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Sonntag, 19. Februar 2012
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Internationaler Finanzmarkt Die nächste Runde im Schuldenpoker

14.03.2010 ·  Zwar erhält das griechische Sparpaket voraussichtlich den Segen Europas, doch das Thema dürfte noch für längere Zeit die Börsen beeinflussen. Den Märkten stehen weitere Turbulenzen bevor. Das Risiko von Marktverwerfungen bleibt hoch.

Von Stefan Ruhkamp
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Wenn sich Europas Finanzminister am Montag und Dienstag in Brüssel treffen, geht der Nervenkrieg um Griechenlands Schulden in die nächste Runde. Auf der Tagesordnung steht die Zustimmung zum griechischen Sparpaket. Das könnte man als Formalie abtun, da die Kommission es schon abgenickt hat. Aber in der Schuldenkrise kommt es auf die Zwischentöne an. Obendrein wird es in Brüssel aller Voraussicht nach auch um den Vorschlag des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble gehen, der einen Europäischen Währungsfonds ins Gespräch gebracht hat, um finanziell in Not geratene Euro-Mitglieder stützen zu können.

Seit Wochen versuchen die Politiker der finanzstarken Länder, die Balance zu halten. Einerseits signalisieren sie auf den Märkten, dass eine Spekulation gegen den Euro und gegen die griechische Zahlungsfähigkeit für die Spekulanten schmerzhaft enden kann. Dafür müssen sie den Willen, Griechenland in letzter Konsequenz zu helfen, glaubhaft machen. Das ist in den vergangenen Wochen gelungen, denn der Risikozinsaufschlag für griechische Anleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen hat sich spürbar verringert. Auf dem im Januar erreichten Rekordhoch betrug der Zinsabstand für Titel mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren fast 4 Prozentpunkte. Inzwischen ist dieser Wert auf 3,06 Prozentpunkte gefallen, und Griechenland konnte sich auf dem Anleihemarkt 5 Milliarden Euro beschaffen. Andererseits darf die Absicht zur Stützung aber nicht klar ausgesprochen und garantiert werden. Denn dann drohten Fehlanreize, die den Sparwillen der Schuldenländer schwächen könnten. Ganz zu schweigen davon, dass solche Garantien ein Verstoß gegen die europäischen Verträge wären.

Das Risiko von Marktverwerfungen bleibt hoch

Möglicherweise ist auch die von Schäuble angestoßene Diskussion um einen Europäischen Währungsfonds – oder genauer gesagt einen Europäischen Schuldenfonds – in diesem Zusammenhang zu verstehen. Der Fonds könnte ohnehin erst in einigen Jahren seine Funktion erfüllen – viel zu spät, um Griechenland in seiner akuten Krise zu stabilisieren. Doch schon heute wird der politische Wille zur Stabilisierung von Schuldenländern auf Kosten der Gemeinschaft in der Hoffnung demonstriert, damit die Märkte zu beruhigen.

Die jüngste Erholung des Euro, dessen Außenwert von knapp 1,35 auf 1,37 Dollar gestiegen ist, dürfte allerdings nicht auf das Konto solcher taktischen Spielchen gehen. Die Risikoscheu der Anleger hat sich zuletzt auf den Kapitalmärkten beruhigt. Das führt regelmäßig zu Verlusten des Dollar, weil er in der Finanzkrise immer noch die beliebteste Fluchtwährung darstellt. Wenn sich die Anleger wie zuletzt also wieder mehr zutrauen, schwindet die Nachfrage nach Dollar, und der Euro profitiert.

Griechenland dürfte noch für längere Zeit die Börsen beeinflussen, denn die Finanzierung des griechischen Haushaltslochs ist für dieses Jahr immer noch nicht gesichert. Besonders spannend wird es im April und Mai. Dann müssen 16,7 Milliarden Euro für die Tilgung von Anleihen und 3,9 Milliarden Euro für die Rückzahlung kurzfristiger Titel aufgebracht werden. Hinzu kommen die neuen Schulden. Das Defizit beträgt im gesamten Jahr 2010 etwa 22 Milliarden Euro. Für die ersten fünf Monate des Jahres sind es also überschlägig gerechnet etwa 9 Milliarden Euro.

Gewinnwachstum von fast 50 Prozent

Finanziert werden müssen also bis Ende Mai etwa 29 Milliarden Euro. Bislang hat Griechenland nach Zählung der Citigroup in diesem Jahr mit der Emission von Anleihen 13 Milliarden Euro und mit der Begebung von kurzlaufenden Titeln 3,5 Milliarden Euro eingenommen. Es fehlen also noch rund 12,5 Milliarden Euro, was immerhin 5 Prozent der jährlichen griechischen Wirtschaftsleistung entspricht. Das Risiko von Marktverwerfungen bleibt hoch, zumal in Griechenland der Widerstand gegen die Sparprogramme wächst.

Auf den Aktienmärkten hat sich zuletzt die Stimmung weiter gebessert. Im Vergleich zum Jahrestief hat sich der deutsche Aktienindex Dax um bald 10 Prozent erholt und nähert sich wieder der Marke von 6000 Punkten. Ein Grund ist die relative Ruhe in der Schuldenkrise, ein anderer die unerwartet guten Unternehmenszahlen. Inzwischen haben fast alle großen deutschen Unternehmen ihr vorläufiges Jahresergebnis veröffentlicht. Endgültige Geschäftszahlen wird es in der kommenden Woche unter anderem von der Deutschen Bank, der Postbank, BMW und Linde geben.

Im vierten Quartal haben die im Dax vertretenen Gesellschaften nach Zählung der DZ Bank die Ertragserwartungen im Durchschnitt um immerhin 10 Prozent übertroffen. Für 2010 wird ein Gewinnwachstum von fast 50 Prozent erwartet. Allerdings ist der Maßstab das Krisenjahr 2009 – das Jahr mit der schlechtesten wirtschaftlichen Entwicklung seit acht Jahrzehnten.

Keine Erhöhung der Leitzinsen

Immerhin können die Investoren noch für längere Zeit mit niedrigen Leitzinsen rechnen. In der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank keine Hinweise auf eine baldige Zinswende gegeben. Die sehr vorsichtige Rückführung ihrer Liquiditätshilfen für die Banken deutet darauf hin, dass es in diesem Jahr keine Erhöhung der Leitzinsen geben wird. Hinweise, ob das auch für die amerikanische Notenbank (Fed) gilt, könnte der Kommentar zur Zinsentscheidung am Dienstag geben. Der Leitzins dürfte unverändert in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent bleiben.

Die meisten Beobachter erwarten, dass die Fed in der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage weiterhin vorsichtig bleiben wird, was das Risiko von steigenden Leitzinsen vorerst zum Randthema machen dürfte. Dafür spricht unter anderem die immer noch niedrige Kapazitätsauslastung von etwa 72,6 Prozent – neue Daten werden am Montag veröffentlicht. Auch die Beschäftigung ist weiterhin rückläufig. Seit Anfang 2009 sind rund 5 Millionen Stellen in Amerika verlorengegangen. Beides trägt dazu bei, dass Inflation in Amerika derzeit kein Thema ist.

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