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Internationaler Finanzmarkt Den Investoren fehlt die Kauflaune

 ·  Die Konjunktur fasst Tritt, aber die Anleger halten sich vorerst zurück. Das Umfeld bleibt schwierig. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

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Durchwachsene Quartalszahlen der Unternehmen und die Angst vor einer gedrosselten Liquiditätsflut der Notenbanken haben in den vergangenen Wochen die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten gedrückt. Doch die Aussicht auf geringere Anleihekäufe durch die amerikanische Federal Reserve scheint an Schrecken zu verlieren. Einer Umfrage der Ratingagentur Fitch zufolge halten 68 Prozent der institutionellen Investoren das Risiko einer geringeren Liquiditätsflut der Notenbank zwar für hoch, aber fast drei Viertel rechnen mit einem sanften Ausstieg.

Dieser dürfte dann weder Konjunktur noch Finanzmärkte belasten. Dass die zurückliegende Handelswoche zumindest versöhnlich endete, war der chinesischen Konjunktur zu verdanken. Die Zahlen zu Außenhandel sowie Industrieproduktion signalisierten den Investoren eine weiterhin lebhafte Konjunktur und linderten die Sorgen über einen Wachstumseinbruch in der zweitgrößten Volkswirtschaft in der Welt. Doch ein Anstieg der Wachstumsraten in den zweistelligen Prozentbereich - in vergangenen Jahren wuchs Chinas Wirtschaft zum Teil mit mehr als 10 Prozent - ist unvorstellbar.

Gute Kursentwicklungen

Die Analystin der schwedischen Bank Nordea, Annika Lindblad, ist eher dazu geneigt, ihre Wachstumsprognose von 7,8 Prozent für das laufende Jahr nach unten zu korrigieren. Ihrer Ansicht nach dürfte aber Chinas Wirtschaft von der sich abzeichnenden Konjunkturerholung in den Vereinigten Staaten und im Euroraum profitieren. In Kontinentaleuropa steigt die Hoffnung, dass Italien und Spanien im zweiten Halbjahr die Schrumpfung ihrer Wirtschaft beenden können. Ein Gradmesser dafür ist die wachsende Nachfrage nach Staatsanleihen dieser Länder.

Commerzbank-Analyst Michael Leister rechnet auch in den kommenden Wochen mit einer guten Kursentwicklung und damit verbunden rückläufigen Renditen. Dafür spricht, dass das Angebot vorerst knapp bleibt. Denn beide Länder werden erst wieder Ende August neue Anleihen begeben. Zudem sind sowohl Italien als auch Spanien in einer entspannten Situation. Denn laut Leister haben sie ihren Emissionsbedarf in diesem Jahr schon zu jeweils 75 Prozent abgedeckt. Derzeit bewertet der Anleihemarkt zehnjährige Staatsanleihen Italiens mit einer Rendite von 4,16 Prozent.

Das entspricht einem Rückgang seit Jahresanfang von 0,2 Prozentpunkten. Zwar liegt die Rendite Spaniens mit 4,5 Prozent höher, aber sie ist seit Jahresanfang um 0,6 Prozentpunkte gesunken. Für Leister stellt die italienische Innenpolitik das größte Risiko dar. Nach der Verurteilung des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi droht dessen Partei „Volk der Freiheit“ dem Koalitionspartner, der Demokratischen Partei, mit Neuwahlen. Leister hält diese Gefahr aber kurzfristig für überschaubar, weil beide Parteien starke Anreize hätten, Neuwahlen zu verhindern.

Zudem seien die Kurse italienischer Anleihen nach dem Berlusconi-Urteil sogar gestiegen, fügt er hinzu. Dagegen scheint die politische Lage in Spanien stabiler zu sein, denn Ministerpräsident Mariano Rajoy dürfte die Schwarzgeldaffäre seiner konservativen Volkspartei unbeschadet überstehen. Die Nordea-Analysten machen in der zu Ende gehenden Urlaubszeit „erste Anzeichen der Zuversicht“ aus. Ein Signal ihrer Stärke sendete in dieser Woche die deutsche Volkswirtschaft. Die Industrieproduktion im Juni stieg gegenüber Mai um 2,4 Prozent und damit so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Am Mittwoch wird die erste Schätzung zum deutschen Wachstum im zweiten Quartal veröffentlicht.

Mit einem Wachstum gegenüber der ersten Dreimonatsperiode von 0,8 Prozent rechnet Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. Im ersten Quartal hatte es nur zu einem mageren Wachstum von 0,1 Prozent gereicht. Für die Analysten der Privatbank M.M. Warburg dürften im zweiten Halbjahr die konjunkturellen Belastungsfaktoren nach und nach in den Hintergrund treten. Daraus schließen sie, dass die Erwartungen für die Unternehmensgewinne steigen dürften und der deutsche Aktienindex Dax Potential für einen Anstieg auf 9000 Punkte hat. Sie halten deutsche Aktien für attraktiv und weitere Kursgewinne in den kommenden Monaten für wahrscheinlich. Doch es gibt noch Unsicherheitsfaktoren.

So fasst die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone nicht Tritt. Die französische Industrieproduktion sank im Juni gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent. Sollte sich die Rezession dort fortsetzen, hätte dies auch dämpfende Effekte auf Deutschland. Denn Frankreich ist der wichtigste Handelspartner.In der zweiten Wochenhälfte werden die Investoren auf die amerikanischen Konjunkturdaten blicken. Vor allem die Juli-Zahlen zu den amerikanischen Verbraucherpreisen, die am Donnerstag veröffentlicht werden, stehen im Blickpunkt. Denn eine weiterhin geringe Inflation gibt der Notenbank Spielraum, ihre Anleihekäufe etwas später zu drosseln.

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