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Internet Höhere Prognosen können Wirecard-Aktie derzeit nicht helfen

16.08.2007 ·  Höhere Prognosen sind derzeit kein Garant mehr für Kursgewinne. So auch nicht beim Zahlungssystemanbieter Wirecard, dessen Aktie in einem schwachen Marktumfeld deutlich nachgibt und gegen den Rutsch in den Abwärtstrend wehren muss.

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In der derzeitigen Verfassung der Aktienbörsen haben es Aktienanleger schwer. Selbst Aktien mit stabilen positiven Trends müssen plötzlich auf den Prüfstand, selbst wenn sie fundamental dafür keinen Anlass bieten.

So lief auch die Notierung des Anbieters elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen, Wirecard seit einem Jahr recht munter aufwärts und kletterte von 4,30 bis auf 10,79 Euro zu Beginn des Vormonats. Dann legte sie eine Pause ein, bevor sie vor wenigen Tagen wie viele Werte einen deutlichen Kursrutsch hinnehmen musste, den sie an den wenigen positiven Börsentagen nur ansatzweise aufholen konnte.

Gute Geschäftszahlen

Auch am Donnerstag sind die Aussichten auf Kursgewinne abermals begrenzt, wird der Markt doch schwach erwartet. Vorbörslich werden die Aktien in einer Spanne von 9,57 zu 9,73 Euro gestellt, was leicht unter dem Niveau des Vortagesschlusses von 9,71 Euro liegt.

Daran vermochten auch die positiven Geschäftszahlen nicht zu ändern, die das Unternehmen vor Handelseröffnung vorlegte, ebenso wenig die Erhöhung der Prognosen. Wirecard bestätigte die für das zweite Quartal Ende Juli vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen, die bereits seinerzeit in diesen Dimensionen erwartet worden waren, auch wenn das Betriebsergebnis (Ebit) knapp knapp unter den Prognosen gelegen hatte.

Der Umsatz im zweiten Quartal erhöhte sich um 54 Prozent auf 29,9 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stieg um 66 Prozent auf 7,3 Millionen Euro und die Ebit-Marge damit von 22,7 auf 24,3 Prozent. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 55 Prozent auf 56,5 Millionen Euro. Das Ebit verbesserte sich um 63 Prozent auf 13,3 Millionen Euro und die Marge von 22,5 auf 23,6 Prozent.

Prognose trotz Erhöhung unter Analystenerwartungen

Bei der Vorlage vorläufiger Quartalszahlen hatte Wirecard bereits einen optimistischen Ausblick gegeben. Der Markt für elektronische Zahlungsabwicklung wachse nachhaltig, für eine gute Geschäftsentwicklung sollten außerdem die neuen Kartenbankprodukte der Wirecard Bank sorgen. Die mittlerweile in den Konzern eingliederte Wirecard Bank hat nach Unternehmensangaben die Wertschöpfungstiefe erhöht und positiv zum Ergebnis beigetragen.

Wirecard erhöhte die Jahresprognose für das Betriebsergebnis auf eine Steigerungsrate von mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bisher lag das Ziel bei mehr als 50 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte Wirecard hier 18,6 Millionen Euro verdient, so dass dies auf ein Ebit von um 30 Millionen Euro herausläuft. Der erhöhte Ausblick des Unternehmens sei indes keine Überraschung, sagte ein Börsianer. Nach durchschnittlicher Analysteneinschätzung soll das Ebit im Geschäftsjahr 2007 sogar um über 80 Prozent steigen.

Den regulären Handel eröffnete die Aktie 3,2 Prozent tiefer bei 9,35 Euro und gibt damit im Rahmen der Kursverluste des Marktes ab. Was dem Wirecard-Papier zum Verhängnis wird, sind die hohen Erwartungen. Da das Unternehmen nicht überraschen konnte, stehen an einem schwachen Tag im aktuell zittrigen Marktumfeld Gewinnmitnahmen auf der Tagesordnung, allzumal weil die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 24,6 für das laufende und 16,4 für das kommende Jahr auch nicht unbedingt billig ist.

Schwerer Weg nach oben

Charttechnisch sind die Kursverluste am Donnerstag verkraftbar, allzumal sich die Notierung wieder etwas fangen kann und damit kein neues Augusttief aufstellt. Indes ist nicht auszuschleißen, dass es in einem weiter schwachen Marktumfeld zu weitere Gewinnmitnahmen kommt.

Ein weiteres Verkaufssignal wäre ein Rutsch unter das Maitief bei neun Euro, vor allem aber ein Fall unter die Unterstützung im Bereich von acht Euro, dem sich aufgrund des Fehlens starker Unterstützungen schlimmstenfalls ein Kursrückgang bis in den Bereich von vier Euro anschließen könnte. Indes wäre die Aktie dann eindeutig unterbewertet, so dass davon auszugehen ist, dass es nicht soweit kommt.

Ein positives Signal wäre ein Kursanstieg auf über zehn Euro, für den aber derzeit sowohl von der Markt- als auch von der Unternehmensseite die Impulse fehlen. Selbst dann hätte die Notierung noch einen schweren Weg bis zu neuen Hochs über zehn Euro - ganz zu schweigen von den 27,12 Euro, zu denen Wirecard einst noch unter dem Namen Infogenie Europe am Neuen Markt gehandelt wurde.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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