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Internationaler Finanzmarkt Die Wall Street setzt neue Kräfte frei

06.12.2009 ·  Plötzlich gewinnt der Dollar an Stärke, und die Aktienindizes in Amerika klettern auf neue Jahreshochs. Ausgelöst hat die positive Stimmung für die Vereinigten Staaten ein überraschender Rückgang der Arbeitslosenquote.

Von Hanno Mußler
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Am Freitagmittag steckte einigen Anlegern noch der Dubai-Schock in den Knochen. Doch dann hielt der am Nachmittag veröffentlichte amerikanische Arbeitsmarktbericht so viele faustdicke Überraschungen bereit, dass sich kurz vor dem Wochenende neue Marktkräfte entfalteten. „Kauf Amerika“, hieß es plötzlich. Gerade amerikanische Anleger hatten mit ihren ins Ausland transferierten Anlagegeldern in diesem Jahr maßgeblich zur Hausse an den Aktienbörsen der Schwellenländer wie China und Brasilien beigetragen und heimische Werte eher gemieden.

Nun stehen auch die amerikanischen Aktienindizes S&P 500, Dow Jones und Nasdaq auf Jahreshöchstständen. 22 Prozent hat der S&P 500 in diesem Jahr zugelegt, die Technologieaktien der Nasdaq sogar fast 50 Prozent. Und der Dollar, der in den vergangenen zwölf Monaten zum Euro 15 Prozent und zu Schwellenländerwährungen wie dem brasilianischen Real sogar 40 Prozent abgewertet hat, schöpft neue Kraft. Nachdem der Euro noch am Donnerstag mehr als 1,51 Dollar gekostet hatte, wertete der Dollar bis Freitagabend kräftig auf Kurse von 1,48 Dollar je Euro auf. Gut möglich, dass die Anleger, die sich nach diesem aufregenden Jahr an den Finanzmärkten eigentlich für den Rest des Jahres ausruhen wollen, sich noch einmal aufraffen müssen, wenn sie nicht bis Jahresende viele Chancen verpassen wollen.

Rückgang der Arbeitslosenquote

Ausgelöst hat die positive Stimmung für die Vereinigten Staaten ein überraschender Rückgang der Arbeitslosenquote. Sie verbesserte sich von 10,2 Prozent, einem 26-Jahres-Hoch, auf glatt 10 Prozent. Ausschlaggebend dafür war zum einen, dass im November nur 11.000 Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Das sind deutlich weniger als die von der Fachwelt erwarteten 125.000 und so wenige wie zuletzt zur Jahresmitte 2007, als die Finanzkrise ausbrach. Zum anderen wurde die Zahl der Beschäftigten für die beiden Vormonate um 159.000 korrigiert – die stärkste Aufwärtsrevision seit August 2000. Als ermutigend für die Konjunktur werteten Analysten auch, dass die amerikanischen Unternehmen im November höhere Stundenlöhne zahlten und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Amerikaner zunahm.

Das Zeichen unerwarteter wirtschaftlicher Robustheit kommt für den amerikanischen Staat zu einem günstigen Zeitpunkt. In dieser Woche will das Schatzamt in Washington Staatsanleihen im Wert von 74 Milliarden Dollar an die Anleger verkaufen. Bei den letzten Versteigerungen war die Nachfrage nicht überwältigend gewesen. Das ist kein Wunder angesichts der hohen Schuldenlast des Staates und der bisherigen Abwertungsneigung des Dollar. Wohl auch wegen des abermals anstehenden Angebots neuer Staatsanleihen profitierten Anleihen am Freitag nicht von der „Kauf-Amerika-Stimmung“. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen mit dreißig und mit zehn Jahren Laufzeiten legten vielmehr leicht von 4,30 auf 4,40 und von 3,3 auf 3,5 Prozent zu.

Die EZB hält den Zins variabel

Für die Hausse an den Aktienmärkten entscheidend ist das von den Notenbanken zu günstigsten Konditionen bereitgestellte Geld. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nun erste vorsichtige Signale gesetzt für ein Ende der außerordentlichen Geldpolitik. So gestaltet die EZB den letzten Zwölf-Monats-Tender am 16. Dezember auf den ersten Blick überraschend unattraktiv. Die EZB hält den Zins variabel, indem sie ihn an spätere Hauptrefinanzierungsgeschäfte bindet. Damit können sich die Banken nicht sicher sein, dass sie das Geld für ein Jahr zum derzeit geltenden Leitzins von 1 Prozent bekommen. Mit Erleichterung aber wurden zwei Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet aufgenommen. Mehrmals betonte Trichet, er kündige keine Zinserhöhung für 2010 an. Auch sei nicht Ziel der EZB, den Eonia-Satz für Tagesgeld von seinem derzeit niedrigen Niveau von 0,35 Prozent nach oben zu treiben. Nach Trichets Pressekonferenz am Donnerstag und der Aussicht auf Geld zu 1 Prozent mindestens bis Anfang April kletterten einige europäische Aktienindizes wie der Schweizer SMI und der deutsche Technologiewerteindex Tec-Dax auf Jahreshochs.

Mit am kräftigsten ging es am japanischen Aktienmarkt aufwärts, wo der Nikkei-Index im Wochenverlauf 10 Prozent zulegte und auf mehr als 10 000 Punkte stieg. Die japanische Notenbank, die bisher den Rückfall in eine deflationäre Abwärtsspirale als gering angesehen hatte, vollzog Anfang der Woche eine Wende. Im Gegensatz zur EZB weitete sie die Liquiditätsversorgung noch um 10 Billionen Yen (75 Milliarden Euro) aus. Diesen Betrag können sich die Banken zum Leitzinssatz von 0,1 Prozent leihen.

Anleihen aus Dubai haben sich leicht erholt

Anders als die Anleger am Aktienmarkt haben die Akteure an den Anleihemärkten den Dubai-Schock noch nicht ganz abgeschüttelt. Wenig überraschend haben sich Anleihen aus dem Emirat Dubai nur leicht davon erholt, dass die Gesellschaft Dubai World für eine am 14. Dezember fällige Anleihe im Volumen von 3,5 Milliarden Dollar um Zahlungsaufschub für sechs Monate „gebeten“ hat. Diese „Nakheel“-Anleihe wird derzeit zu Kursen von 61 Prozent gehandelt. Geht doch noch alles gut, wird sie mit 100 zurückgezahlt. Nur wenige Anleger glauben offenbar daran. Geringer ist der Kursabschlag einer „Sukuk“-Anleihe des Emirats Dubai mit Laufzeit bis März 2014 und einem Kupon von 6,4 Prozent. Sie wird mit 91 Prozent notiert.

Auch am Markt für Bankschuldverschreibungen unterscheiden die Anleger nach dem schwachen Jahresanfang und der Markterholung bis September jetzt wieder stärker zwischen den Adressen. Die viertgrößte italienische Bank, die zur Volksbanken-Gruppe gehörende Ubi, bietet für eine gedeckte Schuldverschreibung mit zehn Jahren Laufzeit einen Kupon von 4 Prozent. Die Nachfrage nach der angebotenen 1 Milliarde Euro verläuft dem Vernehmen nach schleppend. Dagegen zog die erste ungedeckte Anleihe der japanischen Bank Nomura seit Oktober 2007 eine Nachfrage von 4 Milliarden Euro auf sich. Nomura nahm schließlich 1 Milliarde Euro – doppelt so viel wie geplant – für fünf Jahre auf und musste einen als niedrig angesehenen Renditeaufschlag von 250 Basispunkten auf den Zinssatz Mid-Swap bieten.

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