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Internet Google-Aktie hat an Flair verloren

01.03.2006 ·  Google rechnet nach eigenen Angaben mit einem sich abschwächenden Wachstum. Das bringt die eher teure Aktie am Dienstag wieder einmal kräftig in die Defensive. Der mittelfristige Aufwärtstrend ist gebrochen.

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Die Aktie des bekannten Internetunternehmens Google konnte nach dem Börsengang im August des Jahres 2004 mit einem Preis von 85 Dollar zunächst an die Interneteuphorie der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts anknüpfen und trotz einer anhaltenden Überbewertung zunächst einen Aufwärtstrend etablieren.

Die Anleger schienen die eindrucksvollen Umsatz- und Gewinnwachstumszahlen exponentiell auf die Zukunft zu übertragen und daran zu glauben, diese „Story“ könnte sich bis in alle Ewigkeit fortsetzen lassen. In den vergangenen Tagen scheint dieses Bild allerdings Kratzer bekommen zu haben.

Zunehmende Skepsis an hohen Erwartungen ...

Erst sorgten Medienberichte für aufkommende Skepsis an den hohen Erwartungen und zu entsprechenden Kursverlusten. Nun werden diese Berichte sogar vom Unternehmen selbst in gewisser Weise bestätigt. Die Wachstumsraten würden sich deutlich abschwächen, das sei von Quartal zu Quartal zu sehen, sagte Finanzchef George Reyes am Dienstag auf einer von Merrill Lynch veranstalteten Investorenkonferenz.

Das Wachstum werde jedoch nun vor allem organisch und damit substantiell sein. Google habe in den vergangenen 18 Monaten etwa durch die Optimierung ihres Anzeigensystems die daraus möglichen Gewinne zum großen Teil realisiert. Nun müßten andere Wege gefunden werden, um “aus dem Geschäft Geld zu ziehen“, sagte er.

Die Aktie reagiert am Dienstag mit Kursverlusten von bis zu 13,2 Prozent auf bis zu 338,51 Dollar im Tagestief auf diese Mitteilung. Google bemühte sich daraufhin auch sofort wieder zurückzurudern und veröffentlichte am späten Dienstagabend eine Pressemitteilung, in der die Aussagen von Reyes „präzisiert wurden“. Demnach sieht das Unternehmen noch deutliche Möglichkeiten, die Generierung von Einnahmen aus dem Verkauf von Werbeanzeigen in Verbindung mit Suchergebnissen zu verbessern.

Google erzielt rund 99 Prozent seiner Umsätze mit Werbeeinnahmen auf Basis seines „Pay-per-Click“-Systems. Die Google-Aktien schlossen daraufhin gut sieben Prozent schwächer bei 362,62 Dollar und erholten sich nachbörslich noch einmal, so daß das Minus auf 6,44 Prozent begrenzt blieb.

... wird zum Teil vom Unternehmen bestätigt und läßt sich auch begründen

Der Kursrutsch mag vor allem dank der teilweisen Erholung angesichts der Kursgewinne der vorangegangenen Monate nicht sonderlich dramatisch sein. Allerdings häufen sich seit ein paar Wochen die negativen Meldungen und Ereignisse um Google. Gleichzeitig ist die Aktie inzwischen deutlich unter den mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen. Und das ist kein sonderlich gutes Zeichen.

Immerhin ist die Aktie angesichts überaus optimistischer Gewinnerwartungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 40 und knapp 30 gleichzeitig kein Schnäppchen. Solche Kennzahlen setzen anhaltend starkes Wachstum voraus. Ob das erreichbar ist, bleibt vorerst offen.

Eine gewisse Skepsis dürfte berechtigt sein. Denn erstens steigen die Kosten des Unternehmens rasant, während das Unternehmen gleichzeitig immer mehr den Eindruck erweckt, sich strategisch zu verzetteln. Zweitens ist das Geschäftsmodell nicht geschützt, so daß es im Prinzip jederzeit von jedem imitiert werden kann. Das bedeutet, daß sich Google zumindest latent einer intensiven Konkurrenz ausgesetzt sieht, die auch effektiv druchschlagen kann.

Drittens läßt sich fragen, wie lange Contentanbieter - Verlage und andere - sich noch damit abfinden lassen, daß Google ihre Produkte, an denen es oft keine Rechte hat, kostenfrei auf seine Server lädt und dort wohl auch speichert. Viertens könnten auch die Telekomkonzerne dazu übergehen, einen Teil des Ertragskuchens abschneiden zu wollen. Von Imageschäden aufgrund der willkürlichen Einschränkung der Informationsfreiheit in manchen Staaten gar nicht zu reden.

Das heißt, das Risiko nimmt zu, daß Google gleichzeitig von den unterschiedlichsten Seiten und Druck geraten wird und aus diesen Gründen überaus optimistische Erwartungen kaum wird erfüllen können. Aus diesen Grund und auch mit Blick auf den inzwischen gebrochenen Aufwärtstrend dürfte es ratsam sein, die Positionierung zu überdenken, wenn Stop-Loss-Aufträge nicht schon längst gezogen haben sollten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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