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Infineon Zwischen iPad-Phantasie und Gewinnmitnahmen

08.04.2010 ·  Infineon ist ein glanzvolles Comeback gelungen. Keine andere Dax-Aktie hat auch nur einen annähernd so gute Kursentwicklung in den vergangenen Monaten zu verzeichnen. Geholfen hat auch Apples iPad. Doch die Erwartungen sind hoch.

Von Martin Hock
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Manche Comebacks sind spektakulär. Es ist etwas länger als ein Jahr her, da musste die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon aus dem Dax ausscheiden. Grund war eine beispiellose Talfahrt des Aktienkurses von 13,44 Euro im Juli 2007 bis auf 39 Cents im März 2009, die die Marktkapitalisierung hatte um 97 Prozent schrumpfen lassen.

Doch der Dax-Abschied war gleichzeitig der Wendepunkt. Von da an ging es aufwärts und sechs Monate später war Infineon wieder Dax-Mitglied und ist seither der Indexwert mit der mit Abstand besten Wertentwicklung: Um 373 Prozent stieg der Kurs in den vergangenen 12 und immer noch um 23 Prozent im vergangenen Monat.

Wende in der Halbleiterbranche

Grund ist zunächst einmal eine Trendwende in der Halbleiterbranche, deren Umsätze Ende 2008 scharf einbrachen, sich aber ebenso rasch erholten und einen ähnlich spektakulären Zuwachs verzeichnet wie im Jahr 2002 nach dem Platzen der Technologieblase. Auch die Speicherpreise, die fast zwei Jahre lang gefallen waren, haben sich seitdem wieder erholt. Der Leitindex an der Speicherbörse DRAM-Exchange konnte im März seinen Höchststand vom Dezember 2006 nahezu wieder erreichen.

Diese Entwicklung hat sich auch bei Infineon bemerkbar gemacht. Seit dem im September zu Ende gegangenen Schlussquartal des Geschäftsjahres 2008/2009 stiegen die Erlöse nach vier Quartalen der Stagnation wieder. Geht es nach dem Mittel der Analystenprognosen, so wird im Schlussquartal des laufenden Geschäftsjahres die Umsatzmilliarden wieder erreicht werden.

Als Maßzahl der Ertragskraft gilt bei Infineon das kumulierte Segmentergebnis, ein bereinigtes Betriebsergebnis. Dieses ist wieder positiv. Unter dem Strich sieht es indes nicht ganz so gut aus. Zuletzt verbuchte Infineon im fortgeführten Geschäft rote Zahlen, allerdings nicht zuletzt deswegen, weil Abschreibungen auf die französische Fertigungsstätte Altis anfielen.

iPad-Phantasie mit neuer Nahrung

Infineon hat sich von einigen Geschäftsbereichen getrennt. Spektakulär verlief dabei die Trennung von der Speicherchipsparte Qimonda erst über einen Börsengang, schließlich durch die Insolvenz.

Diese Verschlankung bietet jetzt die Voraussetzungen, Möglichkeiten wahrzunehmen. Die Orderbücher seien voll, nicht zuletzt, weil die Lager wieder aufgefüllt werden. Auftrieb gibt nicht zuletzt die Apple-Phantasie, die zwar schon lange schwelt, aber erst am Donnerstag neue Nahrung bekommen hat.

Laut mehreren Berichten von Computerseiten liefert Infineon nach den Chips für das iPhone nun auch Bausteine für die iPad-Variante, die einen Internetzugang über Mobilfunk herstellt.
Mit jedem verkauften iPad dürften damit Experten zufolge rund 10 Dollar in die Kassen des Münchener Konzerns fließen. Der Verkaufsstart für das Gerät, dessen praktischer Nutzen nicht ganz unumstritten ist, war gut und wenn die früheren Erfolge von Apple ein Indiz sind, so sollte sich das Produkt auch für Infineon lohnen.

Hohe Erwartungen im Kurs

Zuletzt hatte der Konzern im Januar seine Prognosen erhöht. Der Umsatz soll um mehr als 20 Prozent auf mindestens 3,63 Milliarden Euro wachsen und die Segmentergebnis-Marge im hohen einstelligen Bereich liegen. Bis dahin waren 10 Prozent mehr Umsatz und eine Marge im mittleren einstelligen Bereich geplant.

Indes ist die Bewertung der Aktie auf Basis der Analystenprognosen durch den steilen Kursanstieg schon ein gutes Stück vorausgelaufen. Mit prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 24 für das laufende und immer noch 15,6 für das kommende Geschäftsjahr beinhaltet der Kurs schon einiges an Erwartungen. Dies macht den Kurs anfällig für Gewinnmitnahmen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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