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Internationaler Finanzmarkt Hilfe, die Privatanleger kommen!

 ·  Wenn Privatanleger die Börse stürmen, wird es Zeit, auf eine Baisse zu setzen. Dieses altbekannte Muster lässt sich derzeit auch an der Wall Street beobachten. Europa blickt derweil auf Portugal.

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An der Börse existiert seit Jahrzehnten der wenig schmeichelhafte Begriff der „Dienstmädchenhausse“. Damit ist die Erfahrung gemeint, dass viele Privatanleger dazu neigen, eine Hausse an der Börse lange zu übersehen und erst dann in den Markt einzusteigen, wenn der Kursaufschwung sich seinem Ende nähert. Daraus haben Börsenprofis den Schluss gezogen: Wenn die Privatanleger die Börse stürmen, wird es Zeit, allmählich auf eine Baisse zu setzen. Dieses altbekannte Muster lässt sich derzeit an der Wall Street beobachten. Dort entdecken amerikanische Privatanleger den Aktienmarkt, nachdem sich die Kurse, gemessen am verbreiteten S&P-Index für 500 Werte, seit ihrem durch die Finanzkrise bedingten Tief im Frühjahr 2009 verdoppelt haben. Getragen wurde diese Hausse in erster Linie durch Großanleger. Nun aber zeigen sich in Umfragen auch die amerikanischen Kleinanleger mehrheitlich optimistisch, und wie Statistiken zeigen, investieren sie jetzt stark in Aktienfonds.

Und was machen die Profis? Wie die Großbank Société Générale berichtet, gehen viele Hedge-Fonds derzeit „short“, wie man an der Börse sagt. Sie sehen zumindest eine Unterbrechung der Hausse und stellen sich auf eine Korrektur mit fallenden Kursen ein. Das tun sie, indem sie den S&P-500-Index am Terminmarkt verkaufen. Namhafte technische Analysten haben an der Wall Street schon seit Monaten vor einer Korrektur gewarnt, bisher aber nicht recht behalten, da die Hausse einfach zu kräftig war. Profitiert hatten der amerikanische und der deutsche Aktienmarkt in den vergangenen Wochen nicht nur von der Erwartung steigender Unternehmensgewinne, sondern auch von Umschichtungen durch Großanleger, die ihre Positionen in Schwellenländern reduzierten, um Zuflucht in etablierten Aktienmärkten in Industrienationen zu suchen.

Eine Korrektur dürfte am deutschen Aktienmarkt nicht vorübergehen

Hierfür existieren im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen scheinen sich die Haussen in einigen Schwellenländern wie China und Indien zumindest zunächst einmal erschöpft zu haben. Das ist wenig erstaunlich, denn diese Länder erhöhen ihre Zinsen, um sich gegen zunehmende Inflationsgefahren zu stellen. Es ist ein bekanntes Muster, dass Aktienmärkte in Ländern, die nach einem langen, kräftigen Wirtschaftswachstum mit Zinserhöhungen gegen Inflation vorgehen, zumindest vorübergehend einknicken. Mit den Unruhen im arabischen Raum tritt derzeit jedoch noch ein zweiter Grund hinzu, warum Großanleger Geld aus Schwellenländern in Industrienationen verlagern. Steigende Preise für Edelmetalle - der Silberpreis erreichte kurz vor dem Wochenende mit 32,65 Dollar je Unze seinen höchsten Stand seit dem Jahr 1980 - sprechen ebenfalls für eine zunehmende Risikoscheu.

Ob dieser Prozess dauerhaft ist, lässt sich derzeit nicht zuverlässig einschätzen. Aber eine Vermutung erscheint naheliegend: Sollte in absehbarer Zeit die Wall Street in eine Korrektur eintreten, dürfte sie am deutschen Aktienmarkt nicht vorübergehen. Denn mit dem Fortschreiten des Konjunkturaufschwungs nimmt nach aller Erfahrung die Neigung von Analysten zu, die Gewinndynamik der Unternehmen zu überschätzen. Negative Überraschungen können dann leicht die Aktienkurse unter Druck setzen. Erste warnende Stimmen sind vernehmbar: Das zuletzt beobachtete Wachstum der Unternehmensgewinne werde sich nicht einfach fortsetzen, sagen Analysten der DZ Bank und der ING voraus. Die Helaba spricht von einer Überhitzung an den Aktienmärkten und sieht deutliche Anzeichen für eine Korrektur.

In den Märkten wächst das Misstrauen

Derweil bereiten sich die europäischen Staats- und Regierungslenker auf ihr Gipfeltreffen Ende März vor, auf dem sie die am liebsten die Euro-Krise ein für alle Mal beerdigen wollen. Das setzt aber unter anderem voraus, dass die Märkte mitmachen. Der aktuelle Befund ist etwas widersprüchlich. Auf der Habenseite steht die Beobachtung, dass entgegen manchen Befürchtungen die Plazierung von Staatsanleihen im Euro-Raum in den vergangenen Wochen ohne große Probleme stattfand und am Devisenmarkt die Großanleger sich in den vergangenen Wochen eher gegen den Dollar als gegen den Euro positioniert haben, worauf wiederum die Société Générale hinweist.

Auf der Passivseite steht, dass sich in den vergangenen Tagen am Anleihemarkt die Renditeabstände („Spreads“) zwischen Papieren aus Deutschland und der Peripherie wieder vergrößert haben. Vor allem aber ist Portugal wieder in den Blickpunkt der Marktteilnehmer gerückt. Denn das Land befindet sich in einer Rezession, und zudem kursieren an den Märkten Gerüchte, nach denen vor allem Deutschland die portugiesische Regierung dränge, wie Irland ein Hilfsprogramm anzufordern. Lissabon leistet offensichtlich Widerstand. Doch obgleich die Portugiesen versichern, dass sie bereits ein Drittel ihres Finanzierungsbedarfs für das laufende Jahr gedeckt hätten und in der vergangenen Woche sogar anboten, im Frühsommer fällig werdende Anleihen vorzeitig zu tilgen, wächst das Misstrauen an den Märkten.

Unruhe an den europäischen Anleihemärkten wahrscheinlich

Die zehnjährige Staatsanleihe rentierte am Freitag mit 7,24 Prozent. Renditen über 7 Prozent gelten allgemein auf die Dauer als nicht tragbar für ein Land mit einer hohen Staatsverschuldung und einer schwachen Wirtschaft. Londoner Marktkreise führten die steigenden Renditen in der Peripherie zudem auf Befürchtungen zurück, dass die Regierung Merkel möglicherweise Schwierigkeiten bekommen werde, einen Euro-Rettungsplan im eigenen Land durchzusetzen.

In den kommenden Wochen ist daher mit Unruhe an den europäischen Anleihemärkten zu rechnen, zumal die Erwartung auf eine dauerhafte Lösung der Probleme durch die Politik nicht unbedingt vorhanden ist. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass die Regierungen des Euro-Raums im März eine Aufstockung der Hilfsgelder „durchwinken“ und eine „vage gehaltene“ Wirtschaftsregierung installieren, und folgern: „Wir sehen ein beträchtliches Risiko, dass die hoch gesteckten Erwartungen der Anleger enttäuscht werden und die Risikoprämien der Peripherieanleihen danach steigen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fonds EFSF anstelle der EZB künftig Staatsanleihen kaufen werde, liege unter 50 Prozent.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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