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Internationale Finanzmärkte Anleger stellen sich auf dauerhaft fallende Kurse ein

12.09.2011 ·  Viele Bankberater raten trotz der Krise zum Aktienkauf, wenn sich Anleger für längere Zeit an Aktien binden können. Die Einstiegskurse seien erreicht. Indes ist die Rolle von Sachwerten umstritten.

Von Christian von Hiller
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Die starken Kursverluste auf den internationalen Finanzmärkte drücken auf die Stimmung der Anleger. Viele stellen sich schon auf dauerhaft schwierigere Zeiten ein. Die Marktstimmung und die Bewertung der europäischen Aktienmärkte seien historisch gesehen auf einem Tiefpunkt angekommen und könnten deshalb durchaus weiter fallen, stellen die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley in einer aktuellen Markteinschätzung fest. Die extremen Tiefpunkte früherer Baissen hätten europäische Aktien trotz der bisherigen Kursverluste noch nicht erreicht.

Vor allem hätte sich auch der Ausblick für europäische Aktien strukturell verschlechtert. Zum Beleg für diese Einschätzung führt Morgan Stanley die Entwicklung der Prognosen für die Unternehmensgewinne in Europa an, die zuletzt stark zurückgenommen worden sind. Angesichts der Turbulenzen rund um die Euro-Staatsschuldenkrise raten viele Anlageberater ihren Kunden, Sachwerten den Vorzug zu geben. Dies sind in erster Linie Immobilien, Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien, aber im weiteren Sinne auch Wald, Ackerflächen und andere Grundstücke. So wird berichtet, dass manche erfolgreiche Unternehmer derzeit in großem Umfang landwirtschaftliche Flächen in den neuen Bundesländern aufkaufen. Auch Investments in Wald haben an Popularität gewonnen.

Viele Bankberater setzen jedoch weiter auf Aktien – trotz der jüngst hohen Kursverluste oder zum Teil gerade wegen ihnen. So empfiehlt die BHF-Bank, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, ihren Kunden, jetzt nicht die Flucht aus der Aktie anzutreten, „sondern diszipliniert nach unterbewerteten Märkten und Einzelaktien“ zu suchen. Ein gewichtiges Argument ist, dass die Dividendenrenditen auf wichtigen Märkten wie den Vereinigten Staaten oder Deutschland derzeit höher sind als die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. „In der Vergangenheit waren dies Marken, bei denen sich gerade für langfristige, wertorientierte Investoren antizyklische Käufe von Qualitätsunternehmen als sinnvoll erwiesen haben“, hieß es weiter bei der BHF-Bank.

Einstiegskurse erreicht

Mit dieser Einschätzung steht das Kreditinstitut nicht allein. Viele Bankberater vertreten die Auffassung, dass an der Börse jetzt Einstiegskurse erreicht worden sind – für all die Anleger, die sich für eine längere Zeit an Aktien binden können, ohne das Geld unmittelbar zu benötigen. Dem widerspricht Joachim Paul Schäfer, Partner der PSM Vermögensverwaltung Langen v. d. Goltz & Dr. Prinz in München, entschieden. „Wir empfehlen nicht, jetzt in Sachwerte zu gehen“, sagt Schäfer. Zwar müssten sich die Anleger durchaus mittel- oder längerfristig auf Inflation einstellen. Doch jetzt drohe diese nicht. Zudem hätte die Geschichte gezeigt, dass sich Sachwerte wie Immobilien, Aktien oder Gold in Inflationszeiten nicht bewährt, sondern im Gegenteil negative Renditen abgeworfen hätten.

Ohnehin rät er zu einer von Vorsicht geprägten Anlagepolitik. „Jetzt ist nicht die Zeit, um Geld an den Finanzmärkten zu verdienen“, sagt Schäfer. „Jetzt geht es ausschließlich darum, sein Vermögen in diesen Turbulenzen zu erhalten.“ Nur mutige Anleger seien in der Lage, mit jenem Teil ihres Vermögens, dessen Verlust sie notfalls verschmerzen könnten, Chancen wahrzunehmen. Doch für jenen Teil des Vermögens, auf den der Anleger später nicht verzichten könne, gelte äußerste Vorsicht. „Von dem Rat, jetzt Aktien zu kaufen und lange liegen zu lassen, halte ich gar nichts“, sagt Schäfer. Das Risiko sei in diesem Umfeld zu groß. Den Vorwurf, er sei zu ängstlich und hätte die Chancen an den Aktienmärkten im ersten Halbjahr verpasst, nimmt er hin. „Wir gehen in Liquidität, um kurzfristig Chancen wahrnehmen zu können“, sagt Schäfer und kauft kurzlaufende Anleihen von soliden Euro-Staaten wie Deutschland und den Niederlanden oder von soliden, größeren Unternehmen.

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