20.10.2009 · Profis wittern Chancen im Bereich Infrastruktur. Denn weltweit fließen weiter staatliche Fördergelder in Großprojekte, sowohl in die verlotterte Infrastruktur Amerikas als auch in die rückständige vieler Schwellenmärkte.
Von David BogoslawWer in Infrastruktur investiert, bezieht derzeit eine breitere Auswahl an Aktien in seine Wunschliste mit ein. Teilweise ist dies als Reaktion darauf zu sehen, dass die finanzielle Unterstützung öffentlicher Projekte durch die Regierung der Vereinigten Staaten nur langsam vonstatten geht.
Ein weiterer Grund ist, dass Fondsmanager nach Aktien von Unternehmen dürsten, die planbare Mittelzuflüsse und Gewinne haben und weniger von der Stärke der Gesamtwirtschaft abhängig sind. Mit anderen Worten: Unternehmen, die eine Monopolstellung bei jenen Einrichtungen und Dienstleistungen einnehmen, die bezahlt werden, gleich wie schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist.
Amerikanische Infrastruktur in desolatem Zustand
Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum und dem steigenden Lebensstandard in Entwicklungsländern wie China, Indien und Brasilien sowie dem sich beschleunigendem Migrationstrend in die Städte steigt die Notwendigkeit, in elementare Infrastruktursysteme wie Wasser, Strom und Telekommunikation zu investieren.
Wie es scheint, gibt es mehr als genug Geld, das in die Sanierung, wenn nicht gar Erneuerung amerikanischer Brücken, Schnellstraßen und Wasseraufbereitungsanlagen investiert werden müsste. Nach den Berechnungen des amerikanischen Verbands der Bauingenieure („American Society of Civil Engineers“, ASCE) wären allein in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von 2,2 Billionen Dollar nötig. Der allgemeine Zustand dieser unentbehrlichen Anlagen ist erschreckend. So war die beste Note, die der ASCE in seinem Infrastrukturzeugnis 2009 vergab, ein C+ für solide Abfallverwertung, während nahezu drei Viertel der Kategorien, einschließlich Straßen, Dämme und Deiche, mit D bewertet wurden.
Diversifizierungsstrategien
In dem Konjunkturpaket im Volumen von 787 Milliarden Dollar, das die amerikanischen Abgeordneten im Februar verabschiedeten, sind rund 81 Milliarden Dollar enthalten, die für die öffentliche Infrastruktur vorgesehen sind. Von den 27,5 Milliarden Dollar, die für den Bau von Schnellstraßen und Brücken angedacht waren, sind bislang nur 2,8 Milliarden Dollar bei den Empfängern eingegangen, was darauf schließen lässt, dass die bisherigen Gesamtausgaben nicht sehr viel höher liegen, meint Josh Duitz, Co-Manager des Alpine Global Infrastructure Fund. Er geht davon aus, dass im Jahr 2010 weitere 15 Milliarden von diesen 27,5 Milliarden Dollar ausgegeben werden.
Als er im Januar 2008 spürte, dass ein Konjunkturrückgang bevorstand oder bereits im Gang war, begann Investmentstratege Jacek Dzierwa, der U.S. Global Investors bei der Verwaltung des Global MegaTrends Fund unterstützt, das Portfolio weg von Bau- und Technikaktien hin zu einem breiteren Spektrum an Unternehmen zu diversifizieren, die sich auf alternative Energien, Wasseraufbereitung, Funkmaste und Stahlproduktion konzentrieren.
Ebenso ist er Unternehmen in Schwellenmärkten wie Brasilien und China zugetan, die, wie er sagt, die Wertentwicklung des Fonds in diesem Jahr vorangetrieben haben. Von Jahresbeginn bis zum 15. Oktober konnte der Fonds 27,5 Prozent zulegen.
Ein Grund dafür, dass er kanadische Bau- und Technikwerte wie die SNC Lavalin Group favorisiert, liegt darin, dass es vergleichsweise wenig große globale Unternehmen in kleineren Märkten gibt, um die Nachfrage nach deren Aktien zu befriedigen. Zudem werden Projekte in Kanada derzeit schneller als erwartet vonseiten der Landesregierung und der Provinzen mit Finanzspritzen versehen, insbesondere in der zweiten Hälfte dieses Jahres.
Die Tatsache, dass SNC Lavalin französischsprachige Manager beschäftigt, hat dem Unternehmen geholfen, Aufträge im französischsprachigen Nordafrika zu erhalten. Algerien ist besonders eifrig dabei, Entsalzungsanlagen, Flüssigerdgaswerke und Straßen zu bauen, sagt Dzierwa.
Monopole
Robert Becker, Direktor für Infrastrukturinvestitionen und -forschung bei Cohen & Steers Capital Management und Co-Manager des Global Infrastructure Fund, versucht, seine Beteiligung an zyklischen Werten auf ein Mindestmaß zu beschränken. Stattdessen konzentriert er sich auf Besitzer und Betreiber von Anlagen mit Monopolmerkmalen, die Möchtegern-Konkurrenten das Abjagen von Marktanteilen erschweren.
Rund ein Drittel des Portfolios des Fonds von Cohen & Steers bestand zum 30. September aus Versorgeraktien. Attraktive Anlagerenditen werden durch das regulative Umfeld allgemein begünstigt, da die Entscheidungsträger erkennen, wie wichtig diese Einrichtungen bei der Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität und des Wirtschaftswachstums sind.
In der nahen Zukunft jedoch wird es den Versorgern durch die Konjunkturflaute erschwert, Genehmigungen für Preiserhöhungen zu erhalten, auch wenn einige in intelligente Stromzähler und andere energiesparende Ausstattungen investieren. Daher verhält sich Becker bei seiner Auswahl an Versorgerwerten eher vorsichtig. Er bevorzugt Pipelines und Stromnetzsysteme, die auf bundes- statt auf einzelstaatlicher Ebene reguliert werden und tendenziell weniger restriktiv in der Preisgestaltung sind. Sein Fonds konnte von Jahresbeginn bis zum 15. Oktober 16,6 Prozent zulegen.
Alpine Woods Capital Management möchte die Position des Alpine Global Infrastructure Fund an Unternehmen, deren Erträge konjunkturabhängig schwanken, auf 10 bis 20 Prozent des Portfolios begrenzen. „Ich werde Bauunternehmen besitzen, die Lizenzen besitzen“, sagt Duitz und bezieht sich dabei auf jene Unternehmen, die Einrichtungen wie Mautstraßen nicht nur bauen, sondern diese auch besitzen und betreiben und die entsprechenden Gebühren einziehen. Ein Unternehmen, das diese Kriterien erfüllt, ist Empresas ICA, das in Mexiko Straßen, Dämme, Brücken und Kanäle baut. Der Alpine Fund legte von Jahresbeginn bis zum 14. Oktober 33,4 Prozent zu.
Themenspiel
Historisch gab es eine eher geringe Korrelation zwischen der Wertentwicklung von Unternehmen, die physische Anlagen besitzen und betreiben, und der Wertentwicklung an den Aktien- und Anleihemärkten. Daher stellen diese eine gute Möglichkeit zur Diversifizierung eines Anlageportfolios dar, meint Becker von Cohen & Steers. Die Aktien mit der besten Wertentwicklung im Laufe der Zeit sind jene, die ein attraktives Dividendenwachstum aufweisen, das durch die hohen Kapitalbeträge ermöglicht wird, die diese Unternehmen tendenziell investieren, fügt er hinzu.
Dies ist ein Grund dafür, dass institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Stiftungen, die lange Zeit direkt in Infrastrukturanlagen investierten, nun eher Käufe von Infrastrukturaktien bevorzugen, meint Becker. Zu den Vorteilen zählen die höhere Liquidität im Vergleich zum Direkteigentum, tägliche Marktpreisbildung sowie Diversifizierung, da die institutionellen Anleger nun eine Beteiligung an einer größeren Anzahl an Unternehmen halten können, die wiederum jeweils mehrere Anlagen besitzen.
Duitz lässt sich in seiner Auswahl in den verschiedenen Ländern durch spezielle Themen leiten. So sind beispielsweise nur 10 Prozent der Straßen in Brasilien befestigt. Dieser prozentuale Anteil dürfte mit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung steigen. Hiervon kann beispielsweise profitieren, wer Anteile von CCR hält, dem größten Eigentümer von Mautstraßen im Land, der befestigte wie auch unbefestigte Straßen kaufen kann.
Ein weiteres Thema, das er mag, ist die weltweit steigende Nachfrage nach sauberem Wasser. Er hält Anteile an Cascal, einem anglo-holländischen Anbieter von Wasser- und Abwasserdienstleistungen für Eigenheime und Unternehmen in Großbritannien, China, Südafrika, Chile und anderen Ländern. Mehr als die Hälfte seiner Erträge stammen derzeit aus Schwellenmärkten.
Breitbandinfrastruktur
Fondsmanagern zufolge sind Mobilfunkmasten ein solider Tipp in der Telekommunikationsbranche, da noch so viel mehr an Breitbandinfrastruktur benötigt wird, um den zunehmend datenintensiven Telefonanwendungen wie Internetdiensten und Musik gerecht zu werden.
Obgleich Becker Anteile an zwei europäischen Satellitenunternehmen, Eutelsat Communications und SES, hält, ist er in der Telekommunikationsbranche am liebsten an Unternehmen beteiligt, die Funktürme besitzen. Auch wenn iPhones und ähnliche fortschrittliche Mobilfunkgeräte heutzutage allgegenwärtig scheinen, ist ihre Marktpenetration nach wie vor eher gering. Je datenintensiver die Geräte, desto höher die Bandbreite, die durch drahtlose Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden muss, um diese Datenmengen zu bewältigen. Ein Vorteil für Funkturmbesitzer wie American Tower liegt darin, dass sie genügend Spielraum haben, ihre Auslastung ohne zusätzliche Kosten zu steigern. „Da die Investitionen bereits getätigt wurden, gehen viele dieser [zusätzlichen] Einnahmen direkt in den Reingewinn ein“, meint Becker.
Dzierwa macht sich das Thema Telekommunikation zunutze, indem er Anteile an Vivo Participacoes hält, einem brasilianischen Mobiltelekommunikationsanbieter mit einem breiten Angebot an Dienstleistungen wie Direktzugang zum Internet durch Datenkarten, Multimedia-Message-Diensten und einer Umgebung, die den Nutzern das Herunterladen von Anwendungen auf ihre Drahtlosgeräte ermöglicht.
Auch findet Dzierwa Gefallen an der in Mexiko ansässigen Grupo Aeroportuario Del Sureste, die neun Flughäfen nahe Cancun besitzt und betreibt. Die Belegungsraten der Hotels im Großraum Riviera Maya, zu dem auch Cancun gehört, gingen während der Schweinegrippe-Hysterie zu Beginn des Jahres um 20 Prozent zurück, stiegen jedoch im Sommer in einigen Hotels, die ihre Preise drastisch senkten, wieder auf über 70 Prozent an, sagt er. Je weniger Touristen kommen, desto weniger Geld verdienen die Flughäfen in ihren Duty-Free-Shops und desto wahrscheinlicher ist es, dass die Fluggesellschaften längerfristig eine Streichung von Flügen in die Region in Erwägung ziehen.
Schwellenmärkte
Wenn die Weltwirtschaft zu einem normaleren Wachstumsmuster zurückgekehrt ist, „gehen wir dahin, wo unserer Meinung nach Geld ausgegeben wird“ und treffen unsere Entscheidungen bezüglich Aktienbesitz unternehmensspezifisch, sagt Dzierwa.
Becker geht davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren weltweit rund 40 Billionen Dollar für Infrastrukturprojekte ausgegeben werden, wovon wohl 7 Billionen auf die Vereinigten Staaten entfallen dürften. Amerikanische Aktien stellen 26 Prozent des Fonds von Cohen & Steers, während 2 Prozent von Kanada und der Rest von Ländern außerhalb Nordamerikas gestellt werden.
Der Aktienbesitz in Schwellenmärkten gibt nicht mehr so viel Anlass zur Besorgnis, wie dies vor einigen Jahren der Fall war, wenn man bedenkt, wie stark sich die Regierungen in diesen Ländern anscheinend stabilisiert haben, glaubt Duitz. Er macht einen Bogen um Russland, während ihm das niedrige politische Risiko, das er in China und Brasilien beobachtet, ein gutes Gefühl gibt. Wer bei einer Investition in Schwellenmärkte sein Risiko begrenzen will, sollte in erster Linie eine diversifizierte Position einnehmen, so dass sich das Risiko verteilt, meint er.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |