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Internet Amazon muß weiter in seine Bewertung hineinwachsen

26.04.2006 ·  Mit Kursgewinnen reagierte am Dienstag die Aktie von Amazon nachbörslich auf die Umsatz- und Ertragszahlen des 1. Quartals. Der Umsatz steigt, aber auch die Kosten. Sinkende Margen und eine hohe Bewertung sprechen kaum für die Aktie.

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Mit Kursgewinnen von bis zu 6,4 Prozent reagierte am Dienstag die Aktie des Internet- Einzelhändlers Amazon auf die vorgelegten Umsatz- und Ertragszahlen zum ersten Quartal und auf den weiteren Ausblick. Ob der so gut war, um Kursgewinne zu rechtfertigen, dürfte sich allerdings hinterfragen lassen.

Der Reingewinn im ersten Quartal habe 51 Millionen Dollar oder zwölf Cent je Aktie betragen, teilte Amazon am Dienstag nach Börsenschluß an der Wall Street mit. Damit wurden die Erwartungen von Analysten erfüllt. Vor einem Jahr hatte Amazon noch 78 Millionen Dollar verdient. Der Umsatz kletterte auf 2,28 Milliarden Dollar von 1,90 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt 2,23 Milliarden erwartet. Für das zweite Quartal sagte Amazon einen Umsatz zwischen 2,03 und 2,18 Milliarden Dollar voraus. Analysten erwarten bislang im Schnitt 2,08 Milliarden Dollar.

Steigende Ausgaben - sinkende Margen

Das Geschäft wurde nach Angaben von Amazon durch steigende Ausgaben und sinkende Gewinnmargen belastet. So stiegen die Ausgaben für Technik und Inhalte im Quartal um mehr als 50 Prozent. Viele Amazon-Kunden meldeten sich für das Programm „Amazon Prime“ an, durch das sie Liefer-Rabatte erhalten. Das Programm bedeutet für Amazon hohe Kosten, was Branchenexperten seit längerem Sorge bereitet. Amazon erhofft sich durch „Prime“ aber eine verstärkte Kundenbindung und langfristig positive Effekte. Das Unternehmen bietet mit Prime für 79 Dollar pro Jahr unbegrenzte Warenlieferungen innerhalb von zwei Tagen an.

Damit zeigt sich schon das ganze Dilemma des Unternehmens. Denn erstens ist Hoffnung alleine kein gutes Rezept für einen anhaltend wirtschaftlichen Erfolg. Ob die Hoffnung auf Kundenbindung trägt, wenn den nun schon lange verwöhnten und damit an tiefe Liefergebühren gewöhnten Kunden die tatsächlichen Kosten belastet werden, wird sich erst noch zeigen müssen. In diesem Sinne sind Umsatzzuwächse ohne Aussicht auf steigende Erträge nicht sonderlich reizvoll. Denn sie verderben lediglich den Markt.

... hohe Bewertungen der Aktie

Der scheint sowieso schon gewisse Grenzen erreicht zu haben. So liegt Amazon in der Popularität der Einzelhandels-Seiten im Internet nach Ebay auf Rang zwei. Beide aber haben mit einer Abschwächung des Umsatzwachstums auf Grund des verschärften Wettbewerbs zu kämpfen. Die operativen Margen sanken unter anderem im Zuge höherer Ausgaben für Technologie. Auch die Transportkosten dürften in einem Umfeld mit zum Teil dramatisch gestiegenen Rohstoffpreise immer mehr durchschlagen.

Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob sich der amerikanische Konsum bei steigenden Zinsen und bei immer dringender werdendem Sparbedarf auf dem aktuellen Niveau wird halten können. Der amerikanische Markt stand im vergangenen Jahr für mehr als die Hälfte der erzielten Umsätze.

Insgesamt stellt sich die Frage ob man sich als Anleger für eine derartige Aktie interessieren sollte, die zudem mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 60 und 42 auf Basis optimistischer Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr alles andere als ein Schnäppchen ist. Auch der Chart kann mit seinem leichten Trend nach unten nicht überzeugen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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