25.05.2010 · Mit ihrem Milliarden schweren Rettungspaket wollten die Euroländer dem Finanzakteuren Stärke und Stabilität demonstrieren. Doch die Wirkung auf die Märkte ist bereits wieder verflogen. Die Nervosität nicht.
Von Stefan RuhkampKeine zwei Wochen nachdem die Regierungen der Euro-Länder, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds ihr zweites Stabilisierungsprogramm auf den Weg gebracht haben, ist die Wirkung auf die Märkte in weiten Teilen schon wieder verflogen. Zum ersten Hilfsprogramm für Griechenland, das sich auf 110 Milliarden Euro summiert, kommen weitere Stützungen im Gesamtwert von 750 Milliarden Euro, um ein Übergreifen auf andere Schuldenländer zu verhindern. Obendrein kauft die EZB in potentiell unbegrenzter Höhe private und staatliche Anleihen. Trotzdem ist die Verunsicherung auf den Märkten groß, was sich in dieser Woche fortsetzen dürfte.
Den Grad der Nervosität zeigen einige Risikoindikatoren, die schon wieder das Niveau erreicht haben, auf dem sie unmittelbar vor dem Beschluss des neuen Rettungspakets standen. So stieg zum Beispiel der Itraxx-Crossover – ein Index, der die Kosten der Ausfallversicherungen für 50 finanzschwache europäische Unternehmen misst – am vergangenen Freitag auf mehr als 6 Prozent. Das ist höher als am 7. Mai, dem letzten Handelstag vor der großen Weltrettung. Auch die Absicherungskosten für erstrangige Forderungen gegen europäische Großbanken liegen mit jährlich 1,7 Prozent der versicherten Summe nur noch unwesentlich unter dem Ausgangsniveau. Ähnliches gilt für die Aktienmärkte, deren Indizes in den vergangenen drei Handelstagen rund 6 Prozent eingebüßt haben. Viele Investoren versuchen, die jüngsten Gewinne in Sicherheit zu bringen. Davon profitieren in Europa vor allem Bundesanleihen, deren Kurse so stark gestiegen sind, das die erwartete Jahresrendite für Käufer langlaufender Titel mit 2,6 Prozent auf ein Rekordtief gefallen ist.
Ruhe vor dem Sturm?
Eine nachhaltige Wirkung der Stabilisierungsprogramme ist bislang vor allem auf den Märkten für Anleihen finanzschwächerer Staaten zu beobachten. Dort haben sich die Risikoprämien für Schuldtitel aus Portugal, Irland, Spanien und vor allen Griechenland stark verringert. Allerdings ist das nicht auf die Zuversicht der Investoren zurückzuführen. Vielmehr steht seit zwei Wochen die EZB bereit, um den nahezu illiquiden Markt am Leben zu erhalten. Damit hält sie auch die Kurse der Anleihen auf einem für die Banken erträglichen Niveau. Weil viele Banken und andere institutionelle Investoren die Wertverluste nicht in den Bilanzen zeigen wollen, was sie bei einem Verkauf tun müssten, hält sich die Verkaufswelle noch in Grenzen. Die EZB hat in der ersten Woche für die Käufe rund 16,5 Milliarden Euro ausgegeben. An diesem Dienstag wird der Wert für die zweite Woche des Kaufprogramms veröffentlicht.
Schon sorgen sich die Investoren, ob die Stabilisierung wirklich gelingen kann. „Oder herrscht zurzeit nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm?“ Das fragt die BHF-Bank sich und ihre Kunden in einer Analyse. Eine der großen Sorgen bezieht sich auf das Durchhaltevermögen der Schuldenstaaten. Sie erhalten die riesigen Kredithilfen nur, wenn sie ihre Sparprogramme in vollem Umfang umsetzen – und das über mehrere Jahre. Selbst die Größe der Stabilisierungsprogramme wird schon wieder in Frage gestellt. Nach Ansicht von Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup, sind die Staaten des Euro-Raums mit 7000 Milliarden Euro verschuldet. Allein für die fällig werdenden Titel bräuchten sie mehr als 500 Milliarden Euro im Jahr. Rechne man die Haushaltslöcher hinzu, seien es rund 1000 Milliarden Euro, die für den unwahrscheinlichen Fall, dass kein Euro-Staat mehr Zugang zu privater Finanzierung hätte, benötigt würden. Allein für die volle Finanzierung der fünf Schuldenländer Italien, Griechenland, Spanien, Irland und Portugal brauchte es knapp 500 Milliarden Euro. Um alle diese Rechenspiele unnötig zu machen, schlägt Buiter eine Verdoppelung der Stabilisierungsprogramme auf 2000 Milliarden Euro vor.
Die Schuldenkrise sät Zweifel
Trotz solcher Gedankenspiele hat sich der Euro in den vergangenen Tagen etwas erholt – von 1,22 auf zwischenzeitlich gut 1,25 Euro je Dollar. Doch auch diese Unterbrechung der Talfahrt, die im April bei rund 1,35 Dollar je Euro begonnen hatte, ist möglicherweise keine nachhaltige Beruhigung. Nicht aufkeimende Zuversicht stabilisierte den Kurs, sondern eher die Sorge, die Abwertung sei so dynamisch, dass die Notenbanken mit Stützungskäufen oder wenigstens Worten eingreifen könnten, heißt es am Devisenmarkt. Händler räumen Interventionen allerdings bislang nur eine geringe Wahrscheinlichkeit ein.
Die EZB hat in ihrer Geschichte bislang dreimal mit Stützungskäufen in den Devisenmarkt eingegriffen. Dies geschah immer, um den Euro zu stützen. Allerdings handelte sie erst, als Rekordtiefstände erreicht wurden. Davon ist der Euro jedoch weit entfernt. Er liegt rund 50 Prozent über dem Rekordtief und ist, gemessen an der Kaufkraftparität, immer noch leicht überbewertet. Denkbar ist jedoch nach Einschätzung von Devisenhändlern, dass die Notenbanken in der kommenden Woche mit einer verbalen Unterstützung beginnen, um die Euro-Baissiers zu verunsichern.
Auf den Aktienmärkten ist die Krisenstimmung trotz der jüngsten Kursrückschläge noch nicht richtig angekommen. Dort bauen die Optimisten auf ein starkes zweites Quartal mit weiter steigenden Gewinnen. Für dieses Jahr rechnen die Analysten damit, dass die Dax-Unternehmen ihre Gewinne um mehr als 40 Prozent steigern werden. Und der Optimismus nimmt in den Gewinnschätzungen weiter zu. Zuletzt machte sich an den Börsen jedoch auch wieder ein skeptischer Blick auf die wirtschaftlichen Aussichten breit. Die Konjunkturdaten sind zwar weiterhin in ihrer Mehrheit erfreulich und untermauern die Hoffnung auf ein weiteres Jahr mit hohen Zuwachsraten. Die Commerzbank zum Beispiel geht für dieses und das nächste Jahr in Deutschland von Wachstumsraten von 1,8 und 1,5 Prozent aus. Doch die Schuldenkrise sät auch hier Zweifel. Sollten die hochverschuldeten Staaten des Euro-Raums ihre Sparversprechen tatsächlich ernst nehmen, hätte das eine stark dämpfende Wirkung auf die kurzfristigen Wachstumsaussichten.
grenzenlose Naivität und erschreckende Inkompetenz
Volker Kulessa (solelite)
- 24.05.2010, 22:58 Uhr
Wer haette das gedacht....
Juergen Inhof (jinhof)
- 25.05.2010, 06:53 Uhr
Untergang
Lothar von den Brincken (lobrincken)
- 26.05.2010, 15:53 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |