23.10.2008 · Der Industriekonzern ABB legte robuste Quartalszahlen vor. Die Aktie sieht optisch günstig aus. Aber die Aufträge kommen langsamer herein. Die weltwirtschaftliche Entwicklung lässt ebenso Fragen aufkommen, wie der angeschlagene Chart.
Mit einem Kursverlust von etwas mehr als 13 Prozent auf 14,6 Schweizer Franken reagiert die Aktie des in der Schweiz ansässigen, jedoch international tätigen Maschinenbau- und Elektrotechnikkonzerns ABB auf die Umsatz- und Gewinnzahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres, vor allem jedoch auf den Ausblick.
Der Konzern konnte Umsatz und Reingewinn im dritten Quartal des laufenden Jahres 2008 dank einem hohen Auftragsbestand um rund ein Viertel steigern: Der Gewinn legte um 26 Prozent auf 927 Millionen Dollar zu, die Erlöse wuchsen um 22 Prozent auf 8,79 Milliarden Dollar.
Auftragseingang fällt mit einem Plus von sieben Prozent ernüchternd aus
Allerdings fiel der Auftragseingang mit einem Plus von sieben Prozent auf 8,89 Milliarden Dollar ernüchternd aus. Er verfehlte die bisher offensichtlich noch zu optimistischen Markterwartungen. Analysten hatten im dritten Quartal durchschnittlich mit einem Gewinn von 973 Millionen Dollar, einen Umsatz von 8,66 Milliarden Dollar und einenm Auftragseingang von 9,73 Milliarden Dollar gerechnet.
Einige Kunden hätten geplante Investitionen aufgrund der gegenwärtigen Unwägbarkeiten auf den Märkten aufgeschoben, teilte ABB am Donnerstag mit. Zudem hätten sich konjunkturempfindliche Branchen wie die Bau- und Automobilindustrie schwach entwickelt. Kurzfristige Prognosen seien jedoch schwierig, erklärte ABB. Es sei noch nicht abzusehen, welche Folgen die Finanzmarktturbulenzen für das weltweite Wirtschaftswachstum oder die Investitionstätigkeit von Versorgungs- und Industrieunternehmen hätten, hieß es optimistisch abwartend.
Das Unternehmen bekräftigte den Umsatzausblick für das Gesamtjahr 2008. In der Automationssparte peilt der Konzern ein Wachstum von deutlich über zehn Prozent und in der Energietechnik ein Plus von rund 15 bis 20 Prozent an. Auch an den bis ins Jahr 2011 gültigen Zielen will der erst seit September amtierende Konzernchef Joe Hogan nichts ändern. „Wir profitieren weiterhin von langfristigen Trends wie dem Ausbau und der Modernisierung der Energie-Infrastruktur, der Verbesserung der industriellen Produktivität und der Reduzierung der Umweltbelastung“, wurde Hogan in der Mitteilung zitiert.
ABB hat sich für den Zeitraum 2007 bis 2011 ein jährliches organisches Umsatzwachstum von acht bis elf Prozent und eine jährliche Steigerung des Gewinns je Aktie von 15 bis 20 Prozent vorgenommen. Die operative Marge soll sich zwischen elf und 16 Prozent bewegen. Angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in den Vereinigten Staaten, Europas und zunehmend auch in den Schwellenländern wird sich erst noch zeigen müssen, ob solche Prognosen realistisch sind.
Konjunkturelle Bedenken relativieren die Bewertung - Trends zeigen nach unten
Immerhin befinden sich Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie in einem kräftigen Abschwung. Die inzwischen gedrosselte Produktion wird bei den Zulieferern zu entsprechenden Konsequenzen führen. Am Ende ihrer Kette stehen die Energie- und Rohstofflieferanten. Aus diesen Gründen haben in den vergangenen Monaten die Energie- und Rohstoffpreise schon deutlich korrigiert.
Sollten sie weiter nach unten laufen und möglicherweise sogar längere Zeit tief bleiben, so werden die Energie- und Rohstofflieferanten aufgrund gefallener Einnahmen ihre Investitionen zurückfahren und unter Umständen sogar sparen müssen. Das dürfte Folgen bei den Maschinenbau- und anderen zyklischen Unternehmen haben, unter anderem auch bei ABB. Auf dieser Basis werden Anleger die Werte skeptische betrachten, auch wenn sie im Moment mit Blick auf die bisherigen Gewinnerwartungen günstig aussehen mögen. Gingen jedoch die Gewinne zurück, so relativierte sich auch die Attraktivität der relevanten Aktien.
Fakt ist, dass die Trends der Werte an den Börsen steil nach unten deuten. Das spricht für sich. Eine technische Zwischenerholung scheint zwar jederzeit möglich zu sein. Allerdings werden sich die wirtschaftlichen Perspektiven deutlich aufhellen müssen, um eine nachhaltige Trendwende möglich zu machen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |