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Samstag, 11. Februar 2012
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Internationaler Finanzmarkt Ein rauher Wind aus Washington

08.02.2009 ·  Der Wind, der aus Washington zur Wall Street herüberweht, wird ohne Zweifel rauher, als er es in den vergangenen Jahren war. Die neue amerikanische Regierung nimmt die Marktakteure an die kürzere Leine. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Claus Tigges, Washington
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Der Wind, der aus Washington zur Wall Street herüberweht, wird ohne Zweifel rauher, als er es in den vergangenen Jahren war. Aufmerksam nehmen Banker und andere Marktakteure zur Kenntnis, dass die neue Vorsitzende der Börsenaufsicht, der Securities and Exchange Commission (SEC), Mary Schapiro, andere Töne anschlägt als ihr Vorgänger Christopher Cox.

Schapiro hat eine Verfügung von Cox kassiert, wonach die Ermittler ihres Hauses sich in vielen Fällen erst grünes Licht vom politisch besetzten Direktorium der SEC geben lassen mussten, ehe sie Strafen im Zusammenhang mit Gesetzesverstößen verhängen durften. Das hatte viele SEC-Beamte entmutigt und zu einem erheblichen Rückgang der angestrengten Verfahren geführt. „Wer das Gesetz bricht und Anleger ausnutzt, der wird in der SEC eine unnachgiebige Behörde finden, die die ganze Kraft des Gesetzes anwendet“, verspricht Schapiro.

„Aggregator Bank“ statt Bad Bank

Von mindestens ebenso großem Interesse für Wall Street dürften die Pläne von Finanzminister Tim Geithner zur Rettung des Finanzsystems sein. Offiziell wird Geithner diese zwar frühestens an diesem Montag skizzieren. Am Wochenende aber ist schon durchgesickert, dass es wohl doch keine staatliche Bad Bank geben soll, die für viel Geld faule Kredite und „giftige“ Wertpapiere übernimmt. Stattdessen könnte dies eine im Wesentlichen aus privaten Mitteln finanzierte „Aggregator Bank“ tun, die lediglich eine Anschubfinanzierung der Regierung erhält. Auch an weitere Kapitalspritzen ist gedacht, allerdings unter verschärften Bedingungen als bisher. Eine zentrale Rolle in den Überlegungen spielt die amerikanische Notenbank (Fed). Gedacht ist offenbar an eine Ausweitung der Finanzierungshilfe für jene Investoren, die Anleihen kaufen wollen, die mit Forderungen aus verschiedenen Konsumentendarlehen abgesichert sind, von Auto- über Studien- bis zu Kreditkartendarlehen.

Große Hoffnungen setzen die Börsianer in aller Welt nicht nur auf die Rettungsmaßnahmen für das Finanzsystem, sondern nicht zuletzt auch auf die milliardenschweren Konjunkturpakete, die allerorten geschnürt werden. Jedenfalls schlug sich zum Ende der vergangenen Handelswoche die Erwartung, dass das Gerangel in Washington um ein rund 800 Milliarden Dollar teures Steuersenkungs- und Investitionsprogramm bald ein Ende haben wird, in kräftigen Kursgewinnen nieder. Der Dow Jones legte 2,7 Prozent zu und zog sogar andere Börsenbarometer wie den Deutschen Aktienindex Dax mit, der ein Plus von knapp 3 Prozent verbuchte. Die düsteren Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt, wo im Januar fast 600.000 Menschen ihren Job verloren haben, belasteten die Stimmung nicht. Im Gegenteil: Die Zahlen wurden als Mahnung an die Akteure in Washington aufgefasst, ihre Meinungsverschiedenheiten nun rasch zu überwinden.

Nicht mehr nur Verzweiflung

Dass auf den Märkten nicht mehr nur Verzweiflung herrscht, sondern dass es auch Lichtblicke gibt, hat Caterpillar in diesen Tagen bewiesen: Der weltgrößte Hersteller von Baggern und anderem Baustellengerät hat erfolgreich mehrere Anleihen im Volumen von insgesamt 3 Milliarden Dollar platziert. Das Geld wird zusammen mit bestehenden Kreditzusagen und der Barreserve des Unternehmens helfen, fällige Verbindlichkeiten von rund 14 Milliarden Dollar in den nächsten zwölf Monaten zu erfüllen. Die beiden Rating-Agenturen Moody's und Fitch haben zwar kürzlich die Bonitätseinstufung von Caterpillar herabgesetzt; gleichwohl betrug der Zinsaufschlag der drei-, fünf- und zehnjährigen Papiere gegenüber den vergleichbaren Staatsanleihen zwischen 425 und 437 Basispunkte, rund ein Prozentpunkt weniger als bei der vorangegangenen Emission im Dezember.

Derweil rechnet eine Reihe von Bankvolkswirten und Marktteilnehmern damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Geldhahn in einigen Wochen noch weiter aufdrehen und den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 1,5 Prozent senken wird. So jedenfalls wurden Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gedeutet, der nach der Ratssitzung sagte, das aktuelle Niveau von 2 Prozent müsse nicht das Ende der Fahnenstange sein. Trichet bekräftigte gleichwohl auch die Auffassung, dass ein Leitzins von null Prozent, so wie ihn die Fed gesetzt hat, für den Euro-Raum nicht in Frage komme. Bis zum Treffen der europäischen Währungshüter Anfang März liegt auch die neue Konjunkturprognose für dieses Jahr vor, die nach einhelliger Auffassung deutlich nach unten weisen wird.

Miserable Wirtschaftslage und Zinsspekulationen

Nur wenig Anlass zur Beruhigung gibt die jüngste Umfrage der EZB unter Banken des gemeinsamen Währungsraums zu deren Kreditvergabe. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Banken gaben an, die Bedingungen für die Kreditvergabe an Unternehmen im vierten Quartal 2008 verschärft zu haben. Als Grund nannten sie zunehmend trübere Wirtschaftsaussichten. Und die Rezession schlägt sich inzwischen auch auf der Nachfrageseite deutlich nieder: 40 Prozent der Institute berichteten von einem spürbaren Rückgang der Nachfrage nach Unternehmensdarlehen, 14 Prozentpunkte mehr als in der Umfrage vom Oktober. Einziger Lichtblick: die meisten Kreditinstitute haben nicht die Absicht, die Voraussetzung für die Gewährung von Darlehen an Unternehmen und Haushalte in diesem Quartal noch weiter zu verschärfen.

Am Außenwert des Euro gehen die miserable Wirtschaftslage und die Zinsspekulationen nicht spurlos vorüber. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung nun rund 10 Cent zum Dollar auf Kurse von weniger als 1,30 Dollar je Euro nachgegeben. Währungsstrategen tun sich gleichwohl schwer damit, Prognosen für die kommenden Wochen, geschweige denn Monate aufzustellen. Denn auf der einen Seite profitiert der Dollar als mutmaßlich „sicherer Hafen“ von der Risikoscheu vieler Investoren und von Repatriierungen amerikanischer Unternehmen. Auf der anderen Seite pumpt die Fed ungleich mehr frische Dollar in den Wirtschaftskreislauf als die EZB Euro. Das zusätzliche Dollar-Angebot birgt erhebliche Inflationsgefahren in der mittleren und langen Frist. Dem Dollar könnte das eines Tages zu schaffen machen.

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