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Internationaler Finanzmarkt Eine neue Form der Unruhe

Wechselkurse stoßen auf ein immer stärkeres Interesse. Und am Aktienmarkt kehren neben der guten Stimmung auch die großen Deals zurück. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

© REUTERS Vergrößern Übernahmen wie die von Heinz sorgen an den Aktienmärkten für gute Stimmung

An den Finanzmärkten ändert sich die Agenda. Standen in den vergangenen Jahren vor allem die Anleihemärkte und zu einem geringeren Teil die Rohstoffmärkte im Mittelpunkte des Interesses, wird nunmehr viel über die Devisenmärkte geredet und geschrieben. Daneben sorgen große Übernahmen für Gesprächsstoff an den Aktienmärkten. Die haben zwar bereits ein schönes Jahr 2012 hinter sich, allerdings scheint die Hausse an vielen Anlegern bisher vorübergegangen zu sein.

Gerald Braunberger Folgen:    

Auch wenn die Weltwirtschaft sich eher mühsam von ihrer jüngsten Krise erholt, haben viele Unternehmen in den westlichen Ländern erhebliche Geldreserven gebildet, die zum Teil aus Umsatzsteigerungen, zum Teil aber auch aus einer größeren Kostendisziplin stammen. Wie aus der Vergangenheit bekannt, verleitet eine gute Stimmung am Aktienmarkt in Verbindung mit üppiger Liquidität mutige Anleger zu Übernahmen.

Die größte Fluggesellschaft der Welt

So übernehmen Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und der Finanzinvestor 3G für 28 Milliarden Dollar den Ketchup-Hersteller Heinz. Wie in solchen Fällen nicht ganz unüblich, ermittelt die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC wegen des Verdachts vorangegangener Insidergeschäfte. Der Zusammenschluss der Kabelnetzbetreiber Liberty Global und Virgin Media beläuft sich auf 16 Milliarden Dollar. Der Computerhersteller Dell wird von seinem Gründer und einem Finanzinvestor für 24,4 Milliarden Dollar übernommen. Aus dem Zusammenschluss der amerikanische Fluggesellschaft American Airlines und US Airways entsteht die größte Fluggesellschaft der Welt.

Infografik / Gewinner und Verlierer im Dax / 2013 02 18

Die produktive Unruhe dürfte so rasch kein Ende finden, nicht nur zur Freude der Investmentbanken, die stattliche Beratungshonorare kassieren. Denn jene Unternehmen, die ihre Barreserven weiter niedrigverzinslich bunkern wollen, geraten unter Druck. Die Klage des Hedgefondsmanagers David Einhorn gegen Apple ist hierfür nur ein Beispiel. Nun kann man kein Unternehmen zwingen, andere Unternehmen zu kaufen. Denkbar sind hingegen mehr Rückkäufe eigener Aktien durch Unternehmen, die derzeit nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen.

Die gute Stimmung an den Aktienmärkten könnte fortdauern - nicht weil die Weltwirtschaft gut läuft, sondern weil sie nicht gut läuft. Diese scheinbar paradoxe Ansicht vertritt der Londonder Hedgefondsmanager Stephen L. Jen. „Gerade weil das Wirtschaftswachstum schwach ist, werden die Zentralbanken ihren Fuß auf dem Gaspedal lassen“, schreibt Jen in einem Marktkommentar. Die Aktienkurse würden durch großzügige Liquidität getrieben, und daran werde sich so rasch nichts ändern. Mit der Geldpolitik wirken die Zentralbanken aber nicht nur auf die Aktienmärkte ein, sondern auch auf die Devisenmärkte, an denen seit Wochen über Abwertungswettläufe diskutiert wird.

Goldverkäufe als Grund für Schwäche

Jen betrachtet das Moskauer G-20-Treffen als Beleg für die Uneinigkeit unter den großen Führungsmächten. Der Yen werde gegenüber dem Dollar weiter abwerten und ein Kursband zwischen 100 und 110 Yen ansteuern. Aus Jens Sicht bringen Kooperationsbemühungen wenig, solange die Vereinigten Staaten ihr eigenes Haus nicht in Ordnung bringen. Die Politik Japans sei nichts anderes als eine „Selbstverteidigung“ gegenüber einer falschen amerikanischen Geldpolitik. Die Analysten der Helaba sehen indessen weniger Potential für eine weitere Abwertung der japanischen Währung: „Nach heftigen Kursverlusten dürfte der Yen vorerst das Schlimmste hinter sich haben, zumal die ebenfalls expansive Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und Europa das Abwärtspotential begrenzt.“

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Wie begrenzt das Abwärtspotential ist, interessiert derzeit auch viele Goldanleger, nachdem der Preis für das Edelmetall am vergangenen Freitag erstmals seit dem Sommer 2012 vorübergehend unter der Marke von 1600 Dollar je Feinunze (31 Gramm) gefallen war. Als Grund für die Schwäche wurden unter anderem Goldverkäufe durch den Hedgefonds von George Soros genannt. Schaut man auf den längerfristigen Chart, sieht man vor allem zweierlei: Im Anschluss an die im Jahre 2001 begonnene beeindruckende Hausse befindet sich der Markt seit dem Sommer 2011 - also immerhin seit gut eineinhalb Jahren - in einer Konsolidierung, in der nicht zuletzt Käufe von Zentralbanken den Preis stabilisierten. Der Markt hat längst seinen Schwung verloren. Außerdem ist der Preischart deutlich unter seine 200-Tage-Durchschnittslinie gefallen, was aus technischer Sicht zur Vorsicht mahnt.

In den kommenden Tagen dürften nicht zuletzt Daten zur Konjunktur die Märkte interessieren, wobei zuletzt für Europa bessere Frühindikatoren und schlechte Produktionsdaten für das Schlussquartal ein gemischtes Bild gaben. An deutschen Daten stehen unter anderem die Konjunkturerwartungen des ZEW sowie der Ifo-Geschäftsklimaindex ins Haus.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.02.2013, 21:49 Uhr

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Von Kerstin Papon

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