Die im Zuge des vorhergegangenen Bärenmarktes zu Grabe getragen geglaubten Spekulanten feiern spätestens dieser Tage an den Börsen eine fröhliche Auferstehung. Wenn noch ein Beweis dafür nötig war, daß Spekulieren wieder angesagt ist unter den Anlegern, dann wird dieser gerade von QXL Ricardo erbracht.
Denn die Anteilsscheine des Internetauktionshauses explodierten am Dienstag um sagenhafte 219,9 Prozent auf 7,39 Euro. Und als ob das nicht schon genug wäre, wird am Mittwoch vormittag bei einem Kurs von elf Euro ein weiteres Plus von 48,85 Prozent draufgesattelt. Zusammengerechnet ergibt sich dadurch innerhalb von zwei Handelstagen ein Gewinn von 376,2 Prozent. Noch drastischer fällt die Bilanz aus, wenn man als Maßstab das Kurstief vom Dezember bei 1,87 Euro heranzieht.
Pleitegefahr scheint vom Tisch
Nun sind Kursgewinne dieser Art ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sind es genau derartige Kursexplosionen und die damit verbundenen Gewinnchancen, die Spekulanten und die für ein besseres Funktionieren der Börsen dringend benötigte Liquidität magisch anziehen. Zum anderen sind solche Kursausbrüche aber immer auch ein Warnzeichen dafür, daß mit den Marktteilnehmern möglicherweise die Phantasie durchgeht.
Nun ist es nicht so, daß es zu QXL Ricardo überhaupt keine neuen kursbeflügelnden Nachrichten gibt. Im Gegenteil: Immerhin konnte das Internetauktionshaus am Dienstag verkünden, daß zur Sicherung der eigenen Überlebensfähigkeit entgegen anderslautender Befürchtungen keine Vermögenswerte verkauft oder das Kapital erhöht werden müssen. Als Grund dafür werden ein im dritten Geschäftsquartal geschrumpfter Verlust, eine um 22 Prozent auf 1,1 Millionen Pfund verbesserte Liquiditätsposition sowie eine um 21 Prozent gestiegene Zahl von Transaktionen genannt.
Nun läßt sich der fulminante Kursausbruch, der beim Vierzigfachen der sonst üblichen Umsätze ablief, relativ leicht erklären. Auf den Punkt bringt es Robin Chhabra, Analyst bei Evolution Beeson Gregory: „Der Aktienkurs hat eine Pleite eskomptiert. Nun reagieren die Anleger positiv darauf, daß die Gesellschaft im Geschäft bleibt und solvent ist.“
Aktie bleibt hochspekulativ
Allerdings darf nicht vergessen werden, daß Ricardo noch immer Verluste macht. In dem Ende Dezember abgelaufenen dritten Quartal des Geschäftsjahres 2003/2004 belief sich der Nettoverlust auf 336.000 Pfund oder 26 Pence je Aktie. Gegenüber dem im Vorjahr in diesem Zeitraum erzielten Verlust von vier Millionen Pfund oder umgerechnet 4,54 Pfund je Aktie ist das zwar eine markante Verbesserung, aber noch immer nicht der endgültige Durchbruch.
Sollte der wie vom Unternehmen trotz eines im Vorquartal um 8,8 Prozent auf 1,18 Millionen Pfund geschrumpften Umsatzes in Aussicht gestellt demnächst aber gelingen, dürfte die Aktie von QXL Ricardo beliebt bleiben. Schließlich beträgt die Marktkapitalisierung auch nach dem Kurssprung nicht einmal neun Millionen Euro. Aber diese geringe Größe führt auch dazu, daß der Titel ein Spielball der unberechenbaren Spekulanten bleiben wird.