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Internet : Aktie von SinnerSchrader braucht mehr für ein Comeback

  • Aktualisiert am

Auf schwerem Weg: SinnerSchrader-Chef Matthias Schrader. Bild: picture-alliance / dpa

Der Neue Markt ist vielen Anlegern nur noch als Skandalbude in Erinnerung. Doch dies überdeckte nur die schlechten Zeiten, die Unternehmen zu schaffen machen - so auch SinnerSchrader.

          Internet-Aktien gehörten am Neuen Markt zu den beliebtesten Werten. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Agenturen, die seinerzeit Hebammen für die Geburtwehen des E-Commerce spielten: Internet-Agenturen.

          Doch die Euphorie verflog. Kabel New Media machten bankrott, Pixelpark gerieten ins Straucheln, Syzygy verschwanden in der Bedeutungslosigkeit. Ebenso ins Vergessen gerieten SinnerSchrader, die aber immerhin noch im deutschen Gründerunternehmen-Index Gex notiert sind, aber auch schon bessere Tage gesehen haben.

          Der Mittwoch ist indes ein guter Tag für die SinnerSchrader-Aktionäre, deren Papiere aktuell mit 1,53 Euro rund sechs Prozent höher notieren als am Vortag. Ausgelöst wurde der Kursschub von den heute vorgelegten Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres, das am 31. August endet.

          Der Chart zeigt die Kursenwicklung der Aktie von SinnerSchrader in den vergangenen drei Jahren.

          Im Zeichen stagnierender Umsätze

          In diesem Zeitraum erzielte die Agentur einen Umsatz von 10,5 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist eine etwas ermutigende Tatsache. Geht man davon aus, daß der Umsatz im eher durchwachsenen vierten Quartal auf Vorjahresniveau verharrt, käme das Unternehmen auf einen Jahresumsatz von knapp 14 Millionen Euro. Damit könnte SinnerSchrader erstmals wieder an den Umsatz des Jahres 2002 heranreichen. Allerdings muß man die Kirche im Dorf lassen. Denn 2001 wurden noch 17,9 Millionen Euro umgesetzt, und 2000 waren es immerhin 14,7. In der Tendenz also zeigt sich, daß die Umsatzentwicklung seit nunmehr sechs Jahren eher durch Stagnation gekennzeichnet ist.

          Der Periodenüberschuß betrug 200.000 Euro oder 0,02 Euro je Aktie. Damit erzielte das Unternehmen zum dritten Mal hintereinander einen Quartalsgewinn. Besonders dynamisch entwickelte sich nach Unternehmensangaben das Geschäft im Segment Interaktive Dienste. Hier bietet SinnerSchrader Dienstleistungen zur Realisierung von Werbekampagnen, zur Analyse des Nutzerverhalten und zur Inbetriebhaltung technischer Systeme, wobei der Mehr-Umsatz vor allem in den beiden letzteren Geschäftsbereichen erzielt worden sei.

          Mühsamer Weg nach oben

          Für die Zukunft verzeichnet das Unternehmen einen gegenüber dem Vorjahresquartal um 34 Prozent höheren Auftragseingang, maßgeblich getragen durch neue E-Commerce-Projekte. Für das Gesamtjahr plant SinnerSchrader mit einem Umsatzwachstum von bis zu zehn Prozent und einem mindestens ausgeglichenen operativen Ergebnis - trotz drei sukzessiver Quartale mit Nettogewinn. Denn die Aussichten für das vierte Quartal sind nicht so günstig. Der Vorstand rechnet „mit einer Verlangsamung der bisher guten Entwicklung“.

          Mit dem dritten Quartal kann man einigermaßen zufrieden sein. Eine Netto-Gewinnmarge von 5,4 Prozent ist zwar nicht weltbewegend, aber besser als die Verluste und Null-Ergebnisse der Vergangenheit, die in immerhin elf der 15 vergangenen Quartale zu Buche standen.

          Etwas übertreiben scheint angesichts des Ausblicks die Aussage des Unternehmens, daß man so die „positive Geschäftsentwicklung fortgesetzt“ habe „und nachhaltig zu positiven Geschäftszahlen zurückgekehrt“ sei. Denn mit den positiven Geschäftszahlen scheint es - zumindest soweit es den Nettogewinn angeht - im vierten Quartal ja bereits schon wieder vorbei zu sein.

          Optimistisch bewertet

          Immerhin: Mit einem ausgeglichenen operativen Ergebnis zum Geschäftsjahresende würde der Aufwärtstrend fortgesetzt. Doch wie sich zeigt, tut sich SinnerSchrader mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen schwer. Nach dem Rekordminus des Jahres 2002 von 37 Prozent des Umsatzes stand 2003 ein operatives Minus von 1,9 und 2004 von 1,4 Millionen Euro zu Buche. Dies kann auch angesichts der eher flauen Umsatzentwicklung nicht weiter überraschen.

          Immerhin ist das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von rund 74 Prozent und positivem Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit ausreichend finanziert und verfügt über hohe liquide Mittel von gut neun Millionen Euro.

          Indes macht die derzeitige Bewertung nicht wirklich Mut. Denn offenbar wird es im laufenden Geschäftsjahr wohl allerhöchstens bei vier Cent pro Aktie bleiben. Dadurch ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 38. Für ein Unternehmen, das mit tendenziell stagnierenden Umsätzen kämpft und sich mit der Gewinnverbesserung schwer tut, ist das reichlich optimistisch.

          Namentlich stellt sich die Frage, wo eine weitere Gewinnverbesserung herkommen soll, denn unbestritten hat sich auf der Kostenseite einiges getan. Doch das heißt anders gewendet: was ist noch drin? Selbst wenn man optimistisch unterstellt, daß im kommenden Geschäftsjahr der Jahresüberschuß um den selben Betrag wächst wie voraussichtlich im laufenden Jahr, betrüge das KGV für das kommende Geschäftsjahr rund 18.

          Von der charttechnischen Seite ist keine Unterstützung zu erwarten. Die SinnerSchrader-Aktie ist das, was man klassisch als „ausgebombt“ bezeichnet. Im März 2000 notierte sie noch bei 85 Euro und fiel bis September auf die heutigen Bewertungsregionen von 2,10 Euro. Später setzte eine Erholungsphase ein, die nach der Sonderausschüttung im November 2004 ein Ende fand. Seitdem pendelt die Aktie im Bereich von 1,10 und 1,80 Euro ohne einen klaren Trend zeigen zu können. Unter diesen Umständen scheint eher geboten, sich mit Investitionen zurückzuhalten.

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