28.12.2004 · Herausragende Zahlen zum Weihnachtsgeschäft haben der Amazon-Aktie zu einem Kurssprung verholfen. Aufs Jahr gesehen hat der Titel aber enttäuscht. Und hohe Bewertung und schwacher Trend lassen ihn nicht als Kauf erscheinen.
An einem ziemlich schwachen Tag an der Wall Street hat die Aktie von Amazon.com zu Wochenbeginn für Aufsehen gesorgt. Mit einem Kursgewinn von 8,5 Prozent auf 42,25 Dollar setzte sich der Titel an die Spitze des Nasdaq 100-Index und war mit weitem Abstand der Tagessieger. Der Grund: Die Amazon.com Inc hat in diesem Jahr das beste Weihnachtsgeschäft in der Unternehmensgeschichte verzeichnet. Dies sagte Sprecher Craig Berman am Montag, Zahlen nannte er aber nicht.
Amazon-Aktionäre dürften sich doppelt über den Kurssprung freuen. Zum einen versüßt er die Jahresbilanz - und zum zweiten erleben sie das ungewohnte Gefühl, einmal besser abgeschnitten zu haben als der Vergleichsindex. Denn die Amazon-Aktie zählt zu den Verlierern des Jahres 2004. Während der Nasdaq 100 gut 11,4 Prozent gewonnen hat, liegt die Notiz des Internet-Händlers an der Wall Street mit fast 26 Prozent im Minus; auf dem Frankfurter Parkett hat sie sogar 31 Prozent eingebüßt. Allein in den vergangenen drei Monaten war vor dem Kurssprung ein Minus von 13,5 Prozent aufgelaufen.
So verwundert es nicht, daß die Aktie im Abwärtstrend hängt. Dieser hat sich seit dem Oktober 2003 aufgebaut. Seinerzeit war ein Anteilsschein von Amazon in Deutschland noch gut 52 Euro wert. Zu allem Überfluß ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 43 für das ablaufende Jahr und von 35 für 2005 hoch bewertet.
Apple-Musikspieler helfen dem Internethändler
Vor allem das Geschäft mit elektronischen Artikeln wie dem digitalen Musikplayer iPod habe für Absatzrekorde gesorgt, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Während des Weihnachtsgeschäfts Amazon seinen bisherigen Tagesrekord: An einem einzigen Tag sind 2,8 Millionen Artikel verkauft worden, wie der Konzern berichtete. Am Thanksgiving-Wochenende habe das Buchgeschäft zwar selbst einen Rekord erreicht, die Zahl der Buchbestellungen sei aber erstmals von den Bestellungen elektronischer Waren überflügelt worden. Rekorde schafften dem Unternehmen zufolge auch der Online-Musikshop und die DVD-Sparte. Im Bereich Uhren und Schmuck verkaufte Amazon seit Ende November mehr als eine Armbanduhr pro Minute.
Weniger vorteilhaft war der Bericht zum dritten Quartal ausgefallen: Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon hatte trotz deutlich zweistelliger Ergebniszuwächse im dritten Quartal die Analysten-Erwartungen verfehlt. Der Gewinn vor Sonderposten stieg im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 73 Millionen Dollar oder 0,17 Dollar je Aktie. Von First Call/Thomson Financial befragte Analysten hatten dagegen mit 0,18 Dollar pro Titel gerechnet. Unter dem Strich steigerte Amazon.com den Überschuß auf 54 Millionen Dollar nach 16 Millionen Dollar oder 13 Cents je Aktie nach vier Cents. Der amerikanische Online-Einzelhändler setzte mit 1,46 Milliarden Dollar auch dank Währungseffekten zwar 29 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor, lag jeodch auch bei dieser Kennziffer hier unter den Experten-Prognosen. Analysten hatten 1,47 Milliarden Dollar erwartet. Ohne Währungseffekte angesichts des schwachen Dollars, die die Erlöse um 57 Millionen Dollar aufpolsterten, wäre der Umsatz lediglich um 24 Prozent gestiegen.
Eigene Prognosen unter Erwartungen der Analysten
Im gesamten Jahr will Amazon die Erlöse auf 6,675 bis 6,925 Milliarden Dollar steigern. Dies wäre ein Plus von 27 bis 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Branchenexperten rechnen derzeit im Schnitt mit 6,80 Milliarden Dollar. Operativ peilt das Unternehmen nun 415 bis 475 Millionen Dollar an. Im Sommer hatte Amazon sich noch 400 bis 460 Millionen Dollar als Ziel gesteckt. Die Gesellschaft bekräftigte aber ihre Erlösprognose für 2005. Der Umsatz soll sich auf 7,40 bis 8,15 Milliarden Dollar belaufen. Damit ist Amazon weniger zuversichtlich als Analysten.
Aus dieser Gemengelage folgt das erhöhte Risiko, daß Amazon die Erwartungen für dieses Jahr und für 2005 nicht erfüllen könnte. Auch insofern verwundert die schwache Entwicklung des Aktienkurses nicht. Da das Weihnachtsgeschäft immer eine Sonderkonjunktur darstellt, darf die gute Nachricht nicht überbewertet werden; das gleiche gilt für den Kurssprung. Vielleicht wirkt dieser in dieser Woche noch etwas nach. Aber grundsätzlich lädt die Amazon-Aktie weder von der Bewertung noch vom Trend zum Kaufen ein. Schon eher sollten Aktionäre darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll ist, Verluste zu begrenzen. Ein Fall unter die Unterstützung bei 28,50/70 Euro wäre aus technischer Sicht ein Signal, das solche Überlegungen verstärkt nahelegt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |