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Internationaler Finanzmarkt Spanien und Japan halten Anleger in Atem

 ·  In den vergangenen Monaten war Japan ein verlässlicher Käufer von Anleihen hochverschuldeter europäischer Staaten. Das könnte sich ändern. In all den Wirren steht nun Spaniens erste Anleihe nach Verlust des AAA-Ratings an.

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Die Kapitalmärkte sind derzeit nichts für schwache Nerven. Das schwere Erdbeben in Japan, eine Rating-Herabstufung Spaniens und die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom Wochenende wirbeln die Märkte kräftig durcheinander. In dieser unübersichtlichen Gemengelage wird Spanien am Montag das Volumen einer für Donnerstag zum Verkauf geplanten Staatsanleihe bekanntgeben. Ausgerechnet Spanien, dem die Rating-Agentur Moody’s gerade seine bisherige Spitzenbonitätsnote entzogen hat.

Obwohl Spanien zuvor schon bei Fitch das AAA-Rating verloren hatte, zeigten sich die Anleger von Moody’s schlechterem Urteil beeindruckt. Eine große südeuropäische Bank, normalerweise über jeden Zweifel erhaben, musste deshalb dem Vernehmen nach am Donnerstag den geplanten Verkauf einer Anleihe absagen. An einem solchen Tag habe auch der beste Emittent aus den hochverschuldeten Euro-Peripherie-Ländern bei den Anlegern keine Chance, sagt ein beteiligter Investmentbanker schulterzuckend. Umso spannender wird am Donnerstag dieser Woche der Marktauftritt des Königreichs selbst. Anleger spekulieren darauf, dass eine noch gut zehn Jahre laufende Staatsanleihe mit einem Kupon von 5,5 Prozent um 2 bis 3 Milliarden Euro aufgestockt wird.

Japan könnte als Käufer wegfallen

In den vergangenen Monaten war Japan neben China ein verlässlicher Käufer von Staatsanleihen hochverschuldeter europäischer Staaten. Japan ist zwar selbst hochverschuldet, verfügt aber auch dank seiner Exportstärke über die nach China zweitgrößten Devisenreserven der Welt. Nach dem schweren Erdbeben gibt es aber Spekulationen, dass Japan das für weitere Anleihekäufe eingeplante Geld nun für den Wiederaufbau verwenden muss. Japanische Versicherer sollen sogar gezwungen sein, Geldanlagen im Ausland aufzulösen. Zumindest nannten Händler diese Spekulation als Grund dafür, warum der Yen zu Dollar und Euro nach dem Beben aufwertete.

Ob Spanien indes eine fehlende Nachfrage aus Japan nach seinen neuen Anleihen am Donnerstag tatsächlich spüren wird, ist fraglich. Zumindest gibt es von anderer Seite etwas Rückenwind. Die Staats- und Regierungschefs des Euro-Raums sind am Wochenende überraschend zügig darin vorankommen, sich auf neue Regeln für die Wirtschafts- und Währungsunion zu verständigen. So wird der Rettungsfonds für Euro-Staaten, die sich nicht mehr über den Kapitalmarkt finanzieren können, gegen den anfänglichen Willen Deutschlands aufgestockt.

Dax erstmals wieder unter 7000 Punkten

Offenbar wollten die Staats- und Regierungschefs dringend ein beruhigendes Signal an die Kapitalmärkte senden. Denn Unruhe war dort die vorangegangene Woche über zu beobachten. Zu Wochenbeginn hatte Moody’s Griechenlands Bonitätsnote gleich um drei Stufen verringert. Dann hatte Portugal am Mittwoch eine zweijährige Anleihe über eine Milliarde Euro nur zu einer sehr hohen Rendite von fast 6 Prozent verkaufen können. Vor einem halben Jahr hatten sich die Anleger noch mit 4,1 Prozent Rendite begnügt. Die Rendite für zehn Jahre laufende portugiesische Staatsanleihen kletterte im Wochenverlauf sogar auf den Rekordstand von 7,8 Prozent. Damit gilt es als wahrscheinlich, dass Portugal bald nach Irland und Griechenland unter den europäischen Rettungsfonds schlüpfen muss. Davon ist Spanien noch weit entfernt. Spanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren derzeit mit 5,5 Prozent. Von dem Rettungssignal des Euro-Gipfels an alle gefährdeten Euro-Staaten könnte Spanien nun aber als erster Emittent profitieren.

Dass es den europäischen Politikern indes gelingt, die Nerven der Anleger gänzlich zu beruhigen, ist unwahrscheinlich. Zwar drehten die amerikanischen Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 am späten Freitagabend noch leicht ins Plus. Zuvor aber war die Aufregung an den Aktienmärkten wegen des Erdbebens in Japan groß. Der Nikkei verlor zwar bis zum Handelsschluss in Tokio nur um 1,7 Prozent. Das lag aber wohl daran, dass die Erde erst kurz vor Handelsschluss zu beben begonnen hatte. Am Terminmarkt zumindest setzte sich der Rückgang des japanischen Aktienindex fort. Dort belief sich der Tagesverlust des Nikkei auf 4,7 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss erstmals seit Mitte Januar eine Woche wieder mit weniger als 7000 Punkten.

Gewinne mit Rohstoffen verlockend

Wegen der unklaren Auswirkungen des japanischen Erdbebens auf die Weltwirtschaft und einer sich ohnehin abschwächenden Wachstumsdynamik in Asien haben offenbar viele Anleger damit begonnen, ihre Risiken in den Depots zu verringern. Sie trennen sich nicht nur von Aktien, sondern auch von Rohstoffen. Für 159 Liter Brent-Öl, die zu Wochenbeginn mit gut 118 Dollar noch den höchsten Preis seit zweieinhalb Jahren erreicht hatten, kosteten am Freitag zeitweise weniger als 113 Dollar. Und für eine Tonne Kupfer mussten zum ersten Mal seit zwei Monaten weniger als 9000 Dollar bezahlt werden. Als Gründe für den Preisrückgang bei Kupfer werden der nachlassende Import durch China sowie Vermutungen genannt, Japans Automobilindustrie werde nach dem Beben zunächst weniger produzieren können. Zwar ist Japan fünftgrößter Importeur von Kupfer, aber derartige Spekulationen erscheinen doch eher weit hergeholt. Vielmehr haben viele Rohstoffe eine beeindruckende Hausse hinter sich. Der 19 Rohstoffpreise abbildende CRB-Index ist seit Juli um fast 40 Prozent geklettert. Damit ist es sehr verlockend für Anleger, mit allgemein zunehmender Risikoscheu ihre Gewinne mit Rohstoffen zu realisieren.

Wieder angelegt wird dieses Geld offenbar zumindest in Teilen am Anleihemarkt. Obwohl Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, für April eine Leitzinserhöhung in Aussicht gestellt hat, gingen in dieser Woche die Renditen für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von 3,3 auf weniger als 3,2 Prozent zurück. Und obwohl der größte Vermögensverwalter Pimco bekannt gab, keine amerikanischen Staatsanleihen mehr besitzen zu wollen, kaufen andere Anleger zehn Jahre laufende amerikanische Staatsanleihen derzeit zu einer Rendite von 3,4 Prozent. Das erscheint angesichts einer Jahresinflation in Amerika von 2,6 Prozent sehr wenig.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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