17.04.2009 · Die Aktie des Internet-Konzern Google hat, nach einem zwischenzeitlichen Ausverkauf, in den vergangenen Monaten wieder 50 Prozent zugelegt. Inzwischen ist sie angesichts des abflauenden Wachstums aber allenfalls fair bewertet.
Die Aktie des Internet-Konzern Google hatte sich im vergangenen Jahr nicht von der allgemeinen Ausverkaufsstimmung an den Börsen abkoppeln können. Vom November des Jahres 2007 bis November des Jahres 2008 verlor sie bis zu 65 Prozent ihres Dollarwertes.
Ausgehend vom Zwischentief hat sie allerdings inzwischen im Rahmen des wieder aufgekommenen Optimismus wieder etwas mehr als 50 Prozent auf zuletzt 349 Dollar zugelegt. Der kurzfristige Trend zeigt nach oben, während der gleitende 200-Tagesdurchschnitt schon überwunden werden konnte. Aus technischer Sicht ist das ein gutes Zeichen.
Wachstum Googles flacht deutlich ab
Auch fundamental sieht es bisher noch robust aus. Immerhin konnte das Unternehmen im ersten Quartal der Wirtschaftskrise mit einem Gewinnsprung trotzen, auch wenn das Wachstum angesichts der Werbeflaute deutlich abflaut. Google spüre definitiv die Folgen der Rezession, sagte Konzernchef Eric Schmidt am Donnerstagabend. „Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld bleibt hart.“
Google mussten den ersten Umsatzrückgang auf Quartalsbasis hinnehmen. Die Erlöse fielen von 5,7 Milliarden in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um 3,4 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Im Vergleich mit der Vorjahresperiode konnte der Umsatz allerdings um 42 Prozent gesteigert werden. Der Gewinn je Aktie stagnierte auf Quartalsbasis: Nach 5,10 wurden 5,16 Dollar je Aktie erwirtschaftet. Im Vergleich mit der Vorjahresperiode konnte der Gewinn je Aktie um sieben Prozent gesteigert werden. Die bezahlten Klicks - ein Gradmesser für Googles Einnahmen - kletterten im ersten Quartal zum Vorjahr um 17 Prozent, zum Vorquartal aber nur um drei Prozent.
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Zeiten der hohen Wachstumsraten vorerst vorbei sind. Das ist sowohl auf die Krise zurückzuführen, in der auch Google auf die Kostenbremse treten muss: Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte sank die Mitarbeiterzahl leicht auf rund 20.160 Beschäftigte. Google hatte zudem kleinere Geschäfte etwa mit Zeitungsanzeigen in der Werbeflaute eingestellt. Mit Blick auf die Rezession sagte Schmidt zu den Geschäftsaussichten: „Wir bewegen uns weiter in unbekanntem Gelände.“
Operativer Gegenwind nimmt zu - Aktie allenfalls fair bewertet
Aber nicht nur die Krise wirkt sich aus, sondern auch der operative Gegenwind nimmt zu. Googles wesentliche Einnahmequelle sind Werbeanzeigen zu den Treffern seiner viel genutzten Internet-Suchmaschine. Der Konzern ist hier mit weitem Abstand Marktführer vor Yahoo und Microsoft. Allerdings ist das Geschäftsmodell, das lange Zeit hervorragend funktionierte, längst nicht mehr unumstritten. Denn erstens ist das Ranking der Suchergebnisse aus Sicht der Nutzer längst nicht optimal. Das heißt, Konkurrenten könnten bei besserer Technologie der Markt aufrollen.
Zweitens profitiert Google parasitär von den vielfältigen Inhalten, die das Unternehmen bisher weitgehend unentgeltlich vermitteln kann. Dagegen stehen die Hersteller der Inhalte mit dem Rücken zur Wand und haben wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das heißt, die Contentbasis droht mittelfristig wegzubrechen, sollte Google nicht dafür zahlen. Zudem nehmen Streitigkeiten über Rechte an den Inhalten zu.
Auf dieser Basis dürften Anleger die weitere Entwicklung des Unternehmens mit der notwendigen Skepsis betrachten und sich gegen mögliche Rückschläge geschickt absichern. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 19 und 16 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie auf den ersten Blick optisch kein Schnäppchen mehr. Auf der anderen Seite hat das Unternehmen keine Schulden und verfügt mit inzwischen 18 Milliarden Dollar oder 7,5 Dollar je Aktie über eine angenehmes Liquiditätspolster. „Wir überlegen weiter, was wir damit tun“, sagte Schmidt. „Aber wir sind da sehr konservativ.“ Erst kürzlich hatte es Spekulationen zu einer möglichen Übernahme des Online-Dienstes Twitter durch Google gegeben. Mit Twitter können Nutzer Kurznachrichten mit 140 Zeichen an einen großen Leserkreis verschicken - daher spricht man von Micro-Blogging. Das Problem ist allerdings, dass solche Dienste bisher wenig profitabel sind.
Insgesamt bietet die Aktie ihren Anleger angesichts der positiven Stimmung an den Finanzmärkten zwar noch robuste Reize. Angesichts der Bewertung der fragilen wirtschaftlichen Lage weltweit können regelmäßig angepasste Absicherungsstrategien jedoch nie schaden.
Google
K.F. Beisswenger (Minimix)
- 20.04.2009, 01:35 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |