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Insiderhandel : Skandal erreicht Börse in Sri Lanka

Bild: F.A.Z.

Die Festnahme des Milliardärs und Hedge-Fonds-Managers Raj Rajaratnam in New York führt auch in seiner Heimat Sri Lanka zu Erschütterungen. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Ende des Bürgerkrieges setzt sich gleichwohl fort.

          Am Montag hat der Aktienmarkt in Sri Lanka so stark nachgegeben, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Händler in der Hauptstadt Colombo sprachen von „Panikverkäufen“. Denn Rajaratnam ist mit seinen Fonds nicht nur einer der größten Einzelinvestoren an der Börse des südasiatischen Inselstaates, sondern hält auch große Anteile an einigen der wichtigsten börsennotierten Unternehmen Sri Lankas. So besitzt er unter anderem 9 Prozent an der DFCC Bank, 30 Prozent an Ceylon Leather und 13 Prozent der People's Merchant Bank.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der 52 Jahre alte Rajaratnam ist Chef des weltweit agierenden Hedge-Fonds Galleon. Er steht mit einem Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar auf der Reichenliste der Zeitschrift „Forbes“. Mit verbotenen Insidergeschäften soll er mindestens 17 bis 18 Millionen Dollar illegal in seine Taschen gewirtschaftet haben. Gegen ihn erhebt die Staatsanwaltschaft 13 Vorwürfe, von denen mehrere bei einem Schuldspruch eine Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis nach sich ziehen können.

          Mitten im Nach-Bürgerkriegshoch

          Der Schlag trifft die Börse Sri Lankas zu einem Zeitpunkt, an dem sie enorm vom wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Ende des 26 Jahre währenden Bürgerkrieges Ende Mai profitiert hat. Erst am Donnerstag hatte der Aktienindex der Colombo Stock Exchange (CSE), der den Preis der Papiere von 238 Unternehmen misst, mit 3157,11 Punkten einen Rekord erreicht. Am gestrigen Montag büßte er im Handel fast 4 Prozent ein, beendete den Tag dann aber mit einem Minus von 1,6 Prozent. Dabei verzeichnet die Börse des Inselstaates die höchsten Zuwächse aller asiatischen Börsen in diesem Jahr.

          Weltweit schneidet der südasiatische Handelsplatz hinter der Börse im peruanischen Lima am zweitbesten ab. Seit Jahresbeginn hat der Index der CSE sich mehr als verdoppelt. Allein die Aktie des größten börsennotierten Konzerns Sri Lankas, des Konglomerates John Keells Holdings, verlor im Handelsverlauf am Montag 5 Prozent ihres Wertes. Rajaratnam ist mit einem Anteil von 8,6 Prozent ihr zweitgrößter Aktionär.

          Allerdings bezweifelten Händler am Montag, dass die Verhaftung in New York die Kurse langfristig belasten werde. Der Nachholbedarf der Insel sei nach dem Ende des Bürgerkrieges einfach zu groß. „Wir haben den Terrorismus bekämpft, nun müssen wir einen Wirtschaftskrieg führen“, sagte Malik Fernando, dessen Familie mit Dilmah Tea Co eine der bedeutendsten Marken für Ceylon-Tee führt. „Noch sind die Kosten hier sehr hoch, weil die Infrastruktur aufgrund des Krieges zurückgeblieben ist.“

          Das Ausland sieht Sri Lanka positiv

          Zuversicht über Sri Lankas Aufschwung herrscht auch im Ausland. Gerade erst war die neue Anleihe des Staates über 500 Millionen Dollar dreizehnfach überzeichnet worden. Dabei ist der Coupon der fünf Jahre laufenden Anleihe von mehr als 8 Prozent auf nun 7,4 Prozent verringert worden.

          Wenige Tage zuvor hatte die Kreditratingagentur Standard & Poor's den Ausblick des Landes von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Auslöser war die Zusage des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Wirtschaft der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka mit einem Kredit über 2,6 Milliarden Dollar zu stützen. „Die Bewertung von Sri Lanka könnte noch weiter angehoben werden, wenn das Programm des IWF umgesetzt wird. Dazu zählt auch die Verbesserung der Staatseinnahmen“, hieß es bei S&P. Der IWF äußert sich „vorsichtig optimistisch“ zu den Chancen der Insel mit ihren 20 Millionen Einwohnern. Die Regierung hat zugesagt, ihr Haushaltsdefizit von derzeit 7 Prozent bis 2011 auf 5 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) zurückzuführen.

          „Hongkong Indiens“

          Das BIP Sri Lankas von 39,6 Milliarden Dollar könnte im nächsten Jahr um etwa 6 Prozent wachsen, sagte Zentralbankgouverneur Nivard Cabraal Anfang des Monats. In diesem Jahr sieht er die Wachstumsrate bei knapp 4 Prozent. Treiber dürfte die Bauindustrie sein, denn mit dem Ende des Bürgerkrieges müssen weite Teile im Norden der Insel auf- und ausgebaut werden.

          Die aufständischen Tamil Tigers hatten zeitweise bis zu einem Drittel der Fläche der Insel kontrolliert. Da die Inflationsrate in diesem Jahr zwischen 3 und 5 Prozent rangieren dürfte, hat die Zentralbank mit einem Zinsniveau von 10,5 Prozent Raum für Zinssenkungen, um die Nachfrage nach Krediten und Konsum anzukurbeln.

          Die Analysten einiger Banken hatten seit dem Sieg der Regierungstruppen über die Tamil Tigers ein Kursfeuerwerk gezündet: So schwärmte die HSBC Bank, die Insel vor der Südspitze Indiens habe das Zeug dazu, das „Hongkong Indiens“ zu werden. Sie bezog sich damit auf die Rolle der Sonderverwaltungsregion als Finanz- und Handelszentrum zumindest für Südchina. Häfen, Einzelhandel, Bekleidung und der Tee-Export würden den Aufschwung Sri Lankas vorantreiben, hieß es bei HSBC.

          „Die Erholung wird spektakulär ausfallen. Allein sein Hafen verleiht Sri Lanka einen natürlichen geographischen Vorteil“, sagte Arjuna Mahendran, Chefstratege der HSBC Private Bank in Singapur. Sri Lanka und Indien trennen gerade einmal 31 Kilometer. Indien ist unter den großen Volkswirtschaften diejenige, die am zweitschnellsten wächst.

          70 Prozent des Hafenvolumens Colombos trägt der Verkehr mit Indien bei. Während die Häfen in Indien den Wachstumsraten des Subkontinents nicht gerecht werden, will Sri Lanka das Volumen seines Hafens innerhalb von drei Jahren vervierfachen. Und auch für Touristen soll das frühere Ceylon endlich wieder reizvoll werden: Die Zahl von gut einer halben Million Gästen, die sich auch von Unterständen mit Maschinengewehren in Colombo nicht von der Einreise abhalten ließen, soll um jährlich mindestens 20 Prozent steigen, kündigte die Tourismusbehörde an. Die Kampagne, die sie in das neue Sri Lanka locken soll, steht unter dem Titel „Kleines Wunder“.

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