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Internationaler Finanzmarkt Rajoy und Berlusconi verunsichern Anleger

 ·  Die Wirtschaft im Euroraum ist voraussichtlich weiter geschrumpft. Die Schuldenkrise ist noch nicht überwunden.

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© AP Vergrößern Verunsichert die Märkte: Spaniens Ministerpräsident Rajoy

Die in den vorangegangenen Wochen gefestigte Zuversicht, dass sich zumindest in der Finanzkrise die dunkelsten Wolken allmählich verziehen, hat zuletzt einen Dämpfer erhalten. Korruptionsvorwürfe destabilisieren die spanische Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy, und in Italien droht die Rückkehr Berlusconis. Das hat in der vergangenen Handelswoche zu empfindlichen Kursverlusten auf den Aktienmärkten und höheren Risikoprämien auf den Anleihemärkten geführt. Weitere Verunsicherung könnte es geben, wenn am Donnerstag schwache Daten zur Wirtschaftsleistung in den Monaten Oktober bis Dezember veröffentlicht werden. Die Banken rechnen mit dem fünften Quartal in Folge, in dem die Wirtschaft schrumpft. Das Minus wird mit 0,4 Prozent erwartet. Pessimisten befürchten jedoch einen Rückgang um mindestens 0,6 Prozent.

Selbst in Deutschland ist die Wirtschaft demnach um etwa ein halbes Prozent geschrumpft. Ähnlich negative Werte gibt es für Spanien und Frankreich. Das sei dann aber die Talsohle, fügen die meisten Ökonomen hinzu, darunter die Analysten von der Deutschen Bank, der Royal Bank of Scotland und der Citigroup. Besonderes Augenmerk liegt auf Spanien, wo es allerdings nicht nur Tristesse gibt. Zwar steigt die Arbeitslosenquote immer noch und liegt bereits bei 26 Prozent und damit knapp unter dem Wert, den die Berater der Notenbank in einem Risikoszenario für das Bankensystem angenommen haben.

Einer von vielen kleinen Mosaiksteine

Und auch die Bereinigung auf dem Immobilienmarkt ist noch nicht vorüber. Der Preisverfall um 30 Prozent gegenüber dem Höhepunkt des Booms lässt - nach den irischen Erfahrungen zu urteilen - noch etwa 20 Prozentpunkte Raum nach unten. Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer: Nicht zuletzt wegen der Arbeitsmarktreformen hat sich die Kostenstruktur der spanischen Unternehmen deutlich verbessert. Fachleute erwarten deshalb, dass die spanische Wirtschaft ohne größere Verzögerung von der sich abzeichnenden Erholung der Weltkonjunktur profitieren kann. Das würde zwar weiterhin durch die Anfälligkeit des Bankensystems gebremst. Aber von dem sind die Unternehmen nicht mehr ganz so sehr abhängig, denn Spaniens Großunternehmen haben ihre Verschuldung deutlich reduziert und sind in einer Nettobetrachtung der monatlichen Veränderungen derzeit im Durchschnitt Gläubiger und nicht Kreditnehmer des Finanzsystems.

© F.A.Z. Vergrößern Coca Cola liegt vorn, Pfizer liegt hinten

Dieser Umstand ist einer der vielen kleinen Mosaiksteine, die von einer Beruhigung in der Finanzkrise zeugen. Mit der allmählich wiedergewonnenen Wettbewerbsfähigkeit sind die Ausfuhren der meisten Krisenländer so weit gestiegen, dass die Leistungsbilanzdefizite geschlossen sind. Zugleich ist das Vertrauen der Investoren und privaten Gläubiger so weit gestiegen, dass die Kapitalflucht gestoppt scheint. Das schlägt sich nun wie in einem Spiegelbild in den Bilanzen der Notenbanken nieder. Solange die Kapitalflucht andauerte, wurden abziehende private Kredite durch Kredite des Euro-Zentralbanksystems ersetzt. Sichtbar wurde das unter anderem in den aus dem Zahlungsverkehr resultierenden Forderungen der Bundesbank, die binnen drei Jahren von nahezu null auf 751 Milliarden Euro sprangen. Nun sind sie im Januar wie schon im Dezember deutlich gesunken. 617 Milliarden Euro sind zwar immer noch ein besorgniserregend hoher Wert. Aber der Rückgang zeugt doch von einer Entspannung.

Die Marktstimmung ist anfällig

Fragt sich nur, ob es dabei bleibt. Als einer der Risikofaktoren für die erhoffte Erholung der Wirtschaft im Euroraum gilt der Außenwert des Euro. Denn mit der Entspannung in der Schuldenkrise, die zu einer allmählichen Verkürzung der Zentralbankbilanz geführt hat, und mit der absehbaren weiteren Lockerung in Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika ist der Euro unter Aufwertungsdruck geraten. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat zwar den Euro kurzzeitig geschwächt, als er auf die bremsenden Effekte des starken Euro hinwies. Zugleich machte er aber deutlich, dass er sich nicht auf einen Abwertungswettlauf einlassen will. Wenn er es damit ernst meint, bleibt ihm nur, die Vertreter anderer Währungsräume um Mäßigung zu bitten. Gelegenheit dazu hat er Ende der Woche, wenn sich von Freitag an Regierungen und Notenbanker der zwanzig wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G 20) in Moskau treffen.

Einen Hinweis, wie anfällig die Marktstimmung in Bezug auf den Euroraum ist, könnte die Versteigerung italienischer Anleihen am Mittwoch geben, wenn die Aufstockung zweier Titel mit mittlerer Laufzeit um 5 Milliarden Euro ansteht. Am Wochenende findet dann noch die Präsidentenwahl in Zypern statt. Der Amtsinhaber Christofias verweigert sich zwar den Privatisierungen, die eine Voraussetzung für das internationale Hilfspaket sind. Aber sein Konkurrent Anastasiades akzeptiert diese Bedingung und liegt in den Umfragen vorn.

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