Tut sich etwas in Amerika? Besser als erwartet eingeschätzte Konjunkturindikatoren am vergangenen Freitag, hohe Quartalsgewinne der Großbanken JP Morgan Chase und Wells Fargo, die sich nicht zuletzt mit einem erfolgreicheren Hypothekengeschäft erklären, und eine generell sich belebende Kreditnachfrage sind Beobachtungen, die keine konjunkturelle Wende zum Besseren garantieren, aber doch zur Kenntnis genommen werden sollten. Der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan Chase, Jamie Dimon, hält Leitzinserhöhungen der Fed sogar schon im kommenden Jahr für möglich. Die Führung der Fed hatte erst kürzlich angekündigt, sie wolle den Leitzins bis ins Jahr 2015 konstant niedrig halten - aber unter dem Vorbehalt, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht grundsätzlich bessere.
In Europa werden zwar auch immer einmal wieder unerwartet gute Konjunkturdaten veröffentlicht, doch bleibt das allgemeine Bild wenig erfreulich. Das gilt für den Euroraum und auch für Großbritannien. Auch die Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank liefert den Anlegern keine sehr erfreulichen Nachrichten. In der abgelaufenen Woche ermäßigten sich einige führende Aktienmarktindizes wie der Dow Jones, der 2,1 Prozent verlor. Unklar sind auch die Perspektiven in China. Hier sind die Exporte schneller als erwartet gewachsen, obwohl viele Investoren eine Dämpfung des Wirtschaftswachstums erwarten.
Von Schuldenabbau kann keine Rede sein
Und doch: Die Finanzmärkte befinden sich in keiner schlechten Verfassung. Der Dax hat seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zugelegt; und der deutsche Aktienmarkt steht mit einem satten Zugewinn nicht alleine. An den Anleihemärkten werden neue Papiere selbst bei sehr niedrigen Renditen gut nachgefragt. Und die noch vor wenigen Wochen prognostizierte Abwertung des Euro an den Devisenmärkten hat sich jedenfalls bis heute nicht eingestellt. Der Londoner Hedgefondsmanager Stephen L. Jen erklärt die gute Stimmung mit einer Kombination aus sehr expansiver Geldpolitik und expansiver Finanzpolitik. Nach seinen Beobachtungen kann in den Industrienationen von einem Schuldenabbau („Deleveraging“) insgesamt jedoch keine Rede sein. Zwar seien in manchen Ländern die Schulden im privaten Sektor rückläufig, doch hätten die Staaten dies durch eine Erhöhung der öffentlichen Schulden mehr als kompensiert. Bank- und Finanzkrisen, die auf übermäßiger Kreditvergabe beruhten, könnten mehrere Jahrzehnte dauern, konstatiert Jen.
Eine zumindest auf kürzere Frist pessimistische Sicht scheint man auch beim IWF zu hegen, doch an den Finanzmärkten lässt man sich, gerade in Deutschland, derzeit eher von der Möglichkeit höherer Inflationsraten inspirieren. Diese Strategie erleichtert zudem den Verkauf von Finanzprodukten, zum Beispiel von Aktien oder Aktienfonds. Überhaupt scheint eine Wiederentdeckung der Aktie stattzufinden. In der vergangenen Woche plädierte das Frankfurter Privatbankhaus Metzler für den Aktienkauf, im konkreten Falle für europäische Nebenwerte. Die Vermögensverwalter von Metzler gehen davon aus, dass die expansive Geldpolitik der Zentralbanken inflationäre Folgen zeitigen muss. Anleger könnten sich mit Aktien dagegen wappnen. Die Commerzbank sieht Deutschland vor einem „schlummernden Boom“: Auch wenn aktuelle Konjunkturindikatoren eher schwach aussähen, stehe die deutsche Wirtschaft vor einem längerfristigen Aufschwung. Die expansive Geldpolitik der EZB führt nach Ansicht der Commerzbank vor allem in Deutschland zu viel zu niedrigen Zinsen, die sich auf mittlere Frist in spürbar höheren Inflationsraten niederschlagen sollten. Aus diesem Grund plädiert auch die Commerzbank für die Aktie. Die DZBank sieht ebenfalls „den Keim für zukünftige Inflation“ gelegt und wundert sich über die gute Stimmung an den Finanzmärkten.
Mit „Wieder mal ein EU-Gipfel“ überschreibt die Helaba ihren Wochenausblick. Von dem Gipfeltreffen in dieser Woche sind wohl keine bahnbrechenden Entschlüsse zu erwarten, aber Griechenland und Spanien dürften auf der Agenda weit oben stehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat einen Euroaustritt Griechenlands ausgeschlossen. Aus der Sicht der Helaba würde ein spanisches Rettungsprogramm und eine Entscheidung, Griechenland zu finanzieren und in der Währungsunion zu halten, eine Jahresendrally an den Finanzmärkten begünstigen. Zunächst stehen aber viele Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal an. Der amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa eröffnete in der vergangenen Woche die „Bilanzsaison“. Die Helaba stellt fest, dass bisher weniger amerikanische Unternehmen positiv überrascht hätten als in den Vorquartalen, erkennt darin aber noch keinen ungünstigen Trend. In den kommenden Tagen werden unter anderen General Electric, Microsoft, IBM, Google, Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley berichten. In Deutschland werden Analysten in dieser Woche auf den ZEW-Index achten, der nach Ansicht der Helaba eine gute Indikation für den in der darauffolgenden Woche anstehenden Ifo-Konjunkturindex bieten kann.
Es ist ein Fehler sich aus Aktien zu verabschieden
Harald Sulzmann (hsulzmann)
- 15.10.2012, 15:51 Uhr
Ich kaufe seit Jahren nur noch Aktien.
Alex Zunker (zunker)
- 14.10.2012, 23:37 Uhr
Ein wenig Vertrauen , ein bisschen Hoffnung und etwas Berechnung
Thorsten Krach (sanctum.praeputium)
- 14.10.2012, 20:59 Uhr
Aktien waren nie weg
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 14.10.2012, 20:18 Uhr
Ja was soll denn sonst kommen
Hans Böhringer (HugoMuller)
- 14.10.2012, 19:52 Uhr