06.09.2010 · Der Chiphersteller Infineon verkauft die Handychip-Sparte und verliert ein Drittel seines Umsatzes. Aktionäre müssen sich nicht grämen.
Von Patrick BernauEs passiert nicht oft, dass eine Firma plötzlich um fast ein Drittel kleiner ist. Der Chiphersteller Infineon ist jetzt so ein Fall - schon zum zweiten Mal. In der vergangenen Woche hat er sein Geschäft mit Handychips für rund 1,4 Milliarden Dollar an den amerikanischen Konzern Intel verkauft.
Jetzt baut Infineon noch Chips für die Elektronik in Autos, für die Ansteuerung von Motoren und Leuchtdioden, außerdem für Chipkarten und Pässe. Schon vor vier Jahren spaltete der Konzern die Speicherchip-Sparte Qimonda ab, die später in die Insolvenz ging. Jetzt bleibt der Firma noch rund die Hälfte des Umsatzes, den sie zu ihren größten Zeiten hatte.
Verkauf zum richtigen Zeitpunkt
Die Firma hatte auch ihre Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren. Das Geschäft schwankte, Gewinne gab es selten. Im Rezessionsjahr 2009 stand der Konzern gar kurz vor der Pleite. Doch er sammelte neues Geld ein, verkaufte auch das Geschäft mit Chips für die drahtgebundene Kommunikation - er berappelte sich und stieg sogar nach kürzester Zeit wieder in den Deutschen Aktienindex auf.
Der Verkauf der Speicherchip-Sparte jetzt geschieht ohne Not - und Analysten loben ihn prompt. „Er kommt zum richtigen Zeitpunkt“, findet Jan Göhmann von der Nord LB. Jetzt boome der Markt für Smartphones wie das iPhone, für das Infineon Chips herstellt. Künftig aber hätte Infineon mehr Geld investieren müssen, um die Chips weiterzuentwickeln.
Dabei hätte der Konzern auch noch den Kampf mit größeren Konkurrenten aufnehmen müssen. Tatsächlich sei die Größe ein Problem, schätzt auch Andrew Gardiner bei Barclays Capital. „Die Handysparte ist immer noch relativ klein“ - und zwar sowohl im Vergleich mit den Konkurrenten auf dem Handychip-Markt als auch mit den anderen Sparten von Infineon. „Deshalb sind die Margen niedrig.“
Einnehmen statt ausgeben
Nun muss der Konzern kein Geld investieren, sondern bekommt rund eine Milliarde Euro. Dann hat er viel Geld in der Kasse - Geld, mit dem Vorstandschef Peter Bauer zunächst in die anderen Sparten investieren will und später vielleicht andere Firmen zukaufen möchte. Jetzt sei nicht die richtige Zeit, um andere Unternehmen zu kaufen, sagt ein Infineon-Aufsichtsrat - in der aktuellen Konjunktur seien die Preise so hoch, dass man lieber Sparten verkaufe.
Darum bleibt erst mal verhältnismäßig viel Geld in der Kasse. Wenn der Verkauf bezahlt ist, werden auf jede Aktie im Schnitt rund 2,40 Euro aus der Infineon-Kasse entfallen, schätzt Jan Göhrmann von der Nord LB - dabei kostet Infineon derzeit nur rund 4,60 Euro.
Aktionäre können angesichts dessen sogar darauf spekulieren, dass sich ein Konkurrent oder ein Finanzinvestor findet, der Infineon übernehmen möchte. Das mag nicht wahrscheinlich sein, aber doch möglich, wie mancher Firmenkenner denkt. Wenn sich ein Interessent findet, könnten Anleger mit einem Aufschlag auf den aktuellen Kurs rechnen.
Optimistische Analysten
Doch auch für den wahrscheinlicheren Fall, dass kein Käufer kommt, müssen Aktionäre sich nach Ansicht der Analysten nicht ärgern. Die sind einer Auswertung des Finanz-Nachrichtendienstes Bloomberg zufolge zwar derzeit für die Zukunftsaussichten an der Börse so pessimistisch wie selten. Die Aktie von Infineon jedoch empfehlen immer noch die meisten zum Kauf. Sie schätzen angesichts der Wachstumsaussichten der übrigen Sparten, dass die Aktie erst bei einem Stand von sechs bis sieben Euro fair bewertet ist.
Nicht einmal um die Notierung im Deutschen Aktienindex machen sich die meisten Analysten Sorgen. Die hängt schließlich nicht vom Umsatz ab, sondern davon, wie rege die Aktien an der Börse gehandelt werden und was die gehandelten Aktien wert sind. Daran hat der Verkauf bislang wenig geändert. Und wenn die Analysten recht behalten, wird das auch künftig nicht weniger werden.
KGV 26..
Michael Meier (never1)
- 07.09.2010, 14:58 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.396,84 | +1,16% |
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| TecDAX | 764,51 | +1,13% |
| MDAX | 10.417,80 | +1,51% |
| SDAX | 4.878,62 | +1,30% |
| REX | 435,66 | +0,05% |
| Eurostoxx 50 | 2.160,31 | +0,58% |
| F.A.Z. EURO | 70,01 | +0,86% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| Nasdaq 100 | 2.558,97 | +1,26% |
| S&P500 | 1.332,42 | +1,11% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,74% |
| EUR/USD | 1,2484 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
| Bund Future | 144,03 € | −0,19% |