11.08.2004 · T-Online legt für das zweite Quartal gute Ertragszahlen und -perspektiven vor, allerdings geht die Kundenzahl zurück. Die Aktie ist allerdings trotzdem hoch bewertet und charttechnisch angeschlagen.
Mit Kursgewinnen von bis zu 5,4 Prozent auf 8,4 Euro im Tageshoch reagiert die Aktie des Internetunternehmens T-Online auf die Umsatz- und Ertragszahlen des zweiten Quartals. Nach den ersten Handelsminuten hat die Euphorie allerdings schon wieder deutlich nachgelassen, die Aktie liegt noch mit einem Kursplus von zwei Prozent bei 8,16 Euro.
Die im Technologiewerte-Index TecDax gelistete Tochter der Deutschen Telekom teilte am Mittwoch in Darmstadt vor Börsenöffnung mit, der Umsatz habe im zweiten Quartal um 11,1 Prozent auf 499,5 Millionen Euro zugelegt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei um 61,6 Prozent auf 130,6 Millionen Euro gestiegen. Unter dem Strich verblieb der Tochter der Deutschen Telekom ein Konzerngewinn von 88,2 Millionen Euro oder 7,2 Cent je Aktie, nach 73,7 Millionen Euro oder sechs Cent je Aktie im Vorjahresquartal.
Sinkende Kundenzahlen nicht gerade ermutigend
Konzernweit sank zwar die Kundenzahl im Quartal um knapp 100.000 auf 13,34 Millionen Nutzer. Allerdings legte die Zahl der Kunden mit schnellem DSL-Anschluß, die das Internet länger und intensiver nutzen, auf mehr als 2,9 Millionen zu. Der monatliche Durchschnittsumsatz aller Kunden erhöhte sich im Jahresvergleich um 9,7 Prozent auf 15,8 Euro. Erstmals überschritten auch die bisher verlustreichen Auslandsgesellschaften in Spanien und Frankreich die Gewinnschwelle und erwirtschafteten einen positiven Ebitda-Beitrag von 3,2 Millionen Euro.
Mit Ausnahme des Umsatzes übertraf T-Online mit seinem Quartalsergebnis die Erwartungen der Analysten. Sie hatten einen Umsatz von 502,6 Millionen Euro und ein Ebitda von 118,5 Millionen Euro prognostiziert. Als Konzerngewinn hatten die Experten 77,4 Millionen Euro erwartet. Der Kundenzuwachs bei DSL-Internetanschlüssen in Deutschland blieb mit 181.000 Nutzern am unteren Ende der Analystenerwartungen und fiel schwächer aus als im ersten Quartal, als 280.000 DSL-Kunden gewonnen wurden.
Das Unternehmen ist optimistisch, weiter deutlich wachsen zu können und im Gesamtjahr ein operatives Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen von 450 Millionen Euro erreichen zu können. Das ist das obere Ende der bisher vorgelegten Ergebnisspanne. Positiv ist die verstärkte Nutzung von DSL-Anschlüssen, negativ ist sicherlich der Rückgang der Kundenzahl. Beides zusammen dürfte zu einer gewissen Kritik führen und die weiteren Perspektiven dämpfen.
Preiswettbewerb dürfte früher oder später intensiver werden
Denn früher oder später dürfte bei normalem Marktgeschehen der Preiswettbewerb deutlich intensiver werden. Im internationalen Vergleich zum Teil unglaublich hohe Preise verhindern bisher eine schnellere und massivere Nutzung des Internets und behindern damit die Entwicklung einer größeren wirtschaftlichen Dynamik in diesem Bereich. Das dürfte unter anderem damit zusammenhängen, daß die maßgeblichen Marktteilnehmer noch weitgehend monopolartige Stellungen haben. Diese können Sie auf Kosten der Nutzer schamlos über überhöhte Preise ausnutzen.
Im Interesse der Allgemeinheit an einer raschen und weiten Verbreitung der schnellen Internetzugänge dürften die Wettbewerbsbehörden früher oder später dafür sorgen, daß der Wettbewerb noch intensiver wird. Und das dürfte die Preise und damit die bisher hohen Margen unter Druck bringen. Dieselbe Überlegung dürfte auch Spekulationen auf eine Reintegration von T-Online in den Telekomkonzern dämpfen. Denn das würde möglicherweise einen solchen Prozeß noch beschleunigen. Nichts würde die Existenz von Quasimonopolen oder zumindest Oligopolen im Telekommunikations- und Internetbereich - sie führen zu überteuerten Angeboten - deutlicher machen. Die Tatsache, daß der Preiswettbewerb im Mobilfunkbereich nicht richtig in die Gänge kommt, spricht Bände. Denn alle Beteiligten profitieren von zum Teil wucherartigen Preisen. Das unglaublich hohe Preis-Kostenverhältnis von SMS-Nachrichten läßt sich in Deutschland rational nicht erklären.
Auf Grund solcher Überlegungen dürfte sich die Phantasie für die Aktie beschränken. Vor allem weil sie mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 33 und 27 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr völlig überteuert ist. Charttechnisch sieht es nicht sonderlich gut aus. Die Aufwärtsbewegung des vergangenen Jahres ist abgelöst worden durch einen Abwärtstrend. In den vergangenen Tagen ist das Papier sogar nach unten ausgebrochen. In einem anhaltend schwierigen Marktumfeld dürften weitere Kursverluste nicht ausgeschlossen sein. Die nächste Unterstützungszone liegt bei sieben Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |