewinn von 3,7 Prozent auf 23,73 Dollar.
Erhöhte Umsatz- und Ertragsprognosen
Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen die Umsatzprognosen für das Gesamtjahr auf einen Bereich von 1,22 bis 1,28 Milliarden Dollar. Susan Decker geht als Finanzchefin des Unternehmens davon aus, am oberen Ende der Schätzung zu landen, falls sich die amerikanische Wirtschaft nicht deutlich schwächer entwickeln sollte. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen könnte dann 380 Millionen Dollar betragen. Die bisherige Schätzung lag bei 330 Millionen Dollar.
Dabei scheinen sich die Einnahmen mit Werbung und der bezahlten „Vorrangplatzierung“ von Firmeneinträgen in der Yahoo-Suchmaschine besser zu entwickeln als ursprünglich erwartet. Denn hier stiegen die Umsätze um 38 Prozent auf 190 Millionen Dollar. Yahoo selbst war ursprünglich von einem Anstieg um zwölf Prozent ausgegangen. Die Umsätze mit Gebühren für Konsumenten und Geschäftskunden stiegen um 61 Prozent auf 63,7 Millionen Dollar. Dabei habe sich vor allem das Angebot von Hochgeschwindigkeits-Internetzugängen in Partnerschaft mit SBC Communications ausgezahlt. Die Job-Suchmaschine HotJob.com steigerte ihre Umsätze um 89 Prozent auf 29,3 Millionen Dollar.
Für das zweite Quartal erwartet Yahoo einen Umsatzanstieg um 40 Prozent auf 315 Millionen Dollar, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll um 61 Prozent auf 58 Millionen Dollar zunehmen. Im ersten Quartal hatte sich diese Kennzahl noch auf 84,1 Millionen Dollar verdoppelt. Im Gesamtjahr soll der freie Cashflow 325 Millionen Dollar betragen, der Bargeldbestand liegt bei 1,4 Milliarden Dollar.
Hohe Wachstumsraten sind ungedingt notwendig ...
Das sind Zahlen, die auf den ersten Blick schon beeindrucken können. Rechnet man sie allerdings auf die Anzahl der Aktien um, werden sie relativ. Denn dann liegt beispielsweise der Barmittelbestand pro Aktie bei 2,34 Dollar, verglichen mit einem Kurs von 23,73 Dollar. Angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 76 auf Basis der Gewinnschätzungen für das Jahr 2003 oder 54 für das Jahr 2004 - unterstellt wird dabei wohl offensichtlich eine Gewinnsteigerung von 40 Prozent - werden auch die Wachstumsraten relativ. Denn sie sind die unabdingbare Voraussetzung für die Rechtfertigung eines Aktienkurses, wie er aktuell zu beobachten ist.
Allerdings stellte sich längerfristig die Frage, wie lange solche Wachstumsraten aufrecht zu halten sind. Und da gibt es gewisse Zweifel. Denn die Werbeeinnahmen dürften sich auf Grund der eher schwachen Konjunktur nicht ohne Weiteres unbegrenzt steigern lassen. Außerdem könnte das Geschäftsmodell mit der bevorzugten Platzierung bestimmter Adressen gegen Bezahlung schnell die Akzeptanz der Nutzer untergraben und sie zur Konkurrenz abwandern lassen. Sie ist nur einen Klick entfernt. Auch die Einnahmen über Services dürften sich nur bedingt steigern lassen. Denn bezahlt wird nur für Mehrwert. Und der ist oft an breitbandige Internetzugänge gebunden - und die sind prozentual noch nicht sehr weit verbreitet.
... da sonst die Aktie viel zu teuer ist
Auf dieser Basis erscheint die Aktie, sie sich zwar noch in einem im Oktober des vergangenen Jahres etablierten Aufwärtstrend befindet, hoch bewertet sein. Sie dürfte diesen Trend auf Grund der Dynamik und des Bekanntheitsgrades bei einer positiven Marktentwicklung noch weiter fortsetzen. Aber eine Absicherung über Stopp-Loss-Orders dürfte empfehlenswert sein. Spätestens bei einem Trendbruch ist Gefahr angesagt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |