22.10.2003 · Amazon zeigt deutlich wachsende Umsätze und im dritten Quartal sogar einen Nettogewinn. Allerdings wird die Entwicklung erkauft mit teuren „Anreizen“. Die könnten sich rächen, da sich Kunden daran gewöhnen.
Mit nachbörslichen Kursverlusten reagiert die Aktie des bekannten Internetunternehmens Amazon weniger auf die Quartalszahlen des dritten Quartals als auf den weiteren Ausblick.
Im Quartal sei ein Netto-Gewinn von 15,56 Millionen Dollar oder vier Cent je Aktie entstanden nach einem Verlust von 35,08 Millionen Dollar oder neun Cent pro Anteilschein vor einem Jahr, teilte der in Seattle ansässige Konzern am Dienstag nach Börsenschluß an der Wall Street mit. Der Umsatz legte 33 Prozent auf 1,113 Milliarden Dollar zu.
Aufkommende Zweifel an den Wachstumserwartungen
„Pro-Forma“ - Kosten für Restrukturierungen, Aktienoptionsprogramme und Ähnliches unberücksichtigt - berichtete das Unternehmen elf Cents je Aktie. Hier hatten Analysten im Mittel einen Gewinn je Aktie von zehn Cent vorausgesagt. Trotzdem fiel der Kurs der Amazon-Aktie im nachbörslichen Handel im Vergleich mit dem regulären Handel um zwei Prozent auf 58 Dollar.
Damit zeigt sich ein ähnliches Phänomen wie schon bei Ebay. Auch dort zeigte sich die Aktie etwas schwächer, nachdem das Unternehmen seine Umsatz- und Ertragszahlen vorgelegt hatte. Die Begründungen sind ähnlich. Während es bei Ebay zunehmende Sorgen darüber gibt, daß die im Aktienkurs implizierten Gewinnwachstumsraten nicht relaisierbar sein könnten, so gilt das auch für Amazon. Hier äußerte das Unternehmen selbst die Vermutung, die Kunden könnten sich an die massiven Preisnachlässe und die Übernahme der Versandkosten gewöhnen, mit denen es „auf Teufel komm' ´raus“ Umsätze an sich zieht. Sollte es später versuchen, die Profitabilität durch die Einführung „normaler Preise“ zu erhöhen, könnten die Umsatzzuwächse plötzlich ausbleiben.
Auch von anderer Seite ist eine Gegenbewegung denkbar. So wehren sich herkömmliche Handelsunternehmen zunehmend gegen den „Beratungsdiebstahl“ von potentiellen Kunden, die sich erst in Fachgeschäften beraten lassen, nur um dann bei Discountern oder virtuellen Auktionshäusern im Internet zu kaufen. Damit ist trotz des Optimismus noch nicht endgültig entschieden, welches Geschäftsmodell langfristig wirklich erfolgreich sein wird und profitabel wachsen kann. Immerhin investieren auch viele „konventionelle Unternehmen“ in ihre „Internetfähigkeit“, so daß auch unter diesem Aspekt der Wettbewerb zunimmt.
Aktie nach wie vor im Aufwärtstrend
Damit wird Amazon zwar künftig Gewinne erwirtschaften können. Sie könnten allerdings möglicherweise nicht so stark und nachhaltig sein, wie das viele Aktionäre heute unterstellen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältis von 104 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr und 68 für das Kommende impliziert die Börse aktuell langfristig hohe Wachstumsraten. Es besteht die deutliche Gefahr, daß es zu Enttäuschungen kommen wird.
Allerdings befindet sich die Aktie in einem seit Oktober des Jahres 2001 etablierten Aufwärtstrend, der die Aktie von 5,51 Dollar im Tief mit einem satten Plus von 1.000 Prozent auf das aktuelle Niveau brachte. So lange der Trend nicht gebrochen ist, lohnt es sich, dabei zu bleiben. Allerdings sind die Risiken auf Grund der hohen Bewertung groß. Denn eine Korrektur ist jederzeit möglich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |