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Montag, 13. Februar 2012
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Internationaler Finanzmarkt Kreative Kurspflege zum Jahresende

20.12.2009 ·  Sechs Handelstage vor Jahresschluss fragen sich die Börsianer, ob der Dax im Zuge einer Jahresendrally die 6000 Punkte noch schafft oder nicht. Aus rein technischer Sicht sieht es im kommenden Jahr für Aktien jedenfalls gar nicht schlecht aus.

Von Gerald Braunberger
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Sechs Handelstage sind es noch bis zum Jahresende und die meisten Investoren haben ihre Bücher mehr oder weniger geschlossen. Nach aller Erfahrung sind die letzten Tage eines Jahres an den Finanzmärkten von kleinen Umsätzen begleitet und das will heißen: Größere Kursausschläge bei kleinen Umsätzen sind möglich, vor allem dann, wenn sich wenige Marktteilnehmer diskret zusammentun, um einen Kurs zu erzeugen, der allen Beteiligten zupass kommt. Vor zwei Jahren waren es wenige Händler am Terminmarkt, die einen Ölpreis von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) bei minimalen Umsätzen „kreierten“. Kreative Kurspflege zum Jahresende hat es in früheren Zeiten wohl auch an deutschen Wertpapiermärkten gegeben, denn Jahresendkurse sind für die Bewertung der in den Beständen von Investoren vorhandenen Wertpapiere von hoher Wichtigkeit. Umso wichtiger erscheint es, dass die Aufsichtsbehörden sich nicht komplett in die Weihnachtsferien verabschieden. Am deutschen Aktienmarkt fragen sich Börsianer derweil, ob der Dax im Zuge einer Jahresendrally die 6000 Punkte noch schafft oder nicht. Aus rein technischer Sicht sieht es für das kommende Jahr eher positiv als negativ für Aktien aus.

Manche Analysten lieben es, nach Parallelen zwischen der aktuellen Kursentwicklung und früheren Zyklen Ausschau zu halten. Vor einem Jahr war es modern, die Aktienkurs- und Konjunkturentwicklung der Jahre 1929 bis 1933 zu Rate zu ziehen. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Kurse und Konjunktur aus der jüngsten Krise besser herausgekommen sind als vor 75 Jahren. Seit Monaten werden Vergleiche zwischen der aktuellen Situation und dem Jahre 2003 herumgereicht. Damals waren die Aktienkurse stärker gestiegen als erwartet. Sollte das damalige Muster Beispielkraft behalten, sollte es in 2010 am Aktienmarkt weiter bergauf gehen.

Aufwärtsbewegung des Goldes ist für Roubini nur eine Blase

Auf eine andere Parallele weist der Analyst und Fondsmanager Stephen Jen hin. Er zieht Vergleiche zum Jahr 2005, als Aktienkurse, Dollarkurs und Ölpreis zur selben Zeit gestiegen waren. Das ist eine ungewöhnliche Konstellation an den Kapitalmärkten, denn gewöhnlich verhalten sich Dollar und Öl invers: Rohstoffpreise steigen üblicherweise, wenn der Dollar an den Devisenmärkten zur Schwäche neigt. Jen sieht allerdings die Möglichkeit, dass sich das Jahr 2010 entwickelt wie das Jahr 2005, als der Dollarkurs an den Devisenmärkten und Rohstoffpreise wie Öl parallel gestiegen waren. Möglich ist dies laut Jen in einem Szenario, in dem die amerikanische Wirtschaft immer mehr zur Lokomotive der Weltkonjunktur wird. In diesem Fall könnten Dollar, Aktienkurse und Öl steigen. Bisher wird die Weltkonjunktur eher von Schwellenländern wie China als von den Vereinigten Staaten gezogen, aber ein Wechsel an der Spitze des Zuges lässt sich nicht ausschließen.

Der Preis für eine Feinunze Gold (31 Gramm) konsolidiert bei 1115 Dollar ebenso wie die Goldminenaktien ihren Höhenflug unterbrochen haben. Aus technischer Sicht erscheint der Aufwärtstrend nicht unterbrochen, auch wenn eine längere Konsolidierung mit noch tieferen Preisen möglich erscheint. Anderer Ansicht ist Nouriel Roubini, der zu Ruhm gekommen ist, weil er die Finanzkrise vorausgesehen hat. Solange Roubini eine Finanzkrise voraussagte, war er bei den Goldfreunden beliebt. Nun hat er sich unbeliebt gemacht, weil er in der starken Aufwärtsbewegung des Edelmetalls nicht mehr als eine spekulative Blase sieht.

Dubai erinnert an das Risiko eines Staatsbankrotts

Roubini muss mit seiner Prognose nicht richtig liegen, aber seine Analyse ist interessant. Er sieht zwei Gründe, die einen starken Goldpreisanstieg rechtfertigen. Das ist zum einen die Erwartung einer heftigen Geldentwertung (Inflation) oder aber die Erwartung einer so heftigen Wirtschaftskrise, dass die Menschen um die Sicherheit ihrer Bankeinlagen fürchten müssen. Der Goldpreisanstieg der Vormonate wurde aber weder von Inflation noch von Depression begleitet. Warum aber wurde das Edelmetall dann so teuer? Roubini nennt mehrere Gründe: Die stark wachsenden Haushaltsdefizite nähren Inflationsängste, obgleich von Inflation nichts zu spüren ist. Zweitens werden die Preise für Vermögensgüter wie Rohstoffe (unter Einschluss der Edelmetalle) und Aktien durch die extrem expansive Geldpolitik getrieben.

Drittens tendierte der Dollar unter anderem als Folge von „Carry-Trades“ am Devisenmarkt zur Schwäche, was den Rohstoffpreisen zur Hausse verhalf. Bei „Carry-Trades“ verschulden sich Investoren in Währung mit Niedrigzinsen (wie dem Dollar), um das Geld in höherverzinslichen Währungen (wie dem Australischen Dollar) anzulegen. Die damit verbundenen Verkäufe von Dollar drücken den Kurs der amerikanischen Währung. Viertens sieht Roubini das Goldangebot als begrenzt an, während die Nachfrage schneller gestiegen sei. Schließlich hat das Beispiel Dubai die Investoren daran erinnert, dass Staaten auch das Risiko eines Bankrotts nicht ausschließen können.

Kein Investor muss Schutz in einer Blockhütte suchen

Doch Roubini sieht in diesen Gründen keinen Grund, dauerhaft in Gold anzulegen: „Da Gold keinen Substanzwert hat, gibt es ein beträchtliches Risiko einer Abwärtskorrektur. Am Ende werden die Zentralbanken aus der quantitativen Lockerung und Zinssätzen von null Prozent aussteigen müssen. Ein weiteres Abwärtsrisiko ist, dass sich der Dollar-Carry-Trade auflösen könnte und die globale Assetblase, die er zusammen mit der Schwemme an monetärer Liquidität verursacht hat, platzen lässt.“

Seine Schlussfolgerung lautet: „Der jüngste Anstieg der Goldpreise lässt sich nur zum Teil mit den Fundamentaldaten rechtfertigen. Auch ist nicht klar, warum die Investoren Gold horten sollten, wenn die Weltwirtschaft wieder in eine Rezession verfällt. Wenn man wirklich eine globale Kernschmelze befürchtet, sollte man seinen Vorrat an Waffen, Dosennahrung und anderen Waren aufstocken, die man in seinem Blockhaus tatsächlich gebrauchen kann.“ Vermutlich werden die Investoren auch im kommenden Jahr keinen Schutz in einem Blockhaus suchen müssen. An den internationalen Finanzmärkten ist zuletzt eine Ruhe-Phase ausgebrochen, die den Anlegern die Möglichkeit bietet, ihre Dispositionen für das kommenden Jahr mit mehr Gelassenheit treffen zu können als dies noch vor zwölf Monaten der Fall war.

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