02.02.2009 · Die Rezession hat die Märkte rund um den Globus fest im Griff. Die Aussichten für die Konjunktur sind nach Einschätzung der Marktakteure alles andere als berauschend. Mit einer raschen Konjunkturerholung rechnet kein Börsianer. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.
Von Claus Tigges, WashingtonWall Street ist um einen traurigen Rekord reicher: Der Dow Jones, das aus dreißig führenden Industrieaktien berechnete Börsenbarometer, hat im Januar 8,8 Prozent verloren und den Monat fast genau auf 8000 Punkten abgeschlossen. Es war der miserabelste Jahresbeginn in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Dow Jones, noch ein wenig schlechter als im Weltkriegsjahr 1916. Der S&P-500, ein deutlich breiterer Index, büßte 8,57 Prozent ein, mehr noch als jene 7,65 Prozent, die im Jahr 1929 verzeichnet wurden. Den Dow Jones und auch den S&P-500 trennen inzwischen mehr als 40 Prozent von ihren Rekorden aus dem Jahr 2007.
In den Notierungen der Anteilsscheine spiegelt sich die düstere Lage der größten Volkswirtschaft der Welt und mehr noch: Auch die Aussichten für die Konjunktur sind nach Einschätzung der Marktakteure offenkundig alles andere als berauschend. Mit einer raschen und kräftigen Konjunkturerholung rechnet kein Börsianer. Bankvolkswirte an Wall Street befürchten, dass das erste Quartal des neuen Jahres noch schlechter ausfallen könnte als das letzte Quartal des vorangegangenen, als die amerikanische Wirtschaft auf Jahresbasis um 3,8 Prozent geschrumpft ist, so schnell wie seit der schweren Rezession Anfang der achtziger Jahre nicht mehr. Und dass die Krise nicht nur Amerika, sondern auch den Rest der Welt fest im Griff hat, lässt sich an den Börsenindizes in Frankfurt, London, Tokio und anderswo eindrucksvoll ablesen.
Umsetzung des Rettungsplans
In dieser Woche nun hoffen die Marktakteure zu erfahren, wie die neue amerikanische Regierung mit der Umsetzung des Rettungsplans für das Finanzsystem fortfahren will. Kein Zweifel besteht nach Einschätzung von Präsident Barack Obama und Finanzminister Tim Geithner daran, dass die Banken zusätzliche staatliche Hilfe der einen oder anderen Art benötigen. Wirtschaftsberaterin Christina Romer hat abermals bekräftigt, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen“.
Das betrifft sowohl die Schaffung einer „Bad Bank“, die den Geschäftsbanken ihre faulen Kredite und giftigen Wertpapiere abnähme, als auch weitere staatliche Ausfallbürgschaften, wie sie schon der Citigroup und der Bank of America gegeben wurden. Geithner hat darauf hingewiesen, dass die Einrichtung einer Bad Bank eine hochkomplizierte Sache ist, die nicht mit leichter Hand richtig hinzubekommen sei. Schließlich waren Pläne seines Vorgängers Henry Paulson zur Übernahme von faulen Krediten und Wertpapieren im Rahmen von Auktionen an der Komplexität der Aufgabe gescheitert. Auch die Finanzierungsfrage müsste geklärt werden, denn Schätzungen zufolge könnten bis zu 2 Billionen Dollar erforderlich sein, um die Banken vor weiteren Verlusten aus diesen Geschäften zu bewahren.
Zu hören ist freilich auch, dass mehr als vier Dutzend vorwiegend kleinere amerikanische Banken auf die Hilfe aus Washington verzichten wollen, obwohl sie die Kriterien des Ministeriums erfüllen. Wie es heißt, befürchten sie vor allem strengere Auflagen und Verpflichtungen im Gegenzug zur Hilfe. Geithner hat angekündigt, schärfer darüber zu wachen, dass durch die Hilfe auch tatsächlich die Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher wieder in Gang kommt.
Gefahr einer Liquiditätsfalle
Mit gehöriger Spannung warten die Marktakteure auch darauf, ob die amerikanischen Währungshüter unter Führung Ben Bernankes ihre Absicht in die Tat umsetzen und beginnen, neben den kurzfristigen auch langfristige Wertpapiere des Schatzamtes in Washington zu kaufen. Der geldpolitische Rat der Federal Reserve hatte auf diese Möglichkeit nach seiner Sitzung in der vergangenen Woche nochmals verwiesen, dies aber von der Marktentwicklung abhängig gemacht.
Die Europäische Zentralbank (EZB), deren geldpolitischer Rat am Donnerstag zusammenkommt, hat wissen lassen, dass sie weder dem Beispiel der Fed zu folgen gedenkt, den Leitzins auf null Prozent zu senken, noch langfristige Staatsanleihen der Mitgliedsländer des Euro-Raums zu kaufen. Jedenfalls hat Yves Mersch, der Präsident der luxemburgischen Notenbank, auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich dadurch ergeben, dass es eben Staatsanleihen der verschiedenen Mitgliedsländer des Euro-Raums gibt, deren Renditen seit den jüngsten Verwerfungen ein gutes Stück weit auseinanderliegen. Und Mersch hat auch die Erwartungen mancher Marktakteure gedämpft, dass der Hauptrefinanzierungszinssatz der EZB wie der amerikanische Leitzins in die Nähe von null Prozent sinken könnte. Die Notenbank liefe dann Gefahr, in eine Liquiditätsfalle zu tappen, warnte der Währungshüter.
Zusammenhalt des Euro-Raums ist nicht gefährdet
Die EZB hat ihre Bilanzsumme seit der Zuspitzung der Finanzkrise im September um annähernd 40 Prozent ausgeweitet. Die Fed und auch die Bank von England haben durch die Hereinnahme von zusätzlichen Wertpapieren als Sicherheit für Zentralbankgeld ihre Bilanzsummen seither jeweils um 150 Prozent erhöht. Bei der EZB handelt es sich weniger um eine quantitative als vielmehr um eine qualitative Lockerung der Geldpolitik, weil sich die Zusammensetzung ihrer Aktiva deutlich verändert hat. Die Notenbank hat den noch zulässigen Bonitätsstandard für Wertpapiere, die sie als Sicherheiten von Banken akzeptiert, von „A-“ auf „BBB-“ gesenkt.
In jedem Fall hinterlassen die kostspieligen Rettungsmaßnahmen der Regierungen ihre Spuren auf den Anleihemärkten. Die Kurse der Staatspapiere geben unter dem Eindruck eines anschwellenden Angebots von staatlichen Schuldverschreibungen zum Teil erheblich nach, die Renditen klettern entsprechend in die Höhe. Die deutsche Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit wirft inzwischen wieder 3,29 Prozent ab, 34 Basispunkte mehr als vor vier Wochen. Das ist der schnellste Renditeanstieg seit Juli 2003. Noch schlimmer hat es die Anleihen von anderen Euro-Mitgliedern wie Griechenland und Irland erwischt; deren Renditeabstand zu den vergleichbaren Bundesanleihen ist deutlich größer geworden. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Wochenende die Einschätzung geäußert, dass das Auseinanderlaufen der Renditen den Zusammenhalt des Euro-Raums nicht gefährde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |