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Internationaler Finanzmarkt 2010 bringt Flut von Staatsanleihen

27.12.2009 ·  Längere Laufzeiten, höhere Renditen: Um seine Anleihen noch vor Silvester am Markt unterzubringen, lockt der amerikanische Staat mit besseren Konditionen - die Konjunkturstützen wollen finanziert sein. Auch in europäischen Ländern ist es nicht anders.

Von Hanno Mußler
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An den drei Handelstagen bis Silvester wird der amerikanische Staat Anleihen im Wert von 110 Milliarden Dollar in Auktionen zum Kauf anbieten. Das riesige Angebot des Schatzamtes in Washington wird voraussichtlich auf dünne Nachfrage treffen. Denn viele Anleger sind noch im Weihnachtsurlaub. Um die Schuldtitel trotz anfänglich geringen Interesses dennoch am Markt unterzubringen, könnten vor allem die Renditen für zwei, fünf, und sieben Jahre laufende amerikanische Staatsanleihen steigen. In diesen Laufzeiten gibt es in dieser Woche die neuen Anleihen. Die Renditen liegen derzeit bei 0,96, 2,54 und rund 3 Prozent.

Das hohe Angebot an Staatsanleihen kurz vor Jahresschluss, zu dem in Europa neue Anleihen aus Italien stoßen, dürfte ein Vorgeschmack auf das gesamte kommende Jahr sein. Der Finanzierungsbedarf der Schulden ist im Jahr 2010 in Amerika größer als in Europa, zumal dort gerade die bisher bei jeweils 200 Milliarden Dollar liegenden Obergrenzen für staatlich garantierte Kredite an die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac aufgehoben wurden. Fannie und Freddie dürften sich zur Stützung des Immobilienmarktes in den nächsten drei Jahren so viel Geld leihen, wie sie benötigten, teilte das Finanzministerium in Washington an Weihnachten mit. Amerikas Schulden könnten sich zudem weiter erhöhen, falls sich Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz mit ihren Forderungen nach neuen Konjunkturprogrammen durchsetzen.

Auch in Europa müssen die staatlichen Maßnahmen zur Konjunkturstützung finanziert werden. Der Bund will sich 2010 mit 343 Milliarden Euro so viel Geld am Kapitalmarkt leihen wie nie zuvor. 2009 waren es 329 Milliarden, 2008 „nur“ 213 Milliarden Euro. Frankreich hat soeben sein Emissionsprogramm für 2010 gegenüber den Plänen von September um 13 Milliarden auf 188 Milliarden Euro aufgestockt. Darunter könnten neue Anleihen mit sehr langen Laufzeiten, etwa 40 oder sogar 50 Jahre, sein.

Zinsspannen am amerikanischen Markt kräftig gestiegen

Das große Angebot an Staatsanleihen zeigt vor allem auf dem amerikanischen Markt Wirkung. Die Zinsspanne zwischen zwei und zehn Jahren Laufzeit für amerikanische Staatsanleihen beträgt inzwischen gut 2,8 Prozentpunkte. Das ist ein Rekord. Vor einem Jahr war der Aufschlag genau halb so groß. Während die Renditen für kurze Laufzeiten wegen der von der Notenbank nicht veränderten Leitzinsen extrem niedrig blieben, klettern die Renditen am langen Ende. Der Grund dafür liegt in der Angst der Anleger vor einer ausufernden amerikanischen Staatsverschuldung. Die Herabstufung der Bonität des Landes, eine anspringende Inflation und eine Abwertung des Dollar könnten Folgen sein. Die Citigroup erwartet deshalb, dass der amerikanische Staat für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit in zwei Jahren nicht wie derzeit 3,75, sondern 6 Prozent Rendite bieten muss, um Anleger zu finden.

Zum Anfang eines Jahres allerdings verfügen wichtige Anlegergruppen wie Versicherer über hohe Liquidität. Die gerade geflossenen Jahresprämien der Versicherten müssen investiert werden. Ob sich viele Versicherer jetzt zu einem Einstieg am Aktienmarkt aufraffen, ist fraglich. Die amerikanischen Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq sowie ihre europäischen Pendants Dax, CAC 40 und Euro Stoxx 50 sind am Tag vor Heiligabend auf neue Jahreshochs gestiegen. Trotz der imposanten Jahresgewinne von 21 Prozent (Dax) und 24 Prozent (S&P 500) sind die Aussichten für Aktien im Vergleich zu Unternehmensanleihen gut. Zum Beispiel die Aktien der Deutschen Telekom, von Eon, Total und Royal Dutch weisen eine um 2 bis 3 Prozentpunkte höhere Dividendenrendite auf als Renditen von Anleihen dieser Unternehmen. Doch Versicherer müssen allein schon aus aufsichtsrechtlichen Gründen vor allem zu Anleihen greifen.

Asiatische Notenbanken größte Abnehmer von Staatsanleihen

Die größten Abnehmer von amerikanischen Staatsanleihen sind bislang die Notenbanken in Asien, die einen Großteil ihrer Devisenreserven darin investieren. Angesichts der zunehmenden Risiken amerikanischer Staatsanleihen suchen sie aber nach Alternativen. 2009 haben die Zentralbanken auf der Welt erstmals seit einem Jahrzehnt wieder netto Gold gekauft. Im Durchschnitt halten sie etwa 10 Prozent ihrer Devisenreserven in Gold. Allerdings ist nach Daten des World Gold Council der Goldanteil gerade bei den traditionell größten Käufern amerikanischer Staatsanleihen, also von China (1,9 Prozent), Japan (2,3) und Indien (4,0), unterdurchschnittlich. Sie könnten die Anlage ihrer Devisenreserven zu Lasten des Dollar und zugunsten von Gold verändern. Auch diese Vermutung hat zu dem Anstieg des Goldpreises im Jahr 2009 beigetragen. Auch wenn sich der Preis der Unze (31,1 Gramm) Feingold seit Mitte November von in der Spitze 1226 Dollar auf derzeit 1105 Dollar ermäßigt hat, bleibt in Dollar ein Jahresgewinn mit Gold von 25 Prozent.

Angesichts des hohen Angebots an Staatsanleihen Käufer zu finden wird sich vor allem für die Staaten schwierig gestalten, die keinem größeren Währungsraum angehören. Russland plant für 2010 wieder eine Emission. Um eine Liquiditätsklemme zu vermeiden, hat die Zentralbank in Moskau für diesen Montag den Refinanzierungssatz der Banken um 0,25 Prozentpunkte auf rekordtiefe 8,75 Prozent verringert. Es ist die zehnte Zinssenkung in diesem Jahr. Das Nachbarland Ukraine, das keinen Zugang zum Kapitalmarkt hat, ist beim Internationalen Währungsfonds JFW mit seinem Wunsch nach einer Not-Tranche von 2 Milliarden Dollar bis Jahresende offenbar vorerst abgeblitzt.

Insgesamt ist die Staatsverschuldung vor allem eine Herausforderung für die Industrieländer, allen voran Amerika und Großbritannien, während die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika gut dastehen. Gespalten ist das Bild in Osteuropa, insbesondere im Baltikum. Vor der Krise verhinderte oft eine hohe Inflation die Erfüllung der Maastricht-Kritierien zur Euro-Einführung. Nun scheitern viele Länder an der hohen Staatsverschuldung. Gleichwohl wird voraussichtlich als nächstes Estland mit guten Chancen schon Mitte 2010 den Antrag stellen, den Euro 2011 einführen zu dürfen.

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