27.02.2007 · Nicht ganz einig waren sich Beobachter am Montagabend, ob der Internet-Dienstleister United Internet nun die Prognosen erreicht hat. Indes wurde eine Dividendenerhöhung begrüßt. Doch eine deutlicher Kursrückgang zur Handelseröffnung könnte Vorbote weiterer Verluste sein.
Manchmal erscheint es so, als ob Internet-Märkte natürlichen Monopole glichen. Das Auktionsgeschäft wird in allen Ländern von einem Anbieter beherrscht, sei es Ebay oder andere. Das Suchmaschinegeschäft regiert Google. Und in Deutschland scheint kein Weg an United Internet vorbeizuführen, obwohl das Unternehmen nur Deutschlands zweitgrößter Internet-Anbieter ist. Aber was nicht ist, kann ja auch noch werden.
Jedenfalls zeigen sich all diese Unternehmen insgesamt sehr erfolgreich, was nicht unbedingt überraschen kann, nachdem sich die historisch zersplitterten Märkte stark verfestigt haben.
Wachstumstreiber DSL
United Internet hat jedenfalls im vergangenen Jahr wieder neue Rekordergebnisse erzielen können. Der Internetdienstleister zudem so bekannte Marken wie 1&1, GMX oder Web.de gehören, steigerte den Gewinn vor Steuern um knapp 80 Prozent auf 181,5 Millionen Euro. Von dpa-AFX befragte Experten hatten auch mit einem Anstieg in dieser Größenordnung gerechnet. Das Unternehmen selbst hatte einen Anstieg auf mindestens 180 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Der Umsatz legte von 801,5 Millionen Euro auf 1,27 Milliarden Euro zu und lag damit leicht über den Prognosen. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich nach vorläufigen Berechnungen von splitbereinigt 25 Cent auf 46 Cent je Aktie. Gemessen an der Aktienzahl dürfte der Überschuss damit auf mehr als 110 Millionen Euro gestiegen sein, nachdem er 2005 noch 59,3 Millionen Euro betragen hatte.
Wachstumstreiber war im vergangenen Jahr erneut das Geschäft mit Breitband-Internetzugängen (DSL) und dem Webhosting. Im hart umkämpften DSL-Geschäft konnte United Internet im vergangenen Jahr rund 530.000 neue Kunden gewinnen. Ende Dezember hatte das Unternehmen 2,27 Millionen DSL-Kunden - und damit rund 30 Prozent mehr als Ende 2005.
Einstieg in die Mietsoftware
„Wir haben im vierten Quartal vor allem auf Wachstum im profitablen DSL-Geschäft gesetzt und die im Sommer angehobenen Umsatz- und Gewinnziele trotz der hohen Aufwendungen für die Kundengewinnung erreicht“, sagte United Internet-Sprecher Marcus Schaps. Insgesamt stieg die Kundenzahl im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 6,39 Millionen.
Größter Geschäftsbereich blieb das Webhosting. Hier legte die Kundenzahl um 35 Prozent auf 2,86 Millionen zu. United Internet profitierte dabei auch von der 90 Millionen Euro teuren Übernahme des britischen Anbieters Fasthosts. Die Zahl der Webhosting-Kunden im Ausland stieg 2006 von 600.000 auf 1,26 Millionen. United Internet ist der größte Webhosting-Anbieter hierzulande und gehört auch weltweit zu den wichtigsten Anbietern.
Die United Internet-Webhosting-Tochter 1&1 kündigte zudem den Einstieg in das Geschäft mit Mietsoftware an. Die E-Mail - und Teamwork-Angebote sollen ab Ende Februar in Deutschland verfügbar sein. Zudem soll das Produkt, das in Kooperation mit Open-Xchange erstellt wird, noch in der ersten Jahreshälfte 2007 in Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten angeboten werden.
Zwar erreichte das Unternehmen die Ziele nur knapp, doch ist dies im vergleich etwa zum Wettbewerber Deutsche Telekom durchaus eine beachtenswerte Leistung, gerade angesichts der enormen Konkurrenz im DSL-Geschäft, in dem United Internet ohne eigenes Netz nicht nur mit dem Platzhirsch Deutsche Telekom, sondern auch intensiv mit anderen Wiederverkäufern wie Freenet, Arcor, Hansenet, Tele2 oder Versatel konkurriert.
Angesichts des Rekordjahrs will das Unternehmen die Dividende fast verdreifachen. Die Ausschüttung an die Aktionäre solle von splitbereinigten 6,25 Cent auf 18 Cent steigen, teilte das TecDax-Schwergewicht am Montag in Montabaur mit. Aktienanalysten hatten mit einer geringeren Dividende gerechnet.
Prognosen nur knapp erreicht
Die am Montagabend veröffentlichten Zahlen wurden insgesamt positiv aufgenommen, wenngleich die Einschätzung, ob die Prognosen erreicht wurden voneinander abwichen. Die deutlich angehobene Dividende wurde indes begrüßt. Für die Aktie wurde daher auf der außerbörslichen Handelsplattform von Lang & Schwarz eine Spanne von 15,14 zu 15,29 Euro genannt, nachdem der Kurs im regulären Handel um 0,47 Prozent auf 14,98 Euro gefallen war. In Erwartung guter Zahlen war die Aktie des Unternehmens am vergangenen Donnerstag auf das Rekordhoch von 15,79 Euro geklettert, konnte diesen Kurs aber nicht halten, so dass das Allzeithoch auf Schlusskursbasis bei 15,27 Euro liegt.
Diese leichten Anzeichen von Nervosität mit anschließender Erleichterung zeigen indes auch das Risiko, das in der Aktie steckt. Denn mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von über 25 für das laufende und knapp 20 für das kommende Jahr wird eine anhaltende Dynamik des Geschäfts vorausgesetzt, so dass die Notierung keine Zeichen von Schwäche duldet.
Begrenztes Aufwärtspotential
Vorbörslich wird die Aktie am Dienstag zwischen 15,15 und 15,30 Euro getaxt. Auch dies zeigt, dass die guten Ergebnisse und anspruchsvolle Erwartungen schon eingepreist sind und die Zahlen keine neue Phantasie erlauben. Nach einer ersten Analysteneinschätzung sind die Zahlen „gemischt“ ausgefallen und nur die Dividende habe positiv überrascht, auch wenn die Rendite mit 1,2 Prozent weiter nicht eben üppig ist.
Daher sollte man nicht allzu große Erwartungen an die Kursentwicklung in den kommenden Wochen bis zur Vorlage des endgültigen Jahresabschlusses am 30. März hegen. Zur Handelseröffnung kam es jedenfalls schlimmer. Die Aktie fiel um rund vier Prozent auf 14,36 Euro. Daher scheint eine Überwindung des Rekordhochs in naher Zukunft nicht zur Debatte zu stehen.
Im Gegenteil steht jetzt eher der Test des Tiefs von Ende Januar bei 14,32 Euro und des Maihochs bei 14,3425 Euro an. Fällt der Kurs darunter, drohen weitere Kursverluste, da eine erste Unterstützung erst im Bereich von 13, eine wirksame vor allem aber erst im Bereich von 12 Euro zu verorten ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.929,50 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 2.579,16 | −0,51% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3159 | +0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 119,10 $ | −0,79% |
| Gold | 1.713,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,34 € | −0,27% |