05.11.2009 · Aufgrund steigender Sorgen über Identitätsklau und weitere Computerkriminalität gehören Firmen, die Sicherheitsprodukte anbieten, zu den am besten aufgestellten im Technologiesektor.
Von David BogoslawDa immer mehr Menschen das Internet für Geschäftsvorgänge nutzen und routinemäßig ihre Kreditkartennummer auf verschiedenen Seiten eingeben, haben steigende Bedenken über Identitätsklau und weitere Computerkriminalität Unternehmen für Internet-Sicherheit in eine günstige Position versetzt.
Während Symantec und McAfee sich mit der Hoffnung, das neue Betriebssystem Windows 7 würde den Absatz ihrer Sicherheitssoftware ankurbeln, an Microsoft gehängt haben, sind die Geschäftsmodelle anderer Unternehmen nicht vom Schicksal des Redmonder Riesen oder anderer abhängig.
Wie beispielsweise Verisign. Das Unternehmen streicht für jede bei ihm neu registrierte Adresse mit com-Kürzel 6,87 Dollar und 4,24 Dollar für jede Adresse mit net-Kürzel, die es im Rahmen eines exklusiven 7-Jahres-Vertrags mit der amerikanischen Internet-Adressverwaltung ICANN vergibt.
Bedenken hinsichtlich der Rentabilität von SSL-Zertifikaten
Analysten schätzen, dass die Infrastruktur und Sicherheitsaufrüstung des Internet zu etwa 1,4 Millionen zusätzlichen Domainnamen im dritten Quartal geführt hat, was laut Shaul Eyal, Analyst bei Oppenheimer, einen Anstieg von 27 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Quartal bedeutet und über den Prognosen des Unternehmens von 900.000 bis 1,2 Millionen zusätzlichen Registrierungen liegen würde.
Das verheißt Gutes für die Gewinne des dritten Quartals, die das Unternehmen am 5. November bekannt gibt. Während sich die Weltwirtschaft weiterhin erholen muss, „könnte das internationale Wachstum wieder angekurbelt werden und dem Aufschwung bei Domainnamen einen Kickstart verpassen“, sagt Eyal.
Im Geschäft mit den Domainnamen hat das Unternehmen zwar immer noch den Vorteil eines faktischen Monopols, es gibt aber dennoch Bedenken über die Rentabilität eines seiner Kerngeschäfte: SSL-Zertifikate (Secure Sockets Layer), die Händler für die Verschlüsselung sensibler Informationen bei Online-Geschäften und die Authentifizierung von Informationen über den Inhaber eines Zertifikats erwerben.
Obwohl Verisign bei diesen Zertifikaten zwar einen Marktanteil von 75 Prozent besitzt, ist der durchschnittliche Verkaufspreis über die letzten Quartale hinweg stetig gesunken. Das Unternehmen führt dies auf die Rezession zurück, durch die kostenbewusste Kunden lieber auf günstigere, qualitativ geringwertigere Zertifikate zurückgreifen. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 241 Dollar im zweiten Quartal, im Gegensatz zu 253 Dollar im dritten Quartal 2008.
Upgrade für McAfee
Es wird erwartet, dass Verisign am 5. November einen Gewinn je Aktie von 0,32 Dollar bekannt geben wird, gegenüber 0,25 Dollar ein Jahr zuvor, bei einem geschätzten Umsatz von 258,8 Millionen Dollar; verglichen mit 239,7 Millionen Dollar Umsatz vor einem Jahr.
Verisign schlösse sich damit den enttäuschenden Zahlen eines anderen großen Namens der Computersicherheit an. McAfee meldete kürzlich einen Gewinn von 0,62 Dollar je Aktie ohne Sondereffekte, was über den Vorhersagen der Analysten von 0,61 Dollar lag; McAfees Umsatz schnellte über 18 Prozent nach oben auf 485 Millionen Dollar, erreichte aber nicht die von den Analysten erwarteten 486,7 Millionen, so dass der Aktienkurs seinerzeit um 4,3 Prozent fiel.
Analyst Joel Fishbein von Lazard Capital Markets zufolge kann McAfee sowohl auf dem Sicherheitsmarkt für Unternehmen als auch dem für Verbraucher weiter Marktanteile gewinnen. McAfees Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Einnahmen und seine Abkehr von den derzeitigen Ausgabenkürzungen machen das Unternehmen zu einer der bestpositionierten Softwarefirmen. Fishbein bestätigte seine Kaufempfehlung für die Aktie und ein Kursziel von 49 Dollar.
Die Analysten von FBR Capital Markets erwarten aufgrund des weitläufigen Vertriebsnetzes des Unternehmens, dass es in den kommenden Jahren einen noch größeren Teil des wachsenden Markts für Internetsicherheit einnehmen wird.
Symantec verbuchte im zweiten Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 0,18 Dollar. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 3 Cents. Ohne Sonderposten verdiente das Unternehmen 0,36 Dollar je Aktie, weniger als die 0,37 Dollar im vergangenen Jahr, aber mehr als die durchschnittlich erwarteten 0,33 Dollar. Der Umsatz von 1,47 Milliarden Dollar lag zwar unter den 1,52 Milliarden Dollar von vor einem Jahr, übertraf aber die Durchschnittschätzungen von 1,43 Milliarden. Verschiedene Analysten hoben ihre Gewinn- und Umsatzprognosen für das Geschäftsjahr 2010 an und das verhalf der Aktie seinerzeit zu einem Kursplus von 12,8 Prozent höher.
Verisign wird schlanker
Die Umsätze von Symantec und McAfee sind sowohl „abhängiger von den Launen der Verbraucherausgaben und den Ausgaben der Unternehmen für Sicherheit“, als auch von der wachsenden Popularität von Apple Macintosh-Computern, sagt Katherine Egbert, Analystin bei Jefferies & Co. Die Tatsache, dass sowohl McAfee als auch Symantec sich im dritten Quartal recht gut geschlagen haben, „zeigt die Widerstandsfähigkeit von Speicher- und Sicherheitslösungen und die Widerstandsfähigkeit der Unterhaltungselektronik“, meint sie. Etwa 60 Prozent des Umsatzes von McAfee stammen aus dem Geschäft mit Unternehmen, verglichen mit 75 Prozent bei Symantec.
Verisign hat sich selbst zu einem schlankeren Unternehmen umgebaut. Am 1. Oktober verkaufte es seine Sicherheitsberatungssparte an AT&T - die zwölfte Veräußerung innerhalb von zwei Jahren. Eyal sieht in der Verschlankung eine bessere Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Möglichkeit, die Umsatzrendite zu verbessern. Im Geschäftsjahr 2009 sollte die Gewinnspanne auf 38,4 Prozent ansteigen, 4,8 Prozent mehr als 2008. 2010 sollen es 39,6 Prozent und 2011 40 Prozent sein, meint Eyal.
Die Talfahrt der durchschnittlichen Verkaufspreise für SSL-Zertifikate könnte schon bald gestoppt werden, wenn sich die Kunden bei weiterer Erholung der Wirtschaft wieder für hochpreisigere Produkte, besonders Extended-Validation-Zertifikate, entscheiden.
Kampf um die Netz-Adressen
Verisigns Preisgestaltung wird weiterhin einigen Einschränkungen unterworfen sein, bis ein von der gemeinnützigen Coalition for ICANN Transparency (CFIT) angestoßenes Kartellverfahren beendet ist. Verisign wird vorgeworfen, seinen Exklusivvertrag mit ICANN ohne Ausschreibungsverfahren erhalten zu haben. Im Juni hat ein Berufungsgericht ein Urteil aufgehoben, wonach CFIT diese Behauptungen nicht habe hinreichend belegen können. Verisign aber weist die Anschuldigungen zurück und hat im Juli eine weitere Anhörung beim Berufungsgericht beantragt.
Das Unternehmen hat das Recht, die Preise von dot.com-Registrierungen während der letzten vier Jahre der Vertragslaufzeit zweimal um 6 bis 7 Prozent zu erhöhen. Jedoch meinen Analysten, dass dies bis zum Ende des CFIT-Prozesses politisch inkorrekt wäre. „Und das trotz der Tatsache, dass das Unternehmen den Großteil der Erhöhung zur Steigerung der Bandbreite, Datensicherung und Speicherkapazität nutzen würde, die nötig sind, um den täglich 50.000 Angriffen auf seine Server standzuhalten“, sagt Egbert von Jefferies.
Auch wenn der derzeitige Vertrag eine Vorverkaufsklausel enthält, die eine automatische Verlängerung nach Vertragsende Ende 2012 bedeuten würde, scheint ein Ausschreibungsverfahren für den Vertrag wahrscheinlich. „Dennoch gibt es für Verisign kaum Grund zur Beunruhigung, da nur wenige seiner Wettbewerber während der letzten zehn Jahre so viel wie Verisign selbst in die Infrastruktur des Internet investiert haben“, sagt Eyal von Oppenheimer.
Weniger Vorauszahlungen
Die Tatsache, dass Verisign im November das erste Mal seit 18 Monaten einen Analystentag abhält, stimmt Fishbein von Lazard optimistisch. Angesichts von Veränderungen im Management, beispielsweise der Einsetzung von President Mark McLaughlin als Vorstandsvorsitzendem im August, „wird es interessant werden zu sehen, wie die Unternehmensstrategie aussieht“, sagt er. Mit Barmitteln von 1,3 Milliarden Dollar in der Bilanz fragt er sich, ob Verisign Aktien rückkaufen wird oder nach anderen Unternehmen zum Erwerb Ausschau hält.
Für Umsatzwachstum gilt der Bereich Sicherheit zu den am besten positionierten innerhalb der Technologien. Laut Industrieforscher Gartner wird ein Wachstum der Ausgaben für Unternehmenssoftware von zusammengefasst jährlich 4,7 Prozent bis 2013 erwartet, erheblich schneller als das Wachstum der Ausgaben für Informationstechnologie insgesamt. Der Umsatz durch Sicherheitsinfrastruktur wird Gartner zufolge zusammengefasst geschätzte 10,2 Prozent pro Jahr von 2009 bis 2013 ansteigen.
Fishbein meint, dass die Ausgaben für Software nach 2009 um 1,6 Prozent sinken werden, aber damit die Ausgaben für Informationstechnologie insgesamt hinter sich lassen werde. Unsicherheiten über zukünftige Gewinne sorgen dafür, dass Kunden auf Just-in-time-Käufen, kürzeren Vertragslaufzeiten und weniger Vorauszahlungen bestünden. Während in den Vereinigten Staaten, dem asiatisch-pazifischen Raum und den Schwellenländern der Boden anscheinend erreicht ist, blieben der Nahe Osten, Afrika und Europa - besonders Großbritannien - weiter schwach.
Den Abschwung aufhalten
Die Prioritäten der Kunden liegen bei Techniken, die eine höhere Rentabilität versprechen und bei notwendigen Produkten wie Sicherheits- und Compliance-Software, meint Fishbein. Im allgemeinen sollte Software im derzeitigen Abschwung aufgrund der größeren dauerhaften Einnahmen der Unternehmen, besserer Kostenkontrolle, stärkeren Bilanzen und höheren Cashflows besser dastehen als in der Vergangenheit. Die Bewertungen der Aktien sehen teurer aus, befinden sich aber immer noch unter den auf Cash-Kennzahlen basierenden historischen Mittelwerten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |