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Internet Kritisches Szenario für Google-Aktie

01.02.2008 ·  Nachdem der Suchmaschinenbetreiber Google im vierten Quartal die Erwartungen verfehlt hat, brach der Kurs nachbörslich deutlich ein und fiel damit deutlich unter den seit 2004 bestehenden Aufwärtstrend. Das könnte weitere Kursverluste nach sich ziehen.

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Die Aktie des Internet-Suchmaschinen-Anbieters Google war bislang ein Phänomen und der beste Beleg, dass an der Börse der Glaube mehr zählt als die Fakten. Von Beginn an schrieben sich Analysten und Journalisten die Finger wund, dass die Aktie viel zu teuer sei, die Kursentwicklung focht das nicht an.

Zwar gab es einige unbedeutende Rücksetzer, tatsächlich aber kletterte der Kurs in wenig mehr als drei Jahren um mehr als das Siebenfache. Noch nicht einmal der Rücktritt von Finanzvorstand George Reyes im August und der davor vermeldete überraschende Kostenanstieg, sonst stets Alarmzeichen, wirkten sich nachteilig aus.

Gewinnerwartungen verfehlt

Erst Anfang November trat eine Konsolidierung ein, die sich im Januar verschärfte. Seitdem ist der Kurs um 24 Prozent gefallen. Und das könnte sich erst einmal fortsetzen. Denn im amerikanischen nachbörslichen Handel kam der Aktienkurs des Suchmaschinenbetreibers deutlich unter Druck und fiel um 6,5 Prozent auf 527,40 Dollar.

Grund war, dass Google mit den Ergebnissen für das vierte Quartal die Erwartungen der Analysten und des Marktes verfehlte. So wurde zwar ein Nettogewinn von 1,21 Milliarden Dollar oder 3,79 Dollar je Aktie im Berichtszeitraum erzielt, ohne Einmalaufwendungen sogar von 4,43 Dollar je Anteilsschein. Das war immerhin ein Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal von 17 bzw. 15 Prozent, ohne Einmalaufwendungen sogar von 35 Prozent.

Schwächere Umsatzentwicklung

Doch die Analysten hatten mit einem Gewinn je Aktie von 4,44 Dollar gerechnet. Nun sind ein Cent oder 0,23 Prozent nicht eben viel. Aber zum einen lag der Gewinn einschließlich Einmalaufwendungen deutlich niedriger und zum anderen muss man die hohen eingepreisten Erwartungen berücksichtigen. Implizit ging der Markt davon aus, dass Google chronisch die Prognosen übertreffen werde. Das hat das Unternehmen nicht getan und im Zusammenhang mit dem unerwarteten Kostenanstieg vom Sommer bekommt die Erfolgsstory plötzlich einen hässlichen Kratzer.

Auch im Gesamtjahr blieb der Gewinn je Aktie auf voll verwässerter Basis mit 13,29 Dollar unter den von Analysten erwarteten 13,48 Dollar. Zudem stieg der Umsatz zwar um 51 Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar. Ohne Berücksichtigung der an Marketingpartner gezahlten Gebühren beliefen sich die Einnahmen aber auf 3,39 Milliarden Dollar und lagen damit ebenfalls unter der Konsensschätzung von 3,45 Milliarden Dollar.

Rezessionssorgen

Analysten hatten bereits im Vorfeld der Ergebnisvorlage die Befürchtung geäußert, dass sich das Nachlassen der Verbraucherausgaben auf die Onlinewerbung des Konzerns auswirken könnte. Sie sahen sich nun in dieser Vermutung bestätigt. Denn die Zunahme der Klicks hat
im Vergleich zu den Vorquartalen deutlich nachgelassen. Sie betrug auf Jahressicht im Schlussquartal laut Google nur noch rund 30 Prozent, verglichen mit knapp 50 Prozent in den vorangegangenen vier Quartalen.

Google sieht das naturgemäß optimistischer. Die Zunahme der Klicks habe die internen Erwartungen übertroffen. Man habe noch keine negativen Folge wegen der Spekulationen über eine mögliche Rezession zu spüren bekommen, sagte Vorstandschef Eric Schmidt. „Wir werden sehen, was passiert.“ Großes Potential sieht der Konzern außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Ausland trage inzwischen 48 Prozent zum Umsatz bei nach 44 Prozent im Vorjahr.

Optimistisches Unternehmen

Insgesamt sei 2007 ein sehr gutes Jahr gewesen, resümiert Schmidt, und für 2008 sei man recht optimistisch. Die Belegschaft sei um vierten Quartal um 889 Personen auf nun 16.805 Personen ausgebaut worden. Der Suchmaschinenbetreiber investiert in jüngster Zeit massiv in neue Geschäftsfelder, unter anderem in den Mobilfunkbereich. Investoren hatten die zu starke Abhängigkeit des Konzerns von den Einnahmen im Suchmaschinengeschäft kritisiert.

Der kommissarisch noch amtierende Finanzchef George Reyes sagte in einer Telefonkonferenz, das Umsatzwachstum komme aus allen drei großen Bereichen: Internet-Werbung, Online-Suche und webbasierte Software. Den größten Teil seiner Umsätze macht Google allerdings mit Werbeeinnahmen rund um die Suchergebnisse.

Schwieriger als erwartet sei es hingegen, mit Werbung in den boomenden Online-Netzwerken wie MySpace und Facebook Geld zu verdienen, räumte Reyes ein. Google hatte im vergangenen Herbst im Rennen um eine Beteiligung an Facebook gegenüber Microsoft den Kürzeren gezogen.

Keine „Second Economy

Google will zudem deutlich expandieren. Man plane weiterhin „beträchtliche Kapitalausgaben“ für neue Datenzentren und Netzwerke. Im vierten Quartal hat der Marktführer 678 Millionen Dollar investiert. Die Citigroup warnte, dass Ausgaben über 600 Millionen Dollar als ein
negatives Zeichen zu verstehen seien.

Die Erfolgsgeschichte Google wird mitnichten zu Ende sein. Indes ist es vielleicht an der Zeit, die Erwartungen zu korrigieren. Das Internet ist, entgegen einem weithin gepflegten Glauben, kein „Second Life“. Es ist Teil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens und weder ein rechtsfreier Raum, noch eine eigene Ökonomie.

Vielmehr schlagen sich eine verschlechterte Konsumstimmung und eine Rezession auch auf die Geschäfte der Online-Firmen aus, insbesondere auf die Werbeerlöse. Das haben bereits die schwachen Ergebnisse suggeriert, die Yahoo! vor einigen Tagen vorlegte. Zudem fiel die Zahl der Suchanfragen in Amerika im Dezember um 3,9 Prozent - Weihnachtsgeschäft hin oder her.

Aktie weiterhin nicht billig

Auch nach dem Kursrutsch ist die Aktie des Unternehmens nicht eben billig. Ausgehend von den aktuellen Analystenschätzungen ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 28 für das laufende und 21,6 für das kommende Jahr.

Und auch charttechnisch macht das Papier derzeit keine allzu große Freude. Die Unterstützung bei 550 Dollar wurde glatt durchbrochen, so dass man sich nunmehr in Richtung der Marke von 500 Dollar orientieren muss.

Viel hängt von der allgemeinen Stimmungslage ab. Grundsätzlich sind die Anleger nicht bereit, weitere Kursverluste zu akzeptieren. Das soll heißen, dass sie nach jedem Strohhalm greifen, um daraus zu schließen, dass die Vereinigten Staaten eben nicht in eine Rezession abgleiten, und wenn dass dies dann nur bestimmte Sektoren betrifft und wenn das auch nicht stimmt, dann eben bestimmte Unternehmen nicht.

Sorge um den Trend

Diese Grundhaltung ist für den Markt als ganzen zwar eher schädlich, könnte aber den Kurs einer Aktie wie Google, bei der Glaube an die Erfolgsgeschichte wichtiger ist als die Fakten stützen und sogar einige veranlassen, wieder einzusteigen.

Indes stimmt sehr nachdenklich, dass der Aktienkurs im nachbörslichen Handel so glatt den seit Beginn der Börsennotiz gültigen Aufwärtstrend durchschlagen hat. Bioslang prallte der Kurs an der Trendlinie stets wieder ab, zuletzt am Donnerstag zu Handelsbeginn.

Sollte sich die Aktie im regulären Handel am Freitag nicht behaupten könne, sondern der nachbörslichen Entwicklung folgen, könnte dies zu weiteren, technisch bedingten, Gewinnmitnahmen Anlass geben. Und Gewinne dürften bei einigen Anlegern noch reichlich vorhanden sein. Insofern erscheint geboten, Vorsicht walten zu lassen und die Kursentwicklung in der nächsten Zeit genau zu beobachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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