16.01.2009 · Der Intel-Gewinn ist um 90 Prozent eingebrochen. Und dennoch ist der Aktienkurs an der New Yorker Nachbörse gestiegen und zieht nun den Kurs von Infineon hoch. Doch das Analystenurteil steht noch aus.
Der Gewinn von Intel bricht um 90 Prozent, doch der Aktienkurs steigt um 1,6 Prozent. An solchen Vorgängen verzweifeln immer wieder Beobachter und Akteure an den Finanzmärkten.
Doch erstens lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen, und zweitens sind die Aussichten für den amerikanischen Chip-Hersteller - und auf die kommt es den Akteuren an den Finanzmärkten mehr an als die Berichte über die Vergangenheit - gar nicht so schlecht.
Diese relativ optimistische Einschätzung hat sich am Freitag sogar auf den deutschen Chip-Hersteller Infineon übertragen. Mit einem Kursanstieg von 3,6 Prozent auf 0,87 Euro im frühen Handel war der Titel der klare Favorit unter den deutschen Standardwerten.
Verhalten optimistisch
Intel selbst hat sich trotz des drastischen Gewinneinbruchs verhalten optimistisch für das laufende Jahr geäußert. Die von Investoren vielbeachtete Bruttomarge werde im laufenden Vierteljahr zwar deutlich fallen, sich dann aber rasch erholen, sagte Finanzvorstand Stacy Smith am Donnerstagabend. „Die Bruttomarge wird zunächst ein bisschen anziehen und in der zweiten Jahreshälfte wieder auf einem gesunden Niveau sein.“
Die Aktien des Chipkonzerns, der als Stimmungsbarometer für die gesamte Technologiebranche der Welt gilt, legten in New York am Donnerstagabend nachbörslich zu und sorgten für Kurssprünge bei anderen Technologietiteln in Japan.
Bei der Beurteilung des jüngsten Kursanstiegs sollte berücksichtigt werden, dass die Notierungen für Intel im vergangenen Jahr kräftig unter Druck standen. Fast ein Drittel hat der Titel in den vergangenen zwölf Monaten an Wert verloren, knapp 10 Prozent allein seit Jahresbeginn.
Tiefe Spuren in der Bilanz
Im vierten Quartal hinterließ die Wirtschaftskrise jedoch deutliche Spuren in der Intel-Bilanz. Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent auf 234 Millionen Dollar ein. Das Ergebnis entsprach den Markterwartungen, nachdem das Unternehmen ihre Prognose Anfang Januar zum zweiten Mal in drei Monaten gesenkt hatte. Der Umsatz schrumpfte um 23 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar.
„Die Leute haben sehr, sehr hässliche Zahlen erwartet. Aber Intel hat gemischte Zahlen vorgelegt, etwas besser als Pessimisten befürchtet hatten“, sagte Analyst Patrick Yang.
Viele Investoren hatten erwartet, das Intel seine Umsatzerwartungen für das vierte Quartal zusammenstreichen würde. Stattdessen gab der Konzern wegen des unsicheren Wirtschaftsumfelds offiziell überhaupt keine Prognose ab. „Intern plant das Unternehmen mit einem Umsatz im Bereich von 7 Milliarden Dollar“, erklärte das Unternehmen jedoch. Das liegt im unteren Bereich der Analystenerwartungen, die zwischen 6,56 und 7,8 Milliarden Dollar lagen.
Preisverfall für Speicherchips
Die Technologiebranche leidet bereits seit längerem unter einen Preisverfall für Speicherchips. Außerdem haben die Konsumenten angesichts der Wirtschafskrise ihre Ausgaben deutlich reduziert. „Es ist erst das zweite Mal in 20 Jahren, dass unser Umsatz im vierten Quartal hinter dem des dritten Quartals zurückbleibt“, sagte Intel-Chef Paul Otellini. Deshalb sei finanzielle Disziplin wichtig. Dennoch werde man weiter in Forschung und Entwicklung investieren, sagte Otellini. Auch eine Kürzung oder Streichung der Dividende sei nicht geplant.
Viele Analysten waren bisher auch gar nicht negativ eingestellt für die Kursaussichten von Intel. Mehr als die Hälfte von ihnen sprechen für die Aktie laut Bloomberg-Datenbank eine klare Kaufempfehlung aus. Am frühen Freitagmorgen reagierten die Analysten des amerikanischen Wertpapierhauses Cowen and Company auf die Intel-Zahlen und stuften die Kursperspektiven als „überdurchschnittlich“ ein, ohne allerdings ein konkretes Kursziel zu nennen. Die ersten Reaktionen am Donnerstag von BAS-ML, Goldman Sachs und Robert W. Baird fielen allesamt „neutral“ aus. Goldman setzt das Kursziel bei 12 Dollar je Aktie und damit unter dem aktuellen Niveau von 13,29 Dollar.
Nun warten die Marktteilnehmer darauf, wie die Einschätzungen der Analysten im Laufe der nächsten Tage ausfallen werden, wenn sie das Zahlenwerk des Chip-Konzerns eingehender studiert haben. Charttechnisch nämlich befindet sich der Titel noch in einem Abwärtstrend, der immerhin von einer starken Unterstützung bei 12,50 Dollar abgefangen werden dürfte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |