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Internationaler Finanzmarkt Der Shibor-Schock bewegt die Märkte

Die Zentralbanken in Peking und Washington sorgen für Kursverluste bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Die Zweifel der Märkte an den wirtschaftlichen Perspektiven in China haben zugenommen.

© dpa Das Hauptquartier der chinesischen Zentralbank in Peking

Bis vor wenigen Tagen hätte der Name „Shibor“ vielleicht am ehesten an die Bezeichnungen extraterrestrischer Superintelligenzen in der Science-Fiction-Literatur erinnert. Auf dem Planeten Erde steht Shibor für „Shanghai Interbank Offered Rate“. Es handelt sich um einen Geldmarktzins, der angibt, zu welchen Sätzen 18 in China tätige Banken sich kurzfristig Geld leihen würden. Der Shibor für kurzfristige Kredite über Nacht war im Verlauf der vergangenen Woche außergewöhnlich stark gestiegen.

Gerald Braunberger Folgen:

Am Donnerstag hatte er einen Stand von rund 13,5 Prozent erreicht, worauf Spekulationen über bevorstehende Zahlungsnöte chinesischer Banken die ohnehin nervösen internationalen Finanzmärkte zusätzlich verunsicherten. Durch die Bereitstellung zusätzlichen Geldes sorgte die chinesische Notenbank zum Wochenende zwar für einen Rückgang des Zinssatzes auf 8,5 Prozent.

Aber erstens liegt auch dieser Zinssatz im historischen Vergleich immer noch sehr hoch, und zweitens ist der Schaden nun unwiderruflich da: Die Zweifel der Märkte an den chinesischen wirtschaftlichen Perspektiven haben, gestützt auch durch einen Rückgang eines vielbeachteten Konjunkturindikators, zugenommen. Dabei hatten die Märkte bereits die Nachricht zu verdauen, dass die amerikanische Notenbank daran denkt, im Laufe der kommenden Monate ihre Anleihenkäufe zu reduzieren.

Ein „reinigendes Gewitter“

Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen ist innerhalb eines Monats von 1,6 auf 2,4 Prozent gestiegen. Der Dax fiel kurz vor seinem 25. Geburtstag unter 8.000 Punkte. Geradezu verhauen wurden die Preise für Edelmetalle: Eine Feinunze (31 Gramm) Gold kostet erstmals seit dem Frühjahr 2011 wieder weniger als 1.000 Euro. Handelt es sich um eine nur vorübergehende und gesunde Korrektur an heiß gelaufenen Märkten oder um eine Zeitenwende? Die Ansichten gehen auseinander, und viele Marktteilnehmer sähen es wohl gerne, wenn sich die aktuelle Unsicherheit nur als eine vorübergehende Korrektur einer zu großen Euphorie herausstellen sollte.

Eine solche Einschätzung findet sich im aktuellen Kapitalmarktbericht der Helaba. Dort ist von einem „reinigenden Gewitter“ die Rede, das der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke ausgelöst habe. Die Annahme einer allmählichen Reduzierung der Anleihenkäufe durch die Fed sei nunmehr eingepreist. Das war es dann aber auch: „Die Sorge vor einer raschen Zinswende ist unseres Erachtens übertrieben, so dass sich die Lage tendenziell etwas entspannen dürfte.“ Am deutschen Rentenmarkt sieht die Helaba im zweiten Halbjahr zwar nur geringe Aussichten auf Kursgewinne. Aber sie empfiehlt, die durchschnittliche Laufzeit von Anleihenportfolios etwas zu verlängern, und rät besonders zu vier- und fünfjährigen Pfandbriefen.

Infografik / KW 25 / Gewinner und Verlierer im Dax © F.A.Z. Vergrößern

Es existiert aber auch die Vorstellung, dass sich in diesen Tagen mehr anbahnt als nur eine Korrektur innerhalb alter Trends. Nach Ansicht von Morgan Stanley sorgen bessere Aussichten auf Wirtschaftswachstum bei weiterhin niedrigen Inflationsraten für eine steilere amerikanische Renditestrukturkurve - die Fed dürfte den kurzfristigen Leitzins noch lange niedrig halten, aber die langfristigen Anleiherenditen steigen.

Dies sollte am Devisenmarkt tendenziell den Dollar stärken. Besonders unter Abwertungsdruck sehen die Analysten von Morgan Stanley Währungen aus Schwellenländern, die Leistungsbilanzdefizite ausweisen und auf ausländische Kapitalimporte angewiesen sind, sowie Währungen rohstoffreicher Länder wie den australischen und den neuseeländischen Dollar. In einem Marktkommentar des amerikanischen Wertpapierdienstleisters und Vermögensverwalters BNY Mellon werden die jüngsten Ankündigungen Bernankes als „historischer Moment“ bezeichnet.

Rohstoffanleger erleben schwierige Zeiten

Besonders unter Beobachtung stehen die Märkte in den Schwellenländern, aus denen offenbar Kapital abgezogen wird. Im Rückgang vieler Rohstoffpreise spiegelt sich die Erwartung wider, dass China und andere Schwellenländer ihr Wachstumstempo der vergangenen Jahre auf Dauer nicht durchhalten werden. Nicht nur die Ratingagentur Moody’s betrachtet misstrauisch die finanzielle Lage von Gebietskörperschaften und Regionalbanken in China. Mit der nachlassenden Begeisterung für die Schwellenländer erleben auch die Freunde von Anlagen in Rohstoffen und Edelmetallen schwierige Zeiten.

Ihr Problem hat auf einprägsame Weise der amerikanische Vermögensverwalter Richard Bernstein in einem Gespräch mit der amerikanischen Zeitschrift „Barron’s“ beschrieben: „Ich finde es erstaunlich, dass es Leute gibt, die der Ansicht sind, dass aus den globalen Blasen an den Kreditmärkten Luft entweichen muss und diese Leute dann in kreditempfindliche Anlagen wie Energie, Rohstoffe und Gold investieren wollen. Das hat nicht viel Sinn.“ Die Bestände des SPDR Gold Trust, des größten privaten Goldfonds der Welt, sind in der vergangenen Woche erstmals seit vier Jahren unter 1000 Tonnen gefallen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.06.2013, 18:11 Uhr


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