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Internationaler Finanzmarkt Dreiklang der großen Zentralbanken endet

06.03.2010 ·  Fed und EZB nähern sich dem Ende ihrer expansiven Geldpolitik. Die Bank von Japan jedoch erwägt eine weitere Lockerung der Geldpolitik zur Abwehr der Deflation. Für den Rest der Welt erwarten Analysten indes Inflationsrisiken.

Von Patrick Welter, Washington
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Während die amerikanische Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) sich schrittweise dem Ende ihrer expansiven Geldpolitik nähern, erwägt die Bank von Japan offenbar eine Ausweitung. Japanische Zeitungen berichteten am Freitag, die Zentralbank wolle auf ihrer Sitzung Mitte März neue Sondermaßnahmen diskutieren, um mehr Liquidität in die Wirtschaft zu pumpen. Eine Entscheidung werde aber wohl erst im April fallen, hieß es in der Wirtschaftszeitung Nikkei. Die Anleger nahmen die Nachricht sehr positiv auf, und der Nikkei-225-Index gewann am Freitag 2,2 Prozent an Wert.

Der Yen verlor gegenüber dem Dollar und rutschte nach Börsenschluss in Tokio weiter ab, nachdem unerwartet gute Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung geschürt hatten. Die Arbeitslosenquote blieb in den Vereinigten Staaten trotz der Schneestürme im Februar unverändert bei 9,7 Prozent; die Zahl der Entlassungen fiel mit 36.000 spürbar geringer aus als von Analysten erwartet. Den Aktienmärkten in den Vereinigten Staaten und in Europa gab dies zum Wochenausklang einen spürbaren Schub. Auch der Ölpreis stieg in der Erwartung einer kräftigeren Nachfrage an. Fed und EZB dürften sich durch die Arbeitsmarktdaten in ihrer schrittweisen Rücknahme der Sondermaßnahmen bestätigt sehen, die auf mittlere Sicht auch höhere Leitzinssätze ankündigt.

Furcht vor zu starkem Yen und andauernder Deflation

Die Bank von Japan aber schert aus dem zuvor harmonischen interkontinentalen Dreiklang zunehmend aus. Hatte die Bank zunächst im Herbst begonnen, von den Geschäftsbanken kaum noch genutzte Sondergeschäfte zur Liquiditätsversorgung einzustellen, überraschte sie im Dezember mit einer neuen, über jeweils drei Monate laufenden Geldleihe, mit der die Bank insgesamt weitere 10 Billionen Yen in die Wirtschaft drückt. Dieses Volumen ist nun fast erreicht, und die Bank erwägt nach den Medienberichten eine Ausweitung der Sonderfazilität.

Dahinter stehen die Furcht vor einem zu starken Yen und einer länger andauernden Deflation. Die Inflationserwartungen der Verbraucher scheinen nicht mehr so stabil verankert zu sein wie zuvor; die seit Monaten medial geführte Debatte über Deflationsgefahren zeigt ihre Wirkung. Der Abwärtsdruck auf das Preisniveau wird angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung noch längere Zeit andauern.

Die Bank von Japan steht dabei unter zunehmendem Druck der Regierung in Tokio, noch mehr für die Bekämpfung der Deflation zu tun. Der finanzpolitische Spielraum ist wegen des Rekorddefizits von 44,3 Billionen Yen im Haushaltsplan für das im April beginnende Fiskaljahr erschöpft.

Anleger erwarten lockere Geldpolitik

Ähnlicher politischer Druck, wenn auch nicht aus Angst vor einem Fall des Preisniveaus, dürfte sich in den kommenden Monaten auf die Fed und die EZB aufbauen. Dies erwarten zumindest manche Analysten. Griechenland hat zwar in der vergangenen Woche mit der Verschärfung des Sparkurses und der erfolgreichen Plazierung einer Anleihe Sorgen an den Finanzmärkten über einen Staatsbankrott zumindest vorerst gedämpft. Die Weltwirtschaft aber schulde Griechenland einen Gefallen, argumentiert Tim Bond von Barclays Capital in einem Kapitalmarktbericht. Der Fall Athens habe das Augenmerk an den Anleihemärkten und in der Bevölkerung auf die hohe Staatsschuld auch in anderen Ländern gelenkt.

Im Endergebnis erwartet Bond für die kommenden Jahre eine strengere Finanzpolitik, die stärker auf den Abbau der Haushaltsdefizite fokussiere. Er argumentiert gegen die Vermutung, dass damit das Wirtschaftswachstum zurückgedrängt werde. Erfolgreiche Etatsanierungen gelängen in der Regel über fiskalische Zurückhaltung, verbunden mit einem höheren nominalen Wirtschaftswachstum. Diese Notwendigkeit werde eine lockerere Geldpolitik erzwingen, schreibt Bond. Die Anleger an den Kapitalmärkten hätten dies schon verstanden. Seit vergangenem Oktober seien die Renditen auf zweijährige Staatsanleihen im Euro-Raum im Gleichklang mit dem Außenwert des Euro gesunken. Bond sieht darin keine spekulative Attacke auf den Euro oder zunehmendes Misstrauen in den Bestand der Währungsunion, sondern das Signal, dass die Anleger für die kommenden Jahre als Folge der griechischen Unruhen eine lockerere Geldpolitik als zuvor erwarteten.

Warnung vor steigenden Inflationsrisiken ab 2011

Analoge Entwicklungen sieht der Analyst auch für das Vereinigte Königreich und für die Vereinigten Staaten voraus. Der gleichzeitige globale Abwertungsdruck auf Dollar, Euro und Pfund werde sich dadurch auflösen, dass die Währungen der asiatischen Schwellenländer, die schon jetzt deutlich schneller aus der Wirtschaftskrise herausfinden als die Industriestaaten, aufwerteten. Besonderer Anpassungsbedarf besteht nach der Analyse dabei für Dollar und Euro; im Gegensatz zu diesen hat der handelsgewichtete Wechselkurs des Pfunds sich seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 schon spürbar abgeschwächt.

Mit der Warnung vor Inflationsrisiken auf mittlere Sicht, etwa vom Jahr 2011 an, steht Barclays Capital nicht allein da. Auch die europäischen Ökonomen von Morgan Stanley argumentieren unter dem Schlagwort „Debtflation“, dass die staatliche Schuldenausweitung in der Finanzkrise in den kommenden Jahren durch höhere Inflation abgebaut werden wird. Man muss die Meinung nicht teilen, dass die Zentralbanken politischem Druck nachgeben würden. Aber auch unabhängig davon sind die Inflationsrisiken gestiegen, nicht nur wegen der enormen Ausweitung der Liquidität. Auch die direkte oder indirekte Koppelung der Währungen vieler Schwellenländer an den Dollar droht dort, Überhitzungen und Inflationsdruck hervorzurufen, der über höhere Rohstoffpreise auf die Industriestaaten übergreifen kann.

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