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Internet Ebay als mögliches Warnsignal für Internetaktien

17.10.2003 ·  Ebay hat im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Allerdings versucht das Unternehmen zu hohe Erwartungen an die Zukunft zu dämpfen. Möglicherweise ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl.

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Internetwerte sind in den vergangenen Monaten gelaufen wie in ihren besten Tagen der euphorischen 90-er-Jahre. Als ob es zwischenzeitlich nicht nur deutliche Kursverluste und die Pleite vieler Unternehmen gegeben hätte.

Das läßt sich festmachen an den bekannten Namen wie Yahoo mit einem Plus von 385 Prozent seit dem Oktober des vergangenen Jahres, Amazon mit einem Plus von knapp 1.000 Prozent seit dem Tief im Oktober des Jahres 2001, United Internet in Deutschland mit einem Kursgewinn in ähnlicher Größenordnung oder aber auch dem international bekannten Online-Auktionshaus Ebay.

Ebay mit solidestem Geschäftsmodell

Obwohl das Unternehmen von Anfang an schwarze Zahlen schrieb, blieb die Aktie in den Jahren 2000 und 2001 nicht von deutlichen Kursverlusten verschont. Allerdings konnte sie sich relativ schnell wieder erholen und seit Oktober des vergangenen Jahres allein 135 Prozent zulegen. Am Freitag verbucht sie allerdings ein Minus von 5,8 Prozent auf 54,17 Dollar. Das hängt sicherlich nicht unbedingt mit dem Gewinn im dritten Quartal zusammen, den das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluß bekannt gegeben hatte.

Denn mit einem Plus von satten 69 Prozent auf 103,3 Millionen Dollar oder 16 Cents je Aktie und einer Umsatzsteigerung um 84 Prozent auf 530,9 Millionen Dollar sehen die Zahlen absolut betrachtet sehr gut aus. Das ist nicht das Problem. Denn das zeigt sich im Ausblick auf das kommende Jahr. Ebay geht davon aus, 98 Cents je Aktie verdienen zu können. Ausgehend von 75 Cents je Aktie im Jahr 2003 entspräche das immer noch einer Gewinnsteigerung um beachtlichen 30 Prozent. Allerdings ist das weniger, als der Markt bisher erwartet hat.

Dämpfer für zu hohe Erwartungen

Und aus diesem Grund „kratzen sich viele Anleger nachdenklich am Kopf,“ wie ein Anleger das aufkommende Unbehagen beschreibt. Denn die Kurssteigerungen der vergangenen Wochen führten zu einer hohen Bewertung, die nur dann gerechtfertig ist, wenn Umsatz und Gewinne längere Zeit deutlich steigen. Wenn nun das Unternehmen selbst die Erwartungen dämpft, spricht das für eine gewisse Irrationalität des Marktes.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 72,5 für das laufende und 55 für das kommende Jahr ist die Ebay-Aktie sehr teuer. Allerdings nicht die teuerste. Entsprechende Kennzahlen bei Amazon liegen bei 104 und 67, bei Yahoo sogar bei 117 und 81. Damit ist Ebay relativ gesehen noch die „günstigste“ unter den bekannten Werten. Und viele sagen, es habe das solideste Geschäftsmodell der drei Internetriesen. Wenn aber ausgerechnet das „günstigste“ und das „solideste“ Unternehmen vor überzogenen Erwartungen warnt, was mag dann erst für viele anderen Unternehmen dieser Gattung gelten?

Möglicherweise sollten sich Anleger warnen lassen. Zumindest bei Ebay zeigt sich auch charttechnisch so etwas wie eine Ermüdung ab. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist jedenfalls durchbrochen worden und in eine Art von Seitwärtsbewegung übergegangen. Auch das dürfte zu Vorsicht und damit zu Absicherungsmaßnahmen raten. Bei Amazon und Yahoo gibt es bisher solche Anzeichen noch nicht. Auf Grund der extrem hohen Bewertung sollten die Anleger jedoch wissen, daß sie auf sehr dünnem Eis wandeln. Wenn sich das Klima an den Börsen ändern sollte, kann es sehr schnell brechen.

Die Charts zeigen die Kursentwicklung der Aktien von Ebay, Amazon, Yahoo und United Internet (von oben nach unten) in den vergangenen fünf Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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