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Insiderhandel Debakel für Amerikas Börsenaufsicht

18.05.2009 ·  FBI und Staatsanwaltschaft ermitteln derzeit gegen zwei Mitarbeiter der SEC wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Offenbar hat die Börsenaufsicht kein System, um die Wertpapiergeschäfte ihrer eigenen Mitarbeiter zu kontrollieren.

Von Norbert Kuls, New York
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Die amerikanische Börsenaufsicht SEC steht möglicherweise vor einem weiteren hausgemachten Skandal. Wie am Wochenende bekannt wurde, ermittelt die amerikanische Bundespolizei FBI und die Bundesstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf illegalen Insiderhandel gegen zwei langjährige Mitarbeiter der SEC. Als Insiderhandel werden unerlaubte Aktiengeschäfte aufgrund von öffentlich nicht zugänglichen Informationen bezeichnet. Ein interner Prüfungsbericht der SEC beschrieb mehrere Fälle, in denen die beiden weiterhin bei der Behörde beschäftigten Juristen mit Aktien von Unternehmen gehandelt hatten, gegen die zur gleichen Zeit ein Ermittlungsverfahren der SEC lief.

Der Fall droht ein neues Debakel für die Behörde zu werden, die zuletzt wegen ihrer jahrelangen Untätigkeit im Betrugsfall des New Yorker Börsenmaklers Bernard Madoff in die Kritik geraten war. Madoff hatte Kunden seiner Vermögensverwaltung um rund 65 Milliarden Dollar geprellt. Mitarbeiter der SEC hatten trotz jahrelanger Hinweise und zeitweiliger Prüfungen von Madoff diesen gigantischen Betrug nicht aufgedeckt. Unterdessen weiten sich auch Ermittlungen gegen mögliche Mitwisser des geständigen Madoff aus. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt einige Vermögensverwalter, die Madoff Kundengelder zugeführt hatten, über dessen falsche Renditeangaben informiert gewesen zu sein.

Mehr als die Verfehlungen einzelner

Die neue Vorsitzende der SEC, Mary Schapiro, hatte vor dem Kongress vor zwei Monaten eine verschärfte Kontrolle von Investmentgesellschaften angekündigt. Die bisherige Leiterin der Strafverfolgungssparte, Linda Thomsen, war im Februar zurückgetreten. Die beiden jetzt verdächtigten Mitarbeiter sind in dieser Sparte tätig, die unter anderem für die Verfolgung von Insiderhandel zuständig ist. Die SEC steht auch wegen der mangelnden Kontrolle von Wall Street-Banken vor der Finanzkrise in der Kritik. Die durch risikoreiche Transaktionen der Banken mit ausgelöste Krise dürfte eine Neuordnung der Banken- und Marktaufsicht nach sich ziehen, bei der der Einfluss der SEC deutlich beschnitten werden könnte.

Der neue Fall geht über potentielle Verfehlungen einzelner Mitarbeiter hinaus. Der Bericht des internen SEC-Kontrolleurs David Kotz wirft der Behörde vor, „praktisch kein System“ zu haben, um potentiellen Insiderhandel von Angestellten entdecken zu können. Die SEC teilte mit, einen für die Befolgung von Richtlinien zuständigen Spitzenmanager (Chief Compliance Officer) einstellen zu wollen. Zudem werde ein neues Computersystem entwickelt, um Wertpapiergeschäfte ihres Personals einfacher prüfen zu können. „Ohne ein verlässliches Compliance-System kann die SEC nicht wissen, ob es sich um einen Einzelfall oder ein weitverbreitetes Problem handelt“, kritisierte der republikanische Senator Charles Grassley, der den bereits Anfang März fertig gestellten internen Bericht veröffentlicht hatte.

Wenn Kollegen ermittelten, wurde verkauft

Schon jetzt verbietet die SEC ihren Mitarbeitern, Aktien von Unternehmen zu kaufen, wenn sie von einem anhängigen Ermittlungsverfahren Kenntnis haben. Eine der namentlich nicht genannten verdächtigten Angestellten, eine seit 1981 bei der SEC tätige Juristin, hat laut der internen Prüfung für die meisten ihrer Wertpapiergeschäfte beim Ethik-Büro der SEC eine Erlaubnis eingeholt. Die Häufigkeit ihrer Anfragen, insgesamt tätigte sie von Januar 2006 bis Januar 2008 fast 250 Transaktionen, habe schließlich Fragen aufgeworfen. Die Prüfung habe dann „verdächtige Aktivitäten, den Anschein von Ungebührlichkeit, und Belege von potentiellem Handel aufgrund nicht öffentlicher Informationen“ ergeben, hieß es. Der zweite verdächtigte Mitarbeiter arbeitet in der Rechtsabteilung der Strafverfolgungssparte. Angaben über mögliche Gewinne der Mitarbeiter aus ihren Aktiengeschäften wurden nicht bekannt.

Die Juristin soll den gesamten Aktienbestand eines großen Unternehmens im Gesundheitswesen verkauft haben - zwei Monate bevor ein Kollege ein Ermittlungsverfahren gegen den Konzern eröffnete. Sie soll zudem Aktien eines Ölkonzerns erworben haben, kurz nachdem ein Kollege in einem benachbarten Büro formelle Ermittlungen gegen die Firma einleitete. Der Angestellte aus der Rechtsabteilung hat während der Arbeitszeit auch Aktienempfehlungen an seinen Bruder und dessen Frau geschickt. Er beteuert aber, keine nicht-öffentlich verfügbaren Informationen weitergegeben zu haben. „Mein Herz ist rein“, sagte er dem SEC-Kontrolleur.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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